Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche: "Double Negative" Low machen ein (fast) unhörbares Album – aus Protest gegen Donald Trump

Low sind nach drei Jahre Pause zurück. Sie haben sich verändert. Die einstige Dream Pop-Band hat das Fach gewechselt und das experimentelle Protestalbum der Stunde veröffentlicht.

Von: Sebastian Spallek

Stand: 25.09.2018

„It’s not the end, it’s just the end of hope“, lässt Alan Sparhawk, Sänger der Band Low, alle wissen. Es könnte auch der Leitspruch des neuen Albums „Double Negative“ sein. Schließlich ist die Hoffnungslosigkeit darauf allgegenwärtig. Leichtigkeit? — begraben unter tonnenschwerer basslastiger Melancholie. Und trotzdem: Die Band aus Minnesota driftet nie in Lethargie ab. Das Album ist virtuos, komplex und wunderbar sperrig.

Das Trio, bestehend aus dem Ehepaar Alan Sparhawk und Mimi Parker sowie dem Bassisten Steve Garrington, hat ein vertracktes Konzeptalbum herausgebracht, das sich dem Hörer erst nach und nach erschließt. Fangen wir beim Namen an: „Double Negative“, das kann natürlich heißen: Doppelt so melancholisch und zweimal so schwermütig wie die bisherigen Alben. Aber, da war doch was: „Just to repeat it. I said the word would instead of wouldn’t. The sentence should have been: I don’t see any reason why it wouldn’t be russia. Sort of a double negative.“ Diese Äußerung stammt vom Präsidenten der Vereinigten Staaten — Low haben das Album also auch nach einer absurden Äußerung Donald Trumps benannt, die dieser im Zuge Russlandaffäre machte. Erst jetzt wird klar: „Double Negative“ soll ein Statement sein. Eine Analyse der politischen Gegenwart. „Amerika ist noch immer eine imperialistische Macht. Wir werden belogen und abgelenkt von dem, was wirklich vor sich geht. Ob über Krieg, Folter oder Gesetzesmissbrauch. In den letzten paar Jahren versuchte ich dem Ganzen wahlweise zu entkommen oder aber dagegen anzukämpfen“, so der Sänger Alan Sparhawk in einem Interview auf dem Youtube-Kanal Faceculture.

Das neue Album ist eine Kampfansage

Ja, das neue Album ist eine Kampfansage! Auch gegen gängige Hörgewohnheiten. Es brodelt, es spritzt, zischt bis hin zu einer elektronischen Verzerrung, die an experimentellen Noise erinnern wie beispielsweise im Opener „Quorum“. Der Gesang ist dabei oft so verzerrt wie die Musik. Auch im Song „Dancing in Blood“. Das Feeling erinnert zusammen mit dem surreale Musikvideo noch am ehesten an „Eraserhead“ von David Lynch.

“It’s inside, keep in the know, throw in the earth, dancing in blood.” So weit, so kryptisch.Wer sagt denn auch, dass Protestsongs einfach zu deuten sein müssen? Low wollen die Musik sprechen lassen und so eine emotionale Revolte entfachen. Und vor allem: Weg vom seichten Dream Pop. „Meine Texte sind eine Botschaft an politische Kräfte, an Menschen in Machtpositionen und über diese absurde Welt. Ich wünschte mir, dass Musik die Welt verändern könnte. Aber das glaube ich nicht, zumindest keine großen Dinge. Aber ich denke, Musik kann Menschen verändern. Sie hat mich verändert“, so Alan Sparhawk.

Ein experimentierfreudiges Album ohne einfache Antworten

"Double Negative" von Low ist bei Sub Pop erschienen

Den außergewöhnlichen Sound verdanken Low auch ihrem Produzenten BJ Burton, der auch schon für Bon Iver im Einsatz war. Er hat die Songs verzerrt, fragmentiert, zerlegt und wieder zusammengesetzt. Mit dem Ergebnis einer disharmonischen Klanglandschaft, der man sich kaum entziehen kann.
Low sind ein Risiko eingegangen. „Double Negative“ ist ein experimentierfreudiges Album ohne einfache Antworten. Es verweigert sich und trägt das Risiko, langjährige Fans zu entfremden. Aber: Es ist mehr als ein waghalsiger Schnellschuss. Denn wer die nötige Aufmerksamkeit mitbringt, sich auf dieses radikal düstere Experiment einzulassen, der wird mit einem der besten Alben des Jahres entlohnt.

Der Zündfunk präsentiert das einzige Low-Konzert in Bayern: Erlangen, E-Werk am 5. Februar 2019


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