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#LoveIsNotTourism Wie eine Pandemie und Bürokratie das Wiedersehen in Fernbeziehungen erschwert

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird unter dem Hashtag #LoveIsNotTourism gefordert, Reisebeschränkungen für Paare zu lockern. Die Kampagne hatte Erfolg, denn einige Erleichterungen sind schon in Kraft getreten. Jetzt gerade vor Weihnachten, wo man die Liebsten um sich haben will, wird die Problematik dennoch einmal mehr besonders relevant.

Von: Lena Sauerer

Stand: 17.12.2020

Fluggäste mit Masken während der Coronapandemie vor einer Anzeigetafel | Bild: dpa-Bildfunk/Andrés Gutiérrez

Das betrifft unter anderem Miriam (23) und Pablo (25). Fast neun Monate haben sie sich nicht gesehen, seit Miriams Auslandssemester in Costa Rica im März aufgrund von Corona vorzeitig geendet ist. Jetzt steht sie am Frankfurter Flughafen und hofft, dass die Grenzpolizist*innen die Dokumente, die ihre Beziehung beweisen, akzeptieren und sie ihren Freund endlich wieder sehen darf. Aber sie hat auch Angst: "Ich denke im schlimmsten Fall wärs dann so, dass er wieder zurückfliegen muss. Und das ist natürlich eine absolute Horrorvorstellung, dass ich da am Flughafen vergeblich auf ihn warte, weil er nicht reingelassen wird."

Besonders problematisch ist das Wiedersehen für unverheiratete Paare, bei denen ein/e Partner/in aus einem Nicht-EU-Land stammt. So wird der Besuch des Partners/der Partnerin für viele zu einer nervlichen Zerreißprobe und vor allem zu einm bürokratischen Kraftakt.

Je länger die Pandemie andauert, desto öfter wurden die Einreisebestimmungen verändert/angepasst

Seit ihrer räumlichen Trennung hat sich die Lage von Miriam und Pablo mehrfach verändert. Zunächst sind die Grenzen in Deutschland dicht, dann verschlimmert sich die Situation in Costa Rica und schließlich verhindern Reisebeschränkungen ein Treffen: Das „Problem“ ist, dass Miriam und Pablo nicht verheiratet sind. Und weil Pablo aus einem Nicht-EU-Land kommt, darf er nicht einfach so nach Deutschland reisen. Das Paar ist über die Maßnahmen enttäuscht, erzählt Miriam: "Am Anfang hab ich mir gedacht: Ok, ihr könnt alles irgendwie verlangen, dass man davor einen Test macht und danach. Aber lasst uns doch bitte einfach uns sehen. Also ich verstehe die Vorsichtsmaßnahmen und alles, aber bitte nehmt uns nicht ganz die Möglichkeit uns zu sehen."

Schließlich soll Pablo zu Weihnachten nach Deutschland kommen. Seine Flüge werden ein paar Mal abgesagt und verschoben, bleiben dann aber endlich stabil. Mitte November folgt eine weitere Erleichterung: Unverheiratete Paare dürfen sich nun besuchen, selbst wenn sie davor nicht schon einmal zusammen in Deutschland waren. Dennoch ist sich Miriam nach wie vor unsicher: "Erfüllen wir wirklich alle Voraussetzungen, um uns sehen zu dürfen?"

Nur sehr persönliche Beweise helfen, dass sich Paare sehen dürfen

Denn Miriam und Pablo müssen ihre Beziehung bei der Einreise beweisen. Pablo braucht eine Einladung von Miriam, eine Kopie ihres Personalausweises und beide müssen eine Erklärung zur Beziehung unterschreiben. Darüber hinaus Unterlagen, die zeigen, dass sich das Paar schon mal gesehen hat. Miriam sucht alles zusammen: Fotos, ihr Flugticket von damals, Chatverläufe – alles was sie finden kann. Ziemlich persönliche und private Sachen, aber das ist Miriam egal: "Die Hauptsache ist, dass er einreisen darf."

Aber trotzdem bleibt die Unsicherheit: Es gibt keine Vorab-Prüfung der Unterlagen, die erfolgt erst bei der Grenzkontrolle am Flughafen. Am Ende geht tatsächlich alles gut. Nach 12 Stunden Flug von San Jose nach Frankfurt kommt Pablo ohne Probleme durch die Kontrolle. Er ist überrascht: "Es war einfacher als gedacht. Die Polizei hat mich nur nach den Unterlagen gefragt, ich hab ihnen alles gegeben und die waren in Ordnung. Dann ist der ganze Druck von mir abgefallen." Das Paar kann sich nach fast neun Monaten endlich wieder in die Arme nehmen. Denn: Küssen geht (noch) nicht, da am Flughafen nach wie vor Maskenpflicht gilt. Miriam und Pablo haben trotzdem bewiesen: Love Is Not Tourism.


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