Bayern 2 - Zündfunk


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Album der Woche: "Grey Area" Rapperin Little Simz ist auf dem besten Weg die nächste Missy Elliott zu werden

Besser als Jay-Z, besser als Shakespeare: Little Simz stellt ihr Licht nicht unter den Scheffel. Sie ist der "Boss" und zeigt auf ihrem Album "Grey Area" Rap in seinen besten Facetten. Und tritt damit in die großen Fußstapfen von Missy Elliott.

Von: Ralf Summer

Stand: 11.03.2019

Was ist denn das für Einstieg in eine Hip-Hop-Platte? Sind das Flöten gewesen? Dazu ein verzerrter Psychedelic-Rock-Bass - sind wir hier in den 70ern gelandet? Und dann noch Soul-Streicher - was für eine Mischung! Und dazu eine Rapperin, die textet, dass sie an einem schlechten Tag so gut wie Jay Z ist, an ihrem schlechtesten Tag so gut wie Shakespeare. Selbstbewusstsein scheint sie zu haben. Funk sowieso, Little Simz ist “Boss”.

Während das Video zum Album-Opener “Offence”, eine bunte Breakdancer*innen-Crew in Aktion zeigt, ist der Clip zu “Boss” in schwarz-weiß gedreht, Little Simz tanzt allein. Zu Scratch-Sounds, die an das legendäre “Sure Shot” der Beastie Boys erinnern. Nicht 70er, sondern 90er.

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Little Simz - Selfish feat. Cleo Sol (Official Video) | Bild: Little Simz (via YouTube)

Little Simz - Selfish feat. Cleo Sol (Official Video)

Karrierestart mit neun Jahren

Mit neun begann sie zu rappen, als Teenie hat sie Mixtapes rausgehauen und mit 25 ist sie so routiniert, ihr neues Album „Grey Area“ zu nennen - „das graue Gebiet“. 25, die Zeit der Quarter-Life-Crisis, wie sie in einem Interview sagt. Wenn wir merken, dass die Jugend vorbei ist. Und sie als Rapperin die Rhymes nicht immer nur aggromäßig rausspitten muss. Sondern stattdessen auch mal genüsslich im weichen Ledersessel wippen kann wie sie es in “Selfish” tut.

„Selfish“ mit der Londoner R’n‘B-Sängerin Cleo Sol ist der dritte Hit nach drei Nummern – da kann eigentlich nix mehr passieren auf einem Album. Dass sie gut ist, wussten wir schon beim Debüt, das 2015 auch Album der Woche im Zündfunk war. Damals schwärmte übrigens auch ein gewisser Kendrick Lamar von ihrem Flow.

Beliebte Duett-Partnerin

Ein weiterer Höhepunkt ist „101FM“, das Platz 3 der Zündfunk Top Träxx ist. „101FM“ meint ihr Label „Age 101 Music“, auf dem lediglich Little Simz veröffentlicht. Simbi Ajikawo, wie die Afro-Briten mit nigerianischen Eltern heißt, ist eine gesuchte Duett-Partnerin. Bei den Gorillaz und bei Alt-J hat sie schon gerappt. Auf ihre eigene Platte hat sie Gäste wie Little Dragon und Michael Kiwanuka eingeladen.

In den Fußstapfen von Missy Elliott

Ihre Produktionen mit Jugendfreund Inflo reichen zwar nicht zu Mainstream-Rap-Hits wie von Cardi B oder Lizzo. Im Vergleich mit den großen Namen aus den USA fehlen ihr noch ein, zwei Nullen bei den Streamingzahlen. Vielmehr ist Little Simz die Rapperin, die am ehesten in die Fußstapfen der stilistisch unerreichten Missy Elliott tritt. Noch reicht es für eine Britin für den internationalen Rap-Thron nicht. Noch. Vielleicht ändert es sich schon bald: Sie ist im April beim renommierten Coachella Festival in Kalifornien gebucht.
Die Beatles haben ihr “White Album”, Jay-Z sein “Black Album” und Little Simz nun ihre “Grey Area”. Dabei ist “Grey Area“ alles andere als grau, es zeigt Rap in seinen allerbesten Facetten. Kein Grund für eine Quarter-Life-Crisis, Simbi!


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