Bayern 2 - Zündfunk


110

Meinung Liebe UEFA, krieg Deinen feigen Arsch hoch und zeig Haltung

München will ein Zeichen für Toleranz setzen und die Allianz Arena beim Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben leuchten lassen. Doch die UEFA überlegt, ob man das wirklich machen kann und bekleckert sich auch sonst nicht gerade mit Ruhm. Fußballfan Sandra Limoncini ist entsetzt und hat der UEFA einen Brief geschrieben. Ein Kommentar.

Von: Sandra Limoncini

Stand: 21.06.2021

Allianz Arena erleutet in Regenbogenfarben als gemeinsames Zeichen fuer Toleranz und gegen Diskriminierung. FC Bayern Muenchen - TSG Hoffenheim am 30. 1.2021 | Bild: picture alliance / Sven Simon / Pool via sampics | Frank Hörmann

Liebe UEFA,

was ist eigentlich los mit Dir? Seit Jahrzenten sendest Du rund um die Europameisterschaft aufwendige Spots mit Fußballstars, die für Toleranz und Vielfalt werben. In den Ligen auf der ganzen Welt spielen Fußballer*innen aus allen Nationen und Religionen friedlich miteinander und jetzt kriegt Ihr von der UEFA Eierflattern, weil München ein Zeichen gegen Intoleranz und Homophobie setzen will? Münchens EM-Stadion soll in Regenbogenfarben leuchten, um gegen die homo- und transfeindliche Haltung der rechtsnationalen Regierung Ungarns zu protestieren. Diese schränkt mit einem Gesetz die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität ein, und das Parlament hat das vor kurzem gebilligt. Die Stadt München mit Unterstützung vom Oberbürgermeister Dieter Reiter will jetzt also ein Zeichen setzen. München darf das aber nicht alleine entscheiden. Das letzte Wort habt Ihr, die UEFA als Ausrichter der Euro 2020. Und Ihr habt Euch offiziell noch nicht zu der Initiative geäußert.

Ich liebe Fußball. Ich kann, wenn man mich nachts um drei weckt, ein passives Abseits erklären und wusste schon mit zwölf Jahren, wer die Katze von Anzing ist. Ich kritisiere also in Liebe zu diesem großartigen Sport. Deshalb muss ich euch, der UEFA, das jetzt mal sagen: Wenn Ihr dieses wichtige Symbol der Regenbogenfarben jetzt nicht durchgehen lasst, ist das das Letzte. Wo bleibt denn bitte Eure Haltung?

In Budapest wurden die Spieler der französischen Nationalmannschaft von ungarischen Fans mit Affenlauten begleitet und rassistisch beschimpft. Und das war nicht das erste Mal, dass ungarische Fans sich rassistisch verhielten: Bei einem Vorbereitungsspiel für die EM 2021 zwischen Ungarn und Irland buhten sie die irischen Spieler aus. Die hatten sich wie zwei Jahre vorher der American Football Spieler Colin Kaepernick vor dem Spiel hingekniet, um gegen rassistische Polizeigewalt in den USA zu demonstrieren. Viktor Orbán, Präsident Ungarns, hatte daraufhin nicht etwa seinen Leuten die Korsettstangen eingezogen, sondern die irischen Profis wegen einer „unhöflichen Provokation“ getadelt: „Wenn Du zu Gast bist in einem Land, dann provoziere nicht die Einheimischen“, so Herr Orbán offiziell. Und was macht ihr? Ihr engagiert euch doch nach eigenen Angaben gegen jede Art von Homophobie und Rassismus. Was ist denn mit eurer tollen Kampagne mit dem Titel #EqualGame: Paul Pogba und Cristiano Ronaldo als Feigenblatt einer Kampagne, die nicht wirklich ernstgemeint ist, oder vielleicht doch? Oder kommt das immer darauf an, wem es gerade nutzt?

„Alle haben ihren Platz im Fußball, unabhängig davon, wer sie sind, woher sie stammen und wie gut sie spielen.“ Äh, ja und jetzt wisst Ihr ernsthaft nicht, wie ihr mit dem Fall Regenbogenfarben in der Münchner Arena vorgehen sollt? Liebe UEFA, was gibt’s da bitte noch zu überlegen? Könnt ihr Euch mal raffen? Den Rücken strecken und Haltung zeigen? Eure Reaktion zu den bisherigen rassistischen Vorfällen war: Sowohl der ungarische Verband als auch dessen Fans könnten für ihr Verhalten mit Sanktionen bedacht werden. Oh, Sanktionen. Das ist ja mal richtig krass. Was könnte das wohl sein? Ich weiß, eine richtig harte Geldstrafe. Das ist ja natürlich das Schlimmste, was dem ungarischen Fußballverband passieren könnte. Ich hätte eine ganz andere Idee: Schmeißt die Ungarn einfach aus dem Turnier. Zu hart? Nee, absolut angemessen. Ich weiß, die Spieler können nichts für ihre homofeindliche Regierung, aber Ihr macht mit genau den Spielen Gewinne, während dessen Fans andere Spieler beschimpfen, bespucken und verhöhnen.

Und bitte, wenn ich noch mal hören oder lesen muss, dass ihr keinen Einfluss auf einzelne Länder und deren Politik habt, krieg ich einen hysterischen Lachanfall. Ihr habt München im Vorfeld der EM massiv unter Druck gesetzt: Kein Publikum, keine Spiele. Ihr, die UEFA, habt von den zwölf Ausrichterstädten eine Garantie verlangt, dass vor Zuschauer*innen gespielt wird und das zu einem Zeitpunkt, als die Pandemie noch voll im Gang war. Das war rücksichtslos, gnadenlos und mies.

Ihr habt auf die dänische Mannschaft einen solchen Druck ausgeübt, dass sie weiterspielten, während ihr Mitspieler mit dem Tod rang und sie völlig unter Schock standen. Wenn Menschen im Alltag so etwas passiert, werden sie hinterher von Krisen-Therapeuten betreut. Aber die Dänen sollten weiterspielen und gefälligst einen werbewirksamen, fernsehfreundlichen Fußball präsentieren. Schon klar, das ist hier grad EM da muss man sich halt zusammenreißen, verdienen ja genug die Spieler, die sollen sich mal nicht so anstellen, oder?

Manuel Neuer hat sich bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft eine Regenbogenbinde über den Arm gezogen. Ein Zeichen für Vielfalt und ein Zeichen gegen Homophobie und Hass. Das wurde sofort ein Thema für die Europäische Fußball Union. Ihr von der UEFA habt dann Ermittlungen gegen den Deutschen Fußball Bund aufgenommen. Da handelt ein Spieler im Sinne eurer Kampagne, macht angesichts der ungarischen Gesetzeslage und Situation das einzig Anständige und ihr prüft, ob er das darf? Seid ihr noch ganz dicht? Immerhin habt ihr die Überprüfung gegen den DFB und Manuel Neuer eingestellt und die Regenbogenbinde als sogenannten „good cause“ bewertet. Wenn ihr jetzt noch richtig entscheidet, in Sachen Stadion in München, können wir wieder reden. Also: Kriegt euren feigen Arsch hoch und zeigt Haltung. Und zwar die Richtige.

Fußballerische Grüße von Eurer
Sandra

Update: Die UEFA untersagt am 22. Juni die geplante Aktion, die Münchner Allianz Arena beim Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Der Verband sieht darin einen unerlaubten politischen Kontext.


110