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Princess Charming Was gibt uns die weltweit erste lesbische Datingshow?

Endlich. Ein schwules Format haben wir ja schon seit ein paar Jahren: Prince Charming. Aber jetzt gibt es auch eine lesbische Variante: 20 Personen, 1 Villa, 1 Ziel: Herzen erobern. Aber wie stellt Trash-TV 2021 queere Personen dar?

Von: Alba Wilczek

Stand: 26.05.2021

Irina Schlauch, Princess Charming 2021 | Bild: TV-Now

Das ist er also. DER historische Moment in der modernen Trash-TV-Geschichte. Die weltweit erste lesbische Dating Show. Princess Charming. Und das ist sie. Das Objekt der Begierde: Irina Schlauch. Rechtsanwältin, braunhaarig, schlank und ein blitzweißes Lächeln.

Wie wird Princess Charming gespielt?

Sympathisch wirkt die Princess, wie die Erzählerin aus dem Off sie immer nennt. Unprätentiös. Und ja, fast ein bisschen langweilig für jemanden, der Teil einer Datingshow, also eines eigentlich total trashigen TV-Formats ist. Auch TVNOW, der Streaming Website, die Princess Charming produziert, scheint das zu schwanen. In der Staffel-Vorschau, die am Anfang jeder Folge läuft, werden deswegen direkt folgende Szenen platziert, in denen es um Masturbation und Oralsex geht. Ganz locker.

Klar, is ja immer noch Privatfernsehen. Wo beim heteronormativen Dating-Format die Zuschauer mit Zickenkrieg und Drama bei Laune gehalten werden, kommt TVNOW hier eben mit: Sex. Guckt doch! Auch bei lesbischen Personen geht es zur Sache. Und auch hier wird hinterher gekichert.

Was macht diese Show anders?

Die Dating-Entourage kommt nicht wie sonst in Limousinen sondern auf Trucks in die Princess-Villa. Klar, die Villa darf auch in dieser Reality-TV-Show nicht fehlen. Cool ist: Wir lernen die Teilnehmenden zuerst im natürlichen Look kennen und nicht komplett überkandidelt wie sonst oft in solchen Formaten. Es wird sich beschnuppert, gequatscht und erste Küsschen ausgetauscht. Im Hintergrund läuft dance-bare trendy Musik von überwiegend weiblichen Künstler:innnen. Beyonce, Ariana Grande, Lizzo oder Robyn.

Auf dem Weg zur Villa lernen wir die Truppe näher kennen. Da ist Kati, feminine Romantikerin, die von ihrer Familie noch nicht als lesbisch akzeptiert wird. Britta, Ex-Soldatin, Fitness verrückt und Butch, also eher männlich geprägt. Oder Lu, das Küken. 21 Jahre und Cheerleaderin. Hier und da wird zwar schon mal die Queerness thematisiert oder ein Coming-Out skizziert. Es bleibt aber dezent. Der Tenor lautet: So sieht stinknormale Queerness eben aus. Deal with it.

Queer auf Kreta

"Frauen sind die schönsten Wesen auf der ganzen Welt - PUSSY POWERR!". Kandidatin Wiki ist es, die dieses Mantra in die Landschaft von Kreta schreit. Und ich muss sagen, es ist wirklich schön, so etwas im TV zu sehen. Immer noch müssen sich queere Menschen weltweit sichere Räume erkämpfen, werden diskriminiert oder gar getötet. Da kann so eine kleine TV-Sendung ganz schön was bewirken.

"Ich hätte früher jemandem im TV gebraucht der eine Frau liebt", erzählt Kandidatin Miri. Und genau darum geht es. Dass das queere Spektrum überall stattfindet. Auch im Trash TV. Ich spreche übrigens bewusst von queer. Denn bei Princess Charming nehmen dieses Jahr nicht nur Frauen teil. Eine der Teilnehmenden, Gea, ist non-binär, also eine Person, die sich keinem Geschlecht zugeordnet fühlt. Schön zu sehen. Erstmal.

Wie woke ist diese Dating-Show?

Das Gefühl vergeht einem aber gleich wieder ein bisschen. TVNOW scheint Geas Identität in den Zwischenmoderationen nämlich gründlich zu ignorieren: "In dieser Villa werden zwanzig Frauen leben, die eines verbindet: Die Liebe zu Frauen."

Hm. Nicht so cool. Aber immerhin: die Richtung stimmt. Richtung Zukunft. Eine Zukunft, in der Geschlecht und sexuelle Orientierung keine Rolle mehr spielen, sondern Zeit für die wirklich wichtigen Dinge ist: "Ja, meine Princess sollte 'n schönen Arsch haben, das ist mir wichtig", erklärt Mitstreiterin Jana. Na dann. Viel Glück, liebe Irina.


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