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Zwischen Frust und Aufbruch Drei Indie-Magazine während der Corona-Krise

Die Regale am Zeitschriftenkiosk werden immer leerer. Der Printmarkt hat es schwer - vor allem während Corona, denn das Anzeigengeschäft leidet. Wir haben bei drei Print-Magazinen nachgefragt, ob es nicht auch Chancen in dieser harten Zeit gibt.

Von: Anne Baum

Stand: 21.07.2021

Titelbild der MUH-Krautfunding-Kampagne | Bild: MUH

Zwischen hippen Cafés und allerlei zum Shoppen liegt im Münchner Szeneviertel am Gärtnerplatz ein ganz besonderer Laden für Druckerzeugnisse: das Soda. Die Magazine sind aufgereiht in weißen Regalen. Der Geruch von frisch bedrucktem Papier schwebt durch den Raum. Viele Hefte fallen ins Auge, die einem sonst kaum begegnen, wie etwa „Curves“, ein Magazin über Kurven. Doch während des Lockdowns waren Läden wie das Soda monatelange geschlossen. Auch an Bahnhofskiosken eilten höchstens mal Geschäftsreisende vorbei, viele der Magazine blieben ungesehen – und dann blieben auch noch die Anzeigenkunden weg.

„Wir haben nicht so klassische Touranzeigen für Musik," erzählt Sascha Ehlert vom Magazin "Das Wetter", "aber unsere regelmäßigen Anzeigekunden sind Kulturinstitutionen wie Theater oder Museumshäuser. Und die sind letztes Jahr im Frühjahr/Sommer natürlich erstmal auch sehr vorsichtig gewesen. Haben dann im Herbst wiederum angefangen Imageanzeigen zu schalten, weswegen wir uns zu dem Zeitpunkt wieder stabilisieren konnten“

Beim Indiemagazin „Das Wetter“ geht es nicht um Sonne und Regen, dafür viel um Text und Musik.              

"Das hat die MUH ein bisschen auf Schlagseite gebracht"

Für die Zeitschriftenbranche war die Corona-Zeit durchwachsen. Während Interior-Magazine und alles rund um den Garten boomten, bangten etwa Stadtmagazine um ihre Einnahmen. Wer von Anzeigenkunden lebt, die unter Corona zu leiden hatten, wurde mit in die Krise gestürzt.

Zu denen, die gelitten haben, gehört auch die "MUH". Ein Magazin für „bayrische Aspekte“, wie es heißt. Kultur und Geschichte, Gaudi und auch Politik. Chefredakteur Josef Winkler: "Aber es war so, dass es uns natürlich erwischt hat. Wir leben viel vom Verkauf. Anders als bei anderen Magazinen, die höhere Auflagen haben, wo es vor allem um Anzeigeneinnahmen geht. Die sind bei uns auch wichtig, aber bei uns zählt jedes verkaufte Heft. Wir haben verstärkt mobilisiert über den 'MUHsletter' und Facebook: Bitte bitte, das Heft bestellen, wenn sie es nicht kaufen können. Damit wir möglichst Hefte abverkaufen. Das hat schon gut funktioniert, aber es gibt trotzdem eine Delle. Wenn man schon angeschlagen ist, dann nochmal einen Schuss reinkriegen, das hat die MUH ein bisschen auf Schlagseite gebracht."

Wie lange wird Josef Winkler noch seinen Bart haben?

Gerade startet die MUH eine Crowdfunding-Kampagne. Auf Startnext kann jeder ein bisschen spenden und bekommt dafür Dankeschöns wie den MUH-Lender 2022. Mit dem Geld will die Redaktion endlich mal nicht knapp unterm Existenzminium produzieren. Und wenn die MUH endgültig vom Eis geholt ist, verspricht der Chefredakteur auf der Website ein ganz besonderes Schmankerl: "Die Kollegin wollte einen Gag hinschreiben und hat geschrieben, dass ich mir den Bart rasiere. Ich kann's schon machen, aber ich glaube nicht, dass es irgendeinen Menschen interessiert. Die Leute sollen trotzdem 100.000 Euro spenden - und von mir aus rasiere ich mir dann auch den Bart ab. Es sollte aber jetzt nicht so rüberkommen, als wäre das the wildest dream der MUH-Leser."

"The magic happens, wenn die Frauen das Magazin in den Händen halten"

Die Corona-Krise, das Internet – es gibt viele Gründe, derzeit nicht auf Printmagazine zu setzen. Und doch gibt’s immer wieder Enthusiast:innen, die es mit einem neuen Heft probieren. So wie Lena Augustin und Nina Andre, die gerade in einer Münchner WG-Küche dabei sind, das Amazonen-Magazin zu gründen. Die ersten Texte sind geschrieben, die Interviews geführt, bald wird auch noch das Coverfoto geschossen: "Ich habe früher, als ich jung war, immer Magazine gelesen. Mir viele der Magazine wie "Jolie" oder "Women's Health" reingezogen, mich dann immer verglichen und gedacht: Ich muss so ausschauen wie die Frauen da drin. Danach hab ich mich dann immer schlechter gefühlt. Dann hab ich mir gedacht: Warum gibt es eigentlich kein Magazin, das Frauen so zeigt, wie sie wirklich sind? Wo alltägliche Themen einfach so gezeigt werden und wo man merkt: Ich bin nicht alleine mit dem Thema."

Die Macherinnen des Amazonen-Magazins

Für Lena und Nina war die Corona-Zeit auch eine Chance: "Wir haben eigentlich von der Zeit profitiert. Und auch viele Frauen, die jetzt in dem Team sind. Eine hat sich während der Pandemie selbstständig gemacht und dazu hätte sie davor keine Zeit gehabt."

Im September gibt es die ersten Amazonen-Magazine, in einer Auflage von 1.000 Stück kann man sie dann per Post bestellen. Einige Magazine wird es auch in kleinen Konzepttstores wie einem Kölner Jogashop geben. Und die ersten 100 Vorbestellungen sind bereits eingetrudelt: "Schon ein kleiner Traum, der wahr wird. Man hat ja immer diese Vision und dieses Ziel und auf einmal sieht man wirklich schwarz auf weiß am Bildschirm einen Namen und eine Person, die das Magazin auch bestellt, an diese Inhalte glaubt und da Lust drauf hat. Und das ist schon eine große Belohnung. Noch schöner wird's, wenn wir es verschicken. The magic happens, wenn die Frauen das Magazin in den Händen halten."


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