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"Genius: Aretha" National Geographic produziert meisterhafte Dokus - jetzt auch über Aretha Franklin

Das Wissenschaftsmagazin „National Geographic“ produziert seit einigen Jahren die Fernsehserie „Genius“, wo die Lebensläufe berühmter Menschen nacherzählt werden. Nach Albert Einstein (2017) und Pablo Picasso (2018) ist jetzt Aretha Franklin an der Reihe. So gut ist: „Genius: Aretha“.

Von: Roderich Fabian

Stand: 31.05.2021

Cynthia Erivo spielt Aretha Franklin in der Serie "Genius:Aretha" | Bild: picture alliance / empics | -

 „Respect“ von 1967 gilt heute als einer der größten Songs Aretha Franklins. Es ist eine Hymne der Selbstermächtigung einer Schwarzen Frau, aber eigentlich eine Coverversion, die ursprünglich ein Mann gesungen hat: Otis Redding. Wie Aretha Franklin „Respect“ zu ihrem eigenen Song macht - das ist eine von vielen Anekdoten, die „Genius: Aretha“ erzählt. Die Serie ist nicht chronologisch angeordnet, sondern vermischt diverse Geschichten aus Franklins Leben zu einer Art narrativem Mosaik. Dabei kehrt die Story immer wieder zum großen Wendepunkt in ihrer Karriere zurück, zu den ersten Aufnahmesessions in den Studios von Muscle Shoals, Alabama. Denn erst die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Jerry Wexler machte die Sängerin nach einigen erfolglosen Anläufen zu dem Star, der sie heute ist.

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Aretha Franklin Finds Her Sound | Genius: Aretha | Bild: National Geographic (via YouTube)

Aretha Franklin Finds Her Sound | Genius: Aretha

Aretha Franklin und der rassistische Zeitgeist der Sixties

Jerry Wexler konfrontiert Aretha Franklin in Muscle Shoals mit einer rein weißen Band. Und die Serie dokumentiert die Anlaufschwierigkeiten, die die Sängerin und die Musiker miteinander haben. Der rassistische Zeitgeist der späten Sixties kommt immer wieder zum Vorschein, etwa wenn Franklin schon froh sein kann, in Alabama überhaupt ein Hotel zu finden, das Afro-Amerikaner aufnimmt. Aber im Zentrum steht die Künstlerin Aretha Franklin, die genau weiß, was sie will und das im Studio z.B. gegenüber dem Saxophonisten King Curtis und der Muscle Shoals Rhythm Section auch präzise vermitteln kann. Natürlich müssen in einer achtteiligen Serie auch dramatische Konflikte herausgearbeitet werden. Das war gar nicht so leicht. Denn die christlich erzogene Aretha Franklin war keine typische Rebellin der Sixties, hatte keine Drogenprobleme, und auch ihr Privatleben bot schon damals kaum Material für die Klatschpresse. Aber dann bietet ihr Verhältnis zu den Macho-Männern ihrer Zeit doch Gelegenheiten für dramatische Exkurse.

Ein gutes, aber konventionelles Biopic

So steht der Konflikt mit ihrem Manager und ersten Ehemann Ted White hier im Zentrum. Unfähig, untreu und geldgierig wird White hier gezeigt, vom dem sich Aretha Franklin im Lauf der Geschichte aber ebenso emanzipiert wie von ihrem dominanten Vater, dem Reverend Clarence LaVaughn Franklin, der wiederum überhaupt nichts von Ted White hielt. „Er ist ein Versager, er behindert nur deine Karriere, die wir beide so mühsam aufgebaut haben“, erzählt er in der Serie. „Du hälst ihn für einen besseren Manager als mich, aber er bremst dich eigentlich nur aus!“ Doch Aretha wehrt sich: „Ted ist mein Ehemann. Und niemand außer mir hat das Recht zu beurteilen, wie meine Ehe ist.“

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Genius: Aretha Chain of Fools Trailer | National Geographic | Bild: National Geographic (via YouTube)

Genius: Aretha Chain of Fools Trailer | National Geographic

Das Highlight von „Genius: Aretha“ ist sicherlich die Hauptdarstellerin Cyntia Erívo, die schon in Filmen wie „Harriett“ und „The Color Purple“ überzeugen konnte und auch Aretha Franklin in ihrer ganzen Liebenswürdigkeit glaubwürdig rüberbringt. Insgesamt ist „Genius: Aretha“ - trotz des verschachtelten Handlungsverlaufs - aber ein sehr konventionelles Biopic geworden, das bei dem Streamingdienst Disney+ genau an der richtigen Adresse ist.


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