Bayern 2 - Zündfunk

Meinung Jugendliche werden verarscht – Feierkonzepte sollten nicht nur für Fußballfans gelten

Die Clubs sind dicht, keine Raves in Sicht. Wenn sich Jugendliche draußen treffen, räumt die Polizei die Parks, Städte beschließen Alkoholverbote. Dabei sind Fußballfans die eigentlichen Superspreader. Ein Kommentar.

Von: Franziska Timmer

Stand: 28.06.2021

Tausende feiern am 26.06.2021 im Hamburger Stadtpark – zahlreiche Ingewahrsamnahmen durch die Polizei  | Bild: picture alliance

Die Sonne knallt runter auf Bayern. Jetzt raus, tanzen, feiern, Festival-Saison! Aber obwohl die Inzidenzen zurückgehen: Es ist auch immer noch Corona in Bayern. Während die Alten und Reichen in prallgefüllten Schanigärten zu einem Gläschen Rosé ihre Spaghetti mit Gambas futtern, sind Open-Air-Raves nicht in Sicht und die Clubs noch immer dicht.

Fast das Einzige, was momentan für junge Menschen in Frage kommt, ist rauszugehen, auf Stadtplätze, Brücken, in Parks oder an die Flussufer. Ein kleines bisschen wild sein – The Time Of Our Lives. Lange genug haben sie die Pandemie mitgeschultert, waren solidarisch, einsichtig, haben auf Party verzichtet in einem Lebensabschnitt, in dem man sonst eines nicht sein muss: vernünftig.

Angeekelte und verständnisfreie Berichte

Jetzt, knapp eineinhalb Jahre Pandemie sind vergangen, haben wir immer noch keine Lösungen für junge Menschen und keine Räume. Die nehmen sie sich jetzt eben selbst. Dafür landen sie in den Zeitungen: leicht angeekelte und verständnisfreie Berichte von ausufernden Feiern, urinierenden Jugendlichen, Lärmbelästigung und Müllbergen in den Städten.

In München haben am vergangenen Wochenende wieder Hunderte junger Menschen im Münchner Univiertel rund um die Türkenstraße gefeiert. Nach zahlreichen Beschwerden wegen Ruhestörung schritt die Polizei ein und räumte. Augsburg will unter anderem das nächtliche Verkaufen von Alkohol verbieten.

In Regensburg dürfen die bei jungen Leuten beliebte Jahninsel und der Grieser Spitz bis Oktober nachts nicht betreten werden. Wo sollen sie denn dann hin? Ihren Schulabschluss allein im Kinderzimmer feiern, während die Eltern im Biergarten sitzen?

Fußball-Freaks auf den Superspreader-Fanmeilen

Die Kommunen in Bayern haben darauf keine Antwort, sie reagieren nur, statt Lösungen zu finden. Die Regensburger Künstlerin und Studentin Milla Müller hat dagegen bereits im September 2020 protestiert. Wer von „den schlimmen Jugendlichen“ schwadroniert, bringt sie in Rage: „Dann hätte man sich halt anders kümmern müssen“, sagt sie. „Das sind die Konsequenzen einer unkreativen und fehlgeleiteten Politik.“

Recht hat sie. Junge Menschen sollten noch in diesem Sommer ungestört, unstörend und sicher feiern können! Die Stadt Würzburg hat jetzt einen kleinen Vorstoß gemacht, plant einen Biergarten, der durch eine Tanzfläche im Freien ergänzt werden soll, zugänglich nur für Getestete, vollständig Geimpfte oder Genesene. Mehr davon! Konzepte für Tausende feiernde Fußballfans im Stadion gibt ja offensichtlich auch. Was für eine Verarsche! Wer als junger Mensch die Bilder von ungestört feiernden Fußball-Freaks auf den Superspreader-Fanmeilen sehen muss, der kann nur eines tun: den Kopf schütteln und stinkewütend werden.