Bayern 2 - Zündfunk


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Eltern, ihr seid asozial! Sollen wir aufhören, Kinder in die Welt zu setzen?

Fürsorgliche Eltern tun in der Regel alles, um Schaden von ihren Kindern abzuwenden. Antinatalisten sagen: Wären diese Eltern wirklich konsequent in ihrer Liebe – sie würden erst gar keine Kinder auf die Welt bringen.

Von: Sophie Dezlhofer und Verena Fiebiger

Stand: 01.07.2018

Das gleich vorweg: Heutige Antinatalisten sind nicht für kollektiven Selbstmord, nicht für flächendeckende Abtreibungen, nicht für Euthanasie. Sondern sie sind dafür, einer für sie offensichtlichen Realität ins Auge zu sehen: Die Spezies Mensch ist nicht nur Gift für sich selbst, sondern auch für den Planeten. Moderne Vertreter wie der südafrikanische Philosoph David Benatar plädieren deshalb für grundsätzliche Leidvermeidung – und die sei nur gewährleistet, wenn der Mensch (und auch das Tier) gar nicht erst geboren werden würde.

Der Mensch ist Gift für sich selbst

Ein Ansatz, der den Rufen nach mehr Kindern gegen den demographischen Wandel dreckig ins Gesicht lacht. Kinder? Gibt es wahrlich genug auf dem Planeten – sie leben nur zu unterschiedlichen Bedingungen. Die wenigeren in der westlichen Welt verbrauchen den Großteil der Ressourcen, während die vielen im globalen Süden Hunger leiden und an Infektionen sterben. Aber auch die reichen Kinder kommen nicht ungeschoren davon – ihnen drohen im Alter Demenz und Wohlstandskrankheiten. Bezieht man den ökologischen Aspekt in diesen moralphilosophischen Ansatz mit ein, stellt sich auch die Frage, was für einen Planeten Eltern ihren Kindern überlassen: einen ohne ausreichende Rohstoffe, mit vermüllten Meeren, Artensterben, atomar verseuchten Landstrichen und kriegstraumatisierten Menschen.

Belügt euch nicht selbst und hört auf mit Kinderkriegen!

Dass das Leben auch schön sein kann, dass Leid einfach dazu gehört, dass der Mensch nur Glück empfinden kann, weil er auch den Schmerz kennt – für Antinatalisten sind diese Argumente schlicht Selbstbetrug und eine Verklärung der Tatsachen.

Es gibt aber auch Paare, die sagen: Wir bezeichnen uns nicht als Antinatalisten, finden es aber trotzdem problematisch, Kinder zubekommen. Und es gibt Stimmen, wie die der Schweizer Philosophin Barbara Bleisch. Sie sagt: Antinatalisten machen es sich zu leicht. Was wir brauchen ist eine neue, konstruktivere Ethik, um das Leben auf der Erde erträglicher und auch für zukünftige Generationen möglich zu machen.

Mehr zu diesem Thema gibt es zu hören im Zündfunk Generator "Eltern, ihr seid asozial! Sollen wir aufhören, Kinder in die Welt zu setzen?“. Am 1. Juli ab 22.05 Uhr auf Bayern 2. Die Sendung gibt’s auch als Podcast beim Klick oben auf das Bild oder unter br.de/podcast.


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