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Geburtshelfer der Musikbranche Warum wir den kleinen Clubs und Veranstaltern unendlich dankbar sein sollten

Jede Band fängt mal klein an. Zum Beispiel in Clubs wie der Münchner Milla. Dort spielt man vor 200 Musikfans. Wenn es gut läuft, braucht es eine größere Location. Und dann eine noch Größere. Und dann verliert der Veranstalter die mühsam aufgebaute Band. Sandra Limoncini über die leidenschaftliche Arbeit der kleinen Cllubs.

Author: Sandra Limoncini

Published at: 26-10-2022

Malky, The Impression und Liquid live im Milla | Bild: BR/Matthias Kestel

Wenn man auf die Website vom Milla Club geht, sieht man, da werden Konzerte bis Oktober 2023 angekündigt. Ein Jahr im Voraus ein Konzert anzubieten, ist aber nichts Ungewöhnliches. Die meisten Veranstalter buchen frühzeitig ihre Bands, die sie präsentieren wollen. Auch Philipp Engelhardt, Konzertveranstalter im Milla Club, war mit dem aktuellen Konzert der Schweizer Indie-Folkband Black Sea Dahu schon zeitig dran: „Ich wusste sicher, dass wir das Konzert machen wollen, weil es das letzte Mal ausverkauft war“, erinnert er sich.

Die Geburtshelfer der Musikbranche

Veranstalter kleinerer Clubs und Locations sind die Geburtshelfer der Musikbranche. Die Trüffelsucher unter den Musikfans. Sie suchen unbekannte, interessante Acts. Wenn sie die Bands dann über Jahre aufgebaut haben und eine solide Fanbase geschaffen haben, werden die Fans mehr und die Band-Ambitionen größer. Und dann verlieren kleine Veranstalter diese Künstler*Innen: Sie suchen sich einen neuen Agenten und der dann große Hallen.

Am Anfang sind Musiker aber alle glücklich, wenn man sich für sie interessiert. Und wie man sie entdeckt ist unterschiedlich. Manchmal sind es Zufälle über die man auf eine neue Band oder einen Künstler stößt, manchmal aber auch eine stumpfe Recherche, erzählt Philipp: „Black Sea Dahu habe ich vor drei oder vier Jahren entdeckt. Das ist eine Band aus der Schweiz mit einer sehr auffälligen, einzigartigen Stimme. Die haben in der Schweiz schon einige Preise abgeräumt. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf die gestoßen bin. Dann habe ich gesehen, mit deren Agentur habe ich schon zusammengearbeitet. Vor drei Jahren haben die dann das erste Mal in der Milla gespielt, das war ausverkauft und dann haben wir uns entschlossen das jetzt höher zu veranstalten und ins Ampere zu gehen.“

Große Leidenschaft 

Veranstalter sind meist mit großer Leidenschaft dabei und zum Job gehört eben auch manchmal alles zu machen, wenn es die Lage erfordert: „Wir sind hier schon ein siebenköpfiges Team, aber in dem Fall mach ich die ganze Abenddurchführung, weil ich das tatsächlich möchte. Ich finde es cool mal in einer anderen Location zu sein. Heute kümmere ich mich um die ganze Organisation, vom Catering bis zum Einlass.“

Die Schweizer Band Black Sea Dahu wird bald größere Hallen spielen

Über 400 glückliche Fans im Ampere in München, Philipp ist auch sehr zufrieden mit dem Konzert. Aber vermutlich wird er diese Band heute zum letzten Mal sehen, denn: Weil er einen guten Job macht, muss man das nächste Mal in eine größere Halle gehen und dann ist für ihn Schluss: „Wenn’s zu groß wird, haben wir nicht das Team, um das zu stemmen. Zum anderen suchen die Bands sich dann oft Agenturen, die sie dann größer veranstalten.“

Manchmal fühlt es sich doof an

Aber Phillip ist das gewohnt. Er hat sozusagen sein Schicksal als Musiker-Hebamme akzeptiert. Auch wenn es sich manchmal ein bisschen doof anfühlt: „Ja, das denkt man manchmal schon, aber jede Band will größer werden. Also, wir haben da keine Ego-Probleme, es ist halt einfach so. Das Veranstaltungsleben ist sehr schnelllebig. Das gehört einfach dazu.“