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Kino: "Roads" Nach "Victoria" erzählt Sebastian Schipper in "Roads" von Freundschaft, die über Grenzen geht

Nach "Absolute Giganten“ und "Viktoria" hat der Berliner Regisseur Sebasitan Schipper wieder die Geschichte einer Freundschaft erzählt, diesmal zwischen jungen Männern aus dem Kongo und Großbritannien. Ein Road Movie zum Träumen.

Von: Fabian Roderich

Stand: 29.05.2019

Roads | Bild: StudioCanal

Die Deutschen haben eine Sehnsucht. Das ist die Sehnsucht nach der Weite. Weil in unserem engen, mit Wäldern vollgestellten Land so wenig Horizont existiert, träumt man sich gerne die Weite herbei. Das beweisen auch Autorenfilm-Klassiker wie "Aguirre" von Werner Herzog oder "Paris, Texas" von Wim Wenders, auf denen man sich ja auf die Reise in die Weite befindet. Und so ist das auch bei Sebastian Schipper und seinem Film "Roads", der natürlich wie die genannten Filme ein Road Movie ist. Der Film führt uns am Anfang nach Marokko, wo die Weite sowohl im Angesicht des Meeres als auch beim Blick auf die Wüste gegeben ist. Hauptfiguren sind zwei junge Männer, der Kongolese William und der Brite Gyllen. Die begegnen sich zufällig am Anfang des Films, als Gyllen versucht, ein lahmgelegtes Wohnmobil zum Laufen zu bringen.

Zwei Teenager - große Träume und Sehnsüchte

William und Gyllen werden sofort Freunde. Und es ist für Gyllen eine Selbstverständlichkeit, William - versteckt im Wohnmobil - nach Europa zu bringen. Wie einst in "Absolute Giganten" haben wir es hier mit zwei Teenagern zu tun, die große Träume und Sehnsüchte in sich tragen. Und sie lernen sich gut kennen bei diversen Abenteuern unterwegs. Einmal spielen sie ein Spiel. Der jeweils andere soll sich vorstellen, welche Identitäten man selbst glaubhaft verkörpern könnte. William fängt an und nennt Beispiele wie HipHop-Star und "der erste schwarze Mann auf dem Mond". Gyllen erwidert daraufhin "jüngster Magier in Las Vegas" und "weißer Rassist". Die beiden lachen.

William wird gespielt von Stéphane Bak, auch bekannt als "jüngster Komiker Frankreichs".

In "Roads" versuchen William und Gyllen gegenseitig, die Vorurteile des anderen kennenzulernen und sie zu überwinden. Das Verhalten der Beiden ist dabei vorbildlich. Sie agieren intuitiv so, als hätten sie alle Regeln über die Überbrückung von Unterschieden, zur Konfliktvermeidung und zur De-Eskalation auswendig drauf. Und sie verlieben sich ein bisschen ineinander, während am Fenster die Landschaften von Spanien und Südfrankreich an uns vorbeifliegen. Sebastian Schipper macht eben Filme zum Träumen. Aber in Belgien, wo von der Weite des Südens nichts mehr übrig ist, werden sie von Proleten an einem Imbissstand über angepöbelt. William rät zur Flucht, was Gyllen erstmal gar nicht verstehen kann.

Ein Film für alle, die noch Vertrauen in die Menschen haben

Die jungen Männer müssen anschließend noch weitere Hindernisse überwinden, z.B. das Unverständnis, das ihnen von der älteren Generation gegenübergebracht wird. Dabei, sagt uns "Roads", ist doch alles so einfach. Und vielleicht wäre es das ja auch, wenn wir alle so open minded und vertrauensvoll miteinander umgehen würden, wie die beiden Freunde das tun. "Roads" dürfte ein Hit werden bei allen, die noch Vertrauen in die Menschen haben, die auf die Macht der Liebe setzen und für die Sehnsucht nicht nur ein pathetisches Wort ist, sondern ein innerer Drang, nicht nur nach der geographischen Weite. Man muss nur einfach so jung sein wie William oder Gyllen oder so jung im Herzen wie Sebastian Schipper.


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