Bayern 2 - Zündfunk


8

Im Kino: "Queen & Slim" In diesem Road Movie sehen wir “Queen & Slim” als afroamerikanische Bonnie & Clyde

Im Spielfilm „Queen & Slim“ von Melina Matsoukas spielen Jodie Turner-Smith und Daniel Kaluuya ein Paar, das nach einer tödlich verlaufenen Polizeikontrolle auf der Flucht durch die USA ist und sich ins Ausland absetzen will. Der oft heitere und ein bisschen märchenhafte Abenteuerfilm erinnert an Bonnie & Clyde aus den Sechzigern.

Von: Roderich Fabian

Stand: 08.01.2020

Queen & Slim | Bild: picture alliance/Everett Collection

„Queen and Slim“ ist Pop, in erster Linie. Die Bilder sind sehr bunt, der Schnitt hat Tempo, die Story ist klar und eindeutig. Tatsächlich hat Melina Matsoukas viel von ihrer Erfahrung als Regisseurin erstklassiger Hochglanz-Musikvideos eingebracht. Aber die Film-Musik - gestaltet von Devonté Hynes, also Blood Orange - hält sich dezent zurück. Nicht der Sound, sondern die Story steht hier im Vordergrund. Es geht um  zwei Afro-Amerikaner aus der Mittelklasse, Queen und Slim eben, die sich am Anfang des Films über Tinder-Date kennenlernen und sich witzig abchecken. Aber auf dem Weg nach Hause werden sie von einem Polizisten aufgehalten.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

QUEEN & SLIM Trailer German Deutsch (2020) | Bild: KinoCheck (via YouTube)

QUEEN & SLIM Trailer German Deutsch (2020)

Slim erschießt in Notwehr den Polizisten, aber dem Paar ist klar, dass sie von nun an Gejagte sein werden. Ist „Queen and Slim“ ein politisches Pamphlet gegen Polizeigewalt und rassistische Justiz? Nicht wirklich! Rassismus wird hier sozusagen als gegeben vorausgesetzt und im Lauf des Films eher nebenbei verhandelt. Das ist schon mal eine sehr moderne Auffassung. Es geht um andere Dinge, z.B. um die Verlässlichkeit der Community: Queen und Slim sind auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, die damit selbst ein Risiko eingehen. Denn schon bald wird nach den Beiden landesweit gefahndet. Also klappern sie ihre Freundes- und Verwandtenkreise ab, z.B. Queens ausgeschlafenen Onkel Earl.

Road-Movie, Liebesgeschichte - leichtgewichtig und humorvoll

Jodie Turner-Smith als "Queen of the Road".

Im türkisen Monsterschlitten aus den 70ern geht’s dann in Richtung Süden, denn Queen and Slim wollen es nach Mexiko schaffen. Unterwegs begegnen sie vielen Leuten, die sie als schwarze „Bonnie and Clyde“ feiern. Das Gangsterpärchen aus den 30er Jahren wurde in den Sixties durch einen Spielfilm mit Faye Dunaway und Warren Beatty zu Pop-Ikonen hochgejazzt. Nun übernehmen zwei Briten dieses Erbe: Das schauspielernde Model Jodie Turner-Smith und Daniel Kaluuya, der für seine Hauptrolle im Horror-Film „Get out“ für den Oscar nominiert wurde. Selbstverständlich wird dieses Road Movie schnell auch zu einer Liebesgeschichte, wobei sich Queen in jeder Beziehung als die Mutigere der Beiden zeigt, wenn sie z.B. ihren Oberkörper bei voller Fahrt aus dem Auto hängt.

„Queen and Slim“ sollte man genau so wenig wie damals „Bonnie and Clyde“ auf die politische Goldwaage legen. Dies ist nichts als Entertainment, leichtgewichtig, humorvoll und gut gemacht. Und genau deshalb so wichtig. Denn hier entsteht nie der Eindruck, dass hier irgendjemand noch etwas beweisen oder andere belehren müsste. „Queen and Slim“ ist Mainstream-Kino, gedreht von einer afro-amerikanischen Frau, und das sollten wir 2020 einfach als Selbstverständlichkeit feiern.


8