Bayern 2 - Zündfunk


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"Mordechai" Statt All-Inclusive bucht diesen Sommer einen Flug mit Khruangbin

Nur ein Jahr mussten die Fans warten. Auf Neues von DJ Johnson, Mark Speer und Laura Lee Ochoa. Neues, von den vielleicht drei coolsten Texas locals, die gerade so auf der Welt herumlaufen: Khruangbin. Sie haben eine neue Platte mit dem Namen Mordechai. Und damit lassen die Texaner*innen den träumerischen Höhenflug, den wir dank ihnen haben, um zehn Songs länger anhalten.

Von: Alba Wilczek

Stand: 29.06.2020

Hello, this is the captain is speaking. Bitte die Sitze nach oben klappen und das Rauchen einstellen. Willkommen zu einer neuen Reise der Zündfunk-Airlines - heute fliegen wir mit der „Khruangbin“. Keine Angst, das ist kein verrückter Flugdrache, sondern einfach nur das thailändische Wort für Flugzeug. Ihr Reiseziel heute: Nirvana.

Die neue Khruangbin Platte ist anders als die ersten zwei. Weniger klar in seinen Einflüssen, verschwommener - und, das Wichtigste, weniger Instrumentals. Khruangbin singen jetzt. Und zwar alle drei. Geil.

Der Hype um die Band ist still real

Was Khruangbin in den letzten Jahren so fabriziert haben, ist unglaublich aufregend. Sie haben einen Sound erschaffen, der nicht nur freaaaaking cool ist, sondern auch locker und ungezwungen daher kommt. Ein Sound zum in der Sonne Lesen, abends Liebe machen und tatsächlich auch zum Arbeiten oder Einkaufen. Und der Hype um die Band? Oh ja. Der ist real. Im letzten Jahr hat die Begeisterung um Khruangbin nochmal heftigst zugenommen. Ausverkaufte Konzerte überall, kaum Interviews von der Band, und dadurch nur noch mehr Neugier und Interesse. Der Hype ist kein Wunder – die Texaner*innen machen nicht nur irre gute Musik mit verdammt tiefenentspannter Delivery, sondern entsprechen auch dem modernen Standard einer Band im Jahr 2020: Ein schwarzer Drummer, ein weißer Gitarrist und eine Frau mit lateinamerikanischen Wurzeln am Bass und Lead-Gesang. Alle drei trafen sich in einer Kirchenband in Houston, Texas. Wow.

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Khruangbin: NPR Music Tiny Desk Concert | Bild: NPR Music (via YouTube)

Khruangbin: NPR Music Tiny Desk Concert

"Mordechai" ist eine Sommerplatte. Und noch etwas hat sich verändert. Die Vorgänger-Alben waren immer sehr klar von einem bestimmten Retro-Sound aus einem bestimmten Teil der Welt inspiriert. Die erste war eine Reise zu psychedelischen Thai-Funk, auf dem nächsten Ding dann groovige Einflüssen aus Spanien und dem Iran. Das neue Album dubbt und blubbert zwar gelegentlich so vor sich her, als hätte es von jamaikanischen Kraut genascht – trotzdem will sich die Band diesmal nicht klar verorten. In einem Interview mit der New York Times sagt Lee: „Wir wollten diesmal ein Album mache, das nicht wie EIN bestimmter Ort klingt. Wir wollten eines, das nach allem klingen kann und deswegen dann auch nach Houston, Texas.“

Monotonie und Muzak - aber auch gelungene Killertracks

Eine schöne Idee für die Band, die ihre Musik selbst „Earth Music“ nennt. Das Konzept steckt uns nicht in jeder Sekunde an. Manchmal klingen Songs auf der neuen Platte selbstvergessen, Khruangbin neigen zu ausgeprägter Gedüdeligkeit, Monotonie und Muzak. Aber die gelungenen Killertracks und viele starken Momente reichen uns diesmal. Wie der Song „Pelota“, in dem Khruangbin den Spanish Funk anschmeißen und Lee darüber singt, ein Ball zu sein. Surrealismus in Slow Motion.

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Khruangbin - Pelota (Official Video) | Bild: KhruangbinVEVO (via YouTube)

Khruangbin - Pelota (Official Video)

Der Titel „Mordechai“ bezieht sich auf einen Mann aus London, der Laura Lee nach einem Camping-Trip zum Wandern mit seiner Family einlud. Irgendwann sagte er zu seinem ungeduldigen Sohn: Es geht um die Reise, Junge, nicht das Ziel. Ein Satz, der für die Bassistin und Lead-Sängerin prägend war. Die große amerikanische Musik-Plattform Pitchfork hat über die neue Khruangbin-Platte einen halben Verriss geschrieben - zu sehr würde die Band nun klingen, als möchte sie zwanghaft Musik machen wollen, die schon mal da war. Ich sage: Pitchfork sind wie der ungeduldige Sohn in Lees Story.

Klimabewusstes Slow-Travelling für Junggebliebene mit Coolness-Faktor

Ja. Khruangbin schlagen im Gegensatz zu den Vorgänger-Alben keine wirklich bahnbrechend neuen Töne an, entwickeln sich nicht wirklich weiter. Aber darum geht es doch auch nicht. Um das Ziel. Vielmehr zählt hier die musikalische Reise, die Khruangbin seit ein paar Jahren mit uns wagen. Und mit "Mordechai" lassen die Texaner*innen genau diese Reise, den träumerischen Höhenflug um zehn Songs länger anhalten. In einer Urlaubsbroschüre stünde hier jetzt: Entspanntes, klimabewusstes Slow-Travelling für Junggebliebene mit Coolness-Faktor. Buchen Sie jetzt ihren Sitzplatz und genießen sie ihren Trip.


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