Bayern 2 - Zündfunk

„Mr. Morale & The Big Steppers” Egal wie das neue Kendrick-Lamar Album wird, du solltest dem besten Rapper der Welt zuhören

Der wichtigste Rapper unserer Zeit ist zurück. Im Mai bringt Kendrick Lamar nach fünf Jahren ein neues Album heraus. Name: Mr. Morale & The Big Steppers. Alle erwarten erneut Großes. Doch das ist nicht so wichtig. Denn Kendricks Lebenswerk ist bereits vollbracht: Kritisches Schwarzes Empowerment noch lange vor Black Lives Matter.

Von: Alba Wilczek

Stand: 21.04.2022

Kendrick Lamar | Bild: picture alliance / Ritzau Scanpix | Helle Arensbak

Eigentlich hat er es 2016 schon gewusst. Damals auf seiner EP „untitled unmastered“. Auf dem Track „untitled 07” rappt Kendrick Lamar: „Love won't get you high as this, Drugs won't get you high as this, Fame won't get you high as this Chains won't get you high as this, Juice won't get you high as this, Crew won't get you high as this. Hate won't get you high as this, Levitate, levitate, levitate, levitate.”

Keine Liebe, keine Drogen, kein Ruhm - Nichts. Nichts macht dich so high, wie das hier. Und mit „das hier“ meint der Rapper sich selbst. Kendrick Lamar. Black Empowerment in Persona. Ein Schwarzer Künstler aus der Vorhölle L.As, der die Themen auf den Tisch bringt, die viel zu lange in der Ecke lagen. Da wäre: Seine Musik, ein wilder Mix aus Rap, HipHop, Jazz, Soul-Samples und Spoken Word. Und seine Lyrics: Poesie so komplex und durchdringend, dass sie 2018 mit einem Pulitzer Preis geehrt wurde.

Wilde Spekulationen über das neue Album

Seine Zeilen aus 2016 haben auch sechs Jahre später noch Gültigkeit. Bis heute macht die Musik-Welt nichts so high wie News von Kendrick Lamar. Fünf Jahren war es stiller um das Ausnahmetalent. Die letzte Platte „DAMN.“ kam 2017 auf den Markt. Kommerziell sein bisher größter Erfolg. Doch seitdem bekam die Welt nur hier ein kleines Feature serviert, da ein bisschen Filmmusik („Black Panther“) und dort einen Auftritt beim Superbowl, zusammen mit Dr. Dre und anderen Gästen. Nun aber: Ein echtes Lebenszeichen. Im Mai kommt eine neue Kendrick-Platte: „Mr. Morale & The Big Steppers“.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Kendrick Lamar - HUMBLE. | Bild: KendrickLamarVEVO (via YouTube)

Kendrick Lamar - HUMBLE.

Das Internet wirft seit dem Announcement mit wilden Spekulationen um sich. „Mr. Morale & The Big Steppers“. Klingt irgendwie nach einer Soul oder Reggae-Band. Oder nach etwas, das gut in die Diskographie des verstorbenen Rappers MF Doom passen würde. Wird Kendrick uns wie auf seinen letzten Platten erneut eine Moralpredigt halten? Hm. Mysteriös auch der Begriff „Oklama“. Ein Name, der sowohl Kendricks Website ziert, als auch die Unterschrift auf seinen Album-Ankündigungen. Love, Oklama steht da überalll. Ein Alter Ego vielleicht?

Ein Black Lives Matter-Manifest bevor die Bewegung richtig durchstartete

Sicher ist jedenfalls: Die Erwartungen für die neue Platte sind haushoch. Verständlich. Die fünf Jahre Pause, die monumentalen Alben vorher und all das, was seitdem geschehen ist. Black Lives Matter. Der neue amerikanische Präsident, Kriege und die Pandemie. The pressure is on für den Mann, der als größter Rapper und Lyriker unserer Zeit gilt. Einen Titel, den er übrigens allerspätestens seit seinem Jahrhundertwerk „To Pimp a Butterfly“ trägt, aus dem Jahr 2015. Eine Platte, die das Zündfunk-Team zum besten Album des Jahrzehnts gekürt hat und die jetzt auch in einer Podcast-Doku-Serie besprochen wird: Das Spotify-Original "The Big Hit Show", produziert von Barack und Michelle Obama, widmet dem Werk ihre ganze nächste Staffel.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Kendrick Lamar - King Kunta | Bild: KendrickLamarVEVO (via YouTube)

Kendrick Lamar - King Kunta

So wichtig, so komplex, so unausweichlich bedeutend war und ist „To Pimp a Butterfly“. Ein Black Lives Matter Manifest, bevor die Bewegung richtig durchstartete. Bevor endlich auf großen und ganz kleinen Bühnen über Rassismus gesprochen wurde. Kendrick Lamar schuf eine akustische Ausstellung über die Lebensrealität Schwarzer Menschen. Mit eigenen Erfahrungen, Historie, moderner Sozialkritik und Poesie. Dem Hip-Hop-Producer Rick Rubin erzählt Kendrick 2016 über seinen Schreibprozess: „Mein Prozess fängt mit einem Haufen Gedanken an, über die ich grübel. Ich denke über Ideen nach und darüber, was ich als nächstes sagen möchte. Und zu dem Zeitpunkt, wo ich dann später im Studio bin, muss ich genau den Sound finden, der diese Emotion oder diese Idee getriggert hat, über die ich Monate vorher nachgedacht habe.“

Kendrick muss niemandem etwas beweisen

Das Grammy nominierte Kendrick-Album "To Pimp A Butterfly".

Kendricks Kunst, mit all seinen Facetten gehört bereits jetzt in die Music Hall Of Fame. Was also soll da noch kommen? Meine Antwort: Eigentlich ist das gar nicht so wichtig. Gefühlt hat der Rapper mit seiner Musik bereits so viel gesagt und so viel vollbracht, dass es schwer ist sich noch weitere Stufen darüber vorzustellen. Dazu steht der Künstler seit Jahren auch handwerklich auf dem Rap-Level „Legende“. Kendrick ist ein King. Aber genau das macht ihn frei. Er muss niemandem etwas beweisen.

Unter einem Kendrick-Video auf Youtube steht: „So sehr wir auch auf neue Musik von ihm warten. Kendrick ist einer dieser wenigen Künstler, bei denen wir schon zufrieden sind mit dem, was er uns bisher und inzwischen gegeben hat. Ich bin gespannt, was er fünf Jahre nach „DAMN.“ zu sagen hat.“ Und so werde auch ich verbleiben. Ohne Erwartungen. Gespannt, was Kendrick zu sagen hat. Aber auch zufrieden, mit dem, was bereits da ist. Die Tiefen von „To Pimp A Butterfly, die Bässe und Hooks von „DAMN.“ und „Good Kid, M.A.A.D City“, die monumentale Coolness von „Section80“. Sein geniales Werk. In das ich mich auch die kommenden Jahre immer wieder verlieren werde.