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"Keleketla!" Coldcut starten mit dem Projekt "Keleketla" eine internationale Liebesaffäre

Auch nach Corona dürfte es schwer werden, dieses Album der Woche live zu hören: Denn an dem Sound-Projekt "Keleketla!" waren mehr als zwei Dutzend Musiker aus drei Kontinenten beteiligt. Eine internationale Liebesaffäre, initiiert von einer kleinen Buchhandlung in Johannesburg – zusammen mit Coldcut.

Von: Roderich Fabian

Stand: 06.07.2020

Keleketla! - 'Future Toyi Toyi (Edit)' (Official Audio) | Bild: Coldcut (via YouTube)

Keleketla! war von Anfang an ein analog-digitales Hybrid – mit über 20 Musikern und Sänger*Innen aus Südafrika. Matt Black und Jon More aus London, das DJ- und Produzenten-Duo, das seit mehr als 30 Jahren unter dem Namen Coldcut bekannt ist, machte die Aufnahmen vor Ort und steuerte die elektronischen Beats bei.

Von Johannesburg nach London

Jon More erklärt uns erstmal, wofür das Wort "Keleketla" überhaupt steht: "Das Wort Keleketla gibt’s in einigen südafrikanischen Sprachen und hat leicht unterschiedliche Bedeutungen. Im Grunde aber geht’s um 'Call and Response' - man ruft "Keleketla", wenn jemand eine Geschichte erzählt oder ein Lied vorträgt. Aber es ist auch der Name einer Bücherei in Johannesburg, dort hat das Projekt seinen Anfang genommen".

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Keleketla! - 'International Love Affair' (Official Audio) | Bild: Coldcut (via YouTube)

Keleketla! - 'International Love Affair' (Official Audio)

2017 trat die Keleketla!-Bücherei aus Johannesburg an das britische Produzenten-Team Coldcut heran, ob sie Interesse an einem gemeinsamen Projekt hätten. Jon More und Matt Black sagten ja, nahmen Basic Tracks mit Dutzenden von südafrikanischen Musikern vor Ort auf, nahmen das Material mit nach London, um es dort von weiteren Musikern (darunter Tony Allen und Shabaka Hutchings) weiter veredeln zu lassen.

Der Sound als globale Interaktion

Das Projekt als "International Love Affair". Und tatsächlich klingen hier viele traditionelle Zulu-Beats ebenso an wie der Call-and-Response-Gesang zwischen Solist und Chor. Aber die Aufnahmen mit den südafrikanischen Jazz- und Folk-Musiker*Innen waren nur die ersten Schritte des Projekts.

"Wir haben fünf Tage in Soweto und Kapstadt gejammt und aufgenommen und sind dann nach London, um die Musik weiter zu bearbeiten. Matt und ich sind große Fans von Fela Kuti und seinen Afrobeats. Und weil wir noch keinen Drummer aufgenommen hatten, haben wir dessen ehemaligen Schlagzeuger Tony Allen gefragt. Er ist von Paris zu uns nach London gekommen und hat mit uns einen Tag lang Drums aufgenommen - eine tolle Erfahrung für uns", sagt Jon More.

Die letzte Aufnahme von Tony Allen

Umso trauriger war es auch für Coldcut, dass Tony Allen Ende April in Paris gestorben ist. Auf diesem Album aber erleben wir seinen Afro-Beat noch einmal in Perfektion. Aber auch Stars der aktuellen britischen Jazz-Szene folgten dem Ruf von Matt Black und Jon More, z.B. der Saxophonist Shabaka Hutchings oder der Pianist Joe Armon-Jones, mit beiden wurden in London diverse Overdubs aufgenommen. Keleketla, also der Call-and-Response-Gedanke zieht sich auch im übertragenen Sinne durch das ganze Album. 

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Keleketla! - 'Future Toyi Toyi (Gqom Version)' (Official Audio) | Bild: Coldcut (via YouTube)

Keleketla! - 'Future Toyi Toyi (Gqom Version)' (Official Audio)

"Auch in London sind wir diesem Gedanken gefolgt. Deswegen haben wir viele weitere Musiker in dieses Projekt einbezogen - das war ja die Grundidee. Auch das Cover des tollen südafrikanischen Künstlers namens Mr. Buzzyslickers repräsentiert das: Man sieht Leute um etwas herumtanzen, das wie ein Feuer aussieht. Aber eigentlich ist es der Ruf, der rausgeht und der die Menschen bittet, zu antworten", sagt More.

Keleketla! verstrahlt einen positiven, aktivistischen Vibe: Es geht um Freiheit, Respekt und Kollaboration - genauso hatten sich das die Initiatoren der Bücherei aus Johannesburg vorgestellt. Musikalisch ist es ein manchmal nostalgisches Album geworden, denn die meisten Stücke hier klingen nach dem Afro-Beat-Spirit der 70er, aber: Was ist so falsch an Liebe, Frieden und gegenseitigem Verständnis?


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