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Fußball-TV-Rechte Keiner schaut mehr die Champions League - endlich

FC Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge fordert, dass Champions-League-Spiele wieder im Free-TV zu sehen sein müssen. Eine scheinheilige Forderung, kommentiert Niklas Schenk.

Von: Niklas Schenk

Stand: 19.02.2019

Karl-Heinz Rummenigge auf der FC Bayern-Mitgliederversammlung | Bild: picture-alliance/dpa

Weder bei ARD/ZDF, noch den Privatsendern gibt es die Champions League zu sehen – sprich: Entweder man nimmt sauber Geld in die Hand, um die europäische Königsklasse erleben zu dürfen – oder man geht in die Kneipe. Und selbst da braucht man als Kneipen-Chefin mindestens zwei Pay-TV-Abos, um alle Spiele zeigen zu können. Dazu dann nochmal eines für die Bundesliga am Montag und und und – es ist ein nie enden wollender Rechte-Wahnsinn, der immer noch wahnsinnger wird. Aber von vorne.

2005: Premiere, der Vorgänger des heutigen Sky, kauft die Exklusivrechte an der Fußball Champions League – und einem passt das gar nicht: Dem Basis-Fußball-Demokraten Karl-Heinz Rummenigge. Damals schon einer der Chefs des FC Bayern München nennt Pay-TV „erpresserisch“, weil Premiere die Fans „dazu zwinge sich teure Abos“ zuzulegen. Das ist die eine Seite der Geschichte, die andere kommt vom damaligen Premiere-Chef Hans Mahr: "Wir sind die Geldeintreiber für die Vereine und dürfen uns dafür auch noch beschimpfen lassen“.

Heute, 14 Jahre später, genau dieselbe Geschichte: Bayern spielt gegen Liverpool und zu sehen bekommt man das nur im Pay-TV. Rummenigge forderte deshalb vor einigen Tagen: Mindestens ein Spiel pro Runde muss bald wieder im Free-TV laufen. Also so, wie es vor dieser Saison war. Andere Manager, etwa aus Dortmund oder Schalke, schlossen sich umgehend an.

„Da macht man nur Klick und holt sich den Kick“

Nur so einfach macht eben keiner Klick. Denn: Die UEFA vermarktet ihre Rechte selbst. Sie hat ausgehandelt, dass die Champions League seit diesem Jahr nicht auf einem, sondern auf zwei Pay-TV-Sendern läuft: auf Sky und DAZN. Für viele Fans ein Riesenchaos. 84 Prozent weniger Fans als noch im Vorjahr schalten ein. Der ZDF-Zuschauer, der sonst nur die Taste 2 auf seiner Fernbedienung drücken musste, hat jetzt zwei Pay-TV-Abos, die er bezahlen muss, und – wenn es ganz blöd läuft ein On-Demand-Angebot, das er womöglich noch mühsam vom Computer auf seinen Fernseher streamen muss. Von wegen: Nur ein Klick.

Die aktuelle Kritik von Rummenigge und Co. ist in der Sache vielleicht richtig – aber sie ist scheinheilig. Sky konterte nicht zu Unrecht frotzelig: Die UEFA habe bei der Ausschreibung zwar auf das Motto „Das meiste Geld gewinnt“ gesetzt – aber eben auf starken Druck der Spitzenklubs. Und wer ist der Chef eines solchen Clubs? Richtig, der Rummenigge Karl Heinz. Der war bis 2017, als die Rechte vergeben wurden, sogar Chef der Uefa-nahen "European Club Association". Rummenigge und andere Top-Manager hatten sich höchst geheim mit anderen Top-Clubs auf einen Ausstieg aus der Champions League vorbereitet. Der Grund: Nicht etwa eine Demokratisierung des Top-Fußballs, sondern eine exklusive Liga der Top-Vereine wäre mit noch mehr Geld verbunden. Scheiß auf die Champions League, da spielen ja sogar Viktoria Pilsen und die Young Boys Bern mit – kleinere Clubs, die dank der Champions League und der UEFA Geld bekommen, das sie sonst nicht hätten.

Champions League als Sozialleistung?

Es steckt Kalkül hinter der Forderung nach mehr Fußball im Free-TV: Schalten mehr Leute ein, zahlen die Sponsoren mehr Kohle. Und wo die Kohle ist (oder in diesem Fall das Gas), da ist eigentlich auch ein Bundeskanzler nicht weit. Der Vorgänger von Angela Merkel, Gerhard Schröder, kämpfte Anfang der Nuller Jahre gegen TV-Mogul Leo Kirch dafür, dass das Volk sein geliebtes Sport-Großveranstaltungs-Opium, also die Fußball-WM, weiter im frei empfangbaren Fernsehen sehen kann: „Herrn Kirch sage ich, dass sie sich mit der ARD und ZDF zusammenschließen sollen. Damit wir den Fans das geben können, was sie wollen und was sie auch verdienen, meine Damen und Herren!“

Der Fußball, eine hochpolitische Sache. St. Pauli-Manager Andreas Rettig brachte diese Woche sogar Gratis-Pay-TV-Abos für kinderreiche Familien ins Gespräch. Champions League als Sozialleistung.

Die Fans bleiben dem aktuellen Bezahlirrsinn immer öfter fern. Vor dem Fernseher und in der Kneipe. Blöd nur: Bis 2021 bleibt die Champions League hinter zwei Pay-TV Bezahlschranken versteckt. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, dass die Fans ihre mächtigste Waffe ausspielen: Neben dem Pay-TV-Irrsinn auch auf den Stadionbesuch und ganz allgemein auf den ganzen Blödsinn um Rummenigge und Co. zu verzichten. Mein Tipp: Fußball im Radio anhören.


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