Bayern 2 - Zündfunk

Meinung Keine bayerischen Minister im Ampel-Kabinett – "Bavaria first" ist vorbei

Der CSU-Generalsekretär und die Junge Union Bayern sind empört, denn im neuen Ampel-Kabinett gibt es keinen bayerischen Minister mehr. Der Aufschrei aus Bayern löst bei unserer Autorin Fremdscham aus. Ein Kommentar.

Von: Caroline von Lowtzow

Stand: 07.12.2021

26.09.2021, Bayern, München: Markus Blume, Generalsekretär der CSU, nimmt in der Parteizentrale an der Wahlparty der CSU teil.  | Bild: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

"Bayern first" – das gehört ab sofort der Vergangenheit an. Keine Ministerin, kein Minister aus Bayern mehr, die in der neuen Ampel-Regierung vertreten sein werden – das gab es seit mehr als 16 Jahren nicht mehr. Und führte auch prompt zu beleidigten Reaktionen. Zum Beispiel von CSU-Generalsekretär Markus Blume:

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Markus Blume 16 % der Deutschen sind Bayern, aber bayerische Minister: Fehlanzeige! @BayernSPD, @fdpbay und @Gruene_Bayern haben in Berlin nichts zu melden. #Bayern sitzt im Kabinett #Scholz nur auf der Ersatzbank. Die CSU ist und bleibt die einzige starke bayerische Stimme auf Bundesebene!

Ja potz Blitz, Herr Blume, da sehen Sie mal, wie es den anderen Bundesländern die vergangenen 16 Jahre ergangen ist. Und überhaupt: Wünscht sich der Generalsekretär insgeheim eine Quote? Bisher hat ja noch nicht einmal die Einführung einer Frauenquote bei der CSU geklappt.

Die Junge Union Bayern setzt sogar noch einen drauf:

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Junge Union Bayern Kein einziger Bundesminister kommt aus Bayern. 13 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus dem Freistaat haben damit keinen direkten Ansprechpartner in der Bundesregierung! Das ist ein Armutszeugnis der neuen Bundesregierung und zeigt, was sie von Bayern hält: nämlich gar nichts! https://t.co/OYL1nb9PN0

Kein einziger Bundesminister kommt aus Bayern. 13 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus dem Freistaat haben damit keinen direkten Ansprechpartner in der Bundesregierung! Das ist ein Armutszeugnis der neuen Bundesregierung und zeigt, was sie von Bayern hält: nämlich gar nichts! https://t.co/OYL1nb9PN0 | Bild: jubayern (via Twitter)

Klar, Regionalproporz hat bei der Besetzung von Ministerposten schon immer eine Rolle gespielt – über den ein oder anderen Minister aus Hessen hat man sich schon mal gewundert, aber so offen fürs eigene Bundesland Vorteile einstreichen, das hat nur die CSU geschafft. Erst im August dieses Jahr titelte der Spiegel: "Für Scheuer gilt beim Geldausgeben »Bayern First«". Jahrelang hat Bayern wohl Bayern deutlich mehr Geld für den Straßenbau als andere Bundesländer bekommen.

Und das nicht erst, seit der viel gescholtene Andreas Scheuer CSU-Verkehrsminister ist, sondern seit die CSU im Jahr 2009 das Ministerium übernommen hat, vor allem in Alexander Dobrindts Amtszeit

Die Häme über den bayerischen Aufschrei ließ natürlich nicht lange auf sich warten:

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Konstantin v. Notz Die Rolle der beleidigten #Leberwurst steht denen am schlechtesten, die seit Jahrzehnten ihr schönes und wunderbares Bundesland #Bayern ständig mit den Eigeninteressen ihrer Partei vermischen… #CSU https://t.co/y8MKtCOKXw

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Martin Hagen @MarkusBlume @BayernSPD @fdpbay @Gruene_Bayern Ich glaube, die meisten Bayern sind ganz froh, dass Top-Performer wie Andreas Scheuer nicht mehr im Ministeramt sind.

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Holger Klein Bayern ist mitgemeint.

Dabei wird die gebürtige Ulmerin und Wahl-Augsburgerin Claudia Roth ja sogar Kulturstaatsministerin, und Augsburg gehört zweifelsfrei zu Bayern, aber Claudia Roth natürlich nicht zur CSU und das zählt dann natürlich nicht. Und ja, leider hat auch in dieser neuen Regierung einmal mehr die Kultur kein „wirkliches“ Ministerium bekommen, sondern eben nur eine weitere Kulturstaatsministerin. Gerade für die durch Corona besonders stark gebeutelte Kutlurbranche und die in ihr tätigen Menschen, wäre das ein wichtiges Signal gewesen – aber das ist ein anders Thema.

Bavaria second – statt first

Zurück zu "Bavaria first". Fremdscham ist das erste Wort, das mir nach diesem Tweet in den Kopf kam. 16 Prozent der Deutschen sind Bayern? Okay, Markus Blume, nimm das: 26,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben einen Migrationshintergrund und es gibt nur einen Minister im neuen Kabinett, der das ansatzweise repräsentiert. Und auch ganz Ostdeutschland ist mit zwei Ministerien nicht besonders üppig repräsentiert. Darüber könnte man sich aufregen, denn es zeigt einmal mehr, dass all die wohlfeilen Worte nach Wahlen in ostdeutschen Bundesländern eben genau das sind: wohlfeile Worte.

Unsere Demokratie ist eine repräsentative Demokratie, sie funktioniert nur, wenn Politikerinnen und Politiker die Bürger repräsentieren und ein Stück weit die Gesellschaft wiederspiegeln. Insofern ist es völlig okay, dass Bayern zu dem zurechtgestutzt wird, was es ist: eines von 16 Bundesländern.

Und zum Glück gibt es ja auch nicht nur die Regierung, sondern vor allem den von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Bundestag. Klar, schon immer saßen im Bundestag mehr Akademiker als Nicht-Akademiker, mehr Männer als Frauen und immer mehr Ältere als Jüngere. Aber immerhin ist der neue Bundestag weiblicher, jünger und diverser als das letzte Parlament. Und mit 117 Abgeordneten sind die Bayern direkt nach den Nordrhein-Westfalen die zweitstärkste Gruppe im Bundestag. Also vielleicht nicht "Bavaria first" – aber immerhin "Bavaria second", lieber Markus Blume. Und das war ja immerhin schon mal ein viraler Hit im Netz:

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America First - Bavaria Second! | Bild: quer (via YouTube)

America First - Bavaria Second!