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Neue Krimiserie Wegen der Performance von Kate Winslet sollte man "Mare of Easttown" auf keinen Fall verpassen

Kate Winslet hat in Hollywood alles gewonnen, was man gewinnen kann. Doch in der neuen Serie "Mare of Easttown" sehen wir sie wie noch nie zuvor - als Verkörperung der amerikanischen Arbeiterschicht. Warum man diese Serie nicht verpassen sollte.

Von: Amelie Hörger

Stand: 01.06.2021

Kate Winslet in der Serie "Mare of Easttown" | Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

Eigentlich klingt die Handlung von „Mare of Easttown“ ein bisschen plump. Nichts Neues war mein erster Gedanke, als ich sie durchgelesen habe. Verschwundene junge Frauen, ein Mord und eine ermittelnde Polizistin. Mehr konventioneller Krimi geht eigentlich gar nicht. Gleich zu Beginn heißt es: „Das Easttown Police Department hat heute Morgen um 06:47 Uhr einen Anruf erhalten. Von einer Person, die durch Sharpswoods gelaufen ist und dort eine Leiche gefunden hat.“

Die Serie porträtiert die Einwohner*innen von Easttown

Eine Pressekonferenz vor dem Police Department, klickende Kameras und fragende Reporter*innen, das kennen wir doch alles schon aus den typischen Krimiserien. Die neue HBO Max Serie mit Oscar Preisträgerin Kate Winslet macht aber etwas anders. Im Fokus steht nämlich nicht der Fall, sondern die Einwohner*innen der kleinen Stadt, die amerikanische Arbeiterklasse aus Easttown. Mare, die Hauptfigur, gespielt von einer überragenden Kate Winslet ist die ermittelnde Polizistin – sie ist direkt und durchsetzungsfähig, kommt aus der alteingesessenen Arbeiterschicht und kennt so gut wie jeden und jede in Easttown.

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Mare of Easttown: Official Trailer | HBO | Bild: HBO (via YouTube)

Mare of Easttown: Official Trailer | HBO

Hollywood zeigt hier mal keine erfolgreiche Karrierefrau, die immer schick angezogen und perfekt geschminkt ist und dann noch ihre Kinder und den Haushalt managt. Die Serie liefert eine angenehme Dosis Realität. Winslets Charakter ist so weit vom Hollywood-Glanz entfernt wie nur möglich und erinnert uns daran, dass Frauenrollen wie diese immer noch eine Seltenheit sind. Mare ist ungeschminkt, trinkt abends gerne mehr als ein Bier und läuft meistens in Flanellhemd, Stiefeln und Anorak durch die neblige Stadt. Sie ist stur und stolz, mit einem beißenden Sinn für Humor. Eine Frau, die so einiges durchgemacht hat in ihrem Leben – und das sieht man ihr an. Das macht sie als Charakter noch spannender. Was, erfahren wir aber erst nach und nach.

Drogensüchtige Verwandte, kaputte Beziehungen, Geldsorgen

Auch praktisch alle anderen Figuren aus Easttown erleben Schicksalsschläge. Die Serie geht aber so unbeeindruckt damit um wie die Charaktere selbst: So ist das eben in Easttown. Drogensüchtige Verwandte, kaputte Beziehungen, Geldsorgen: Jeder hat hier eine Last zu tragen. Unterstützt werden diese Charakter-Porträts durch eine konzentrierte Kameraführung, die Aufnahmen wie Fotos aus einem Bildband aussehen lässt. Darunter liegt der Soundtrack von dem italienischen Komponisten Lele Marchitelli. Und der bildet den perfekten Hintergrund zur Serie: Mysteriös, düster und immer mit einem kleinen Unterton von Traurigkeit.

Den Serienmachern um Produzentin Karen Wacker ist es gelungen, eine Gruppe an Menschen in den Mittelpunkt zu rücken, die sonst gerne übersehen werden. Ihre Geschichten zu entschlüsseln ist der eigentliche Krimi auf dem Bildschirm. Und mit der Rolle von Mare steht endlich mal ein Typ von Frau im Vordergrund, der sonst leider ganz selten zu sehen ist: Rau, verletzlich und stark gleichermaßen, aber vor allem einfach sehr real.

Hinweis: Die Serie ist in Deutschland auf Sky zu sehen.


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