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Für Julian Reichelt Fünf politisch korrekte Alternativen zur Kartoffel

Für Deutsche ohne Migrationshintergrund gibt es keinen allgemein bekannten und umgangssprachlich anwendbaren Begriff. Und "Kartoffel" ist zu verletzend, sagt Bild-Chef Julian Reichelt. Eine Spurensuche nach Alternativen.

Von: Malcolm Ohanwe

Stand: 06.11.2018

Pop-Art-Kartoffel | Bild: BR

Für schlechte Filme gibt’s die goldene Himbeere und für unterirdische Berichterstattung gibt’s jetzt “Die goldene Kartoffel”. Das vergoldete Nachtschattengewächs wurde am Samstag feierlich von den Neuen Deutschen Medienmachern an BILD-Chef Julian Reichelt überreicht. Überraschend: Reichelt kam zur Preisverleihung. Weniger überraschend: Er nahm den Preis nicht an.

In seiner Rede erklärte Reichelt, er fühle sich durch die Bezeichnung „Kartoffel” beleidigt und diskriminiert. „Sie haben sprachlich sehr daneben gegriffen!”, sagte er. Es sei eine ernstzunehmende Beleidigung, die auf „Rasse und Herkunft“ abziele.  Das wollen wir respektieren! Aber wie soll man sie denn nun nennen, Menschen ohne Migrationshintergrund in Deutschland? Lange haben wir über guten Alternativen gegrübelt. Die Top-5-Kartoffel-Alternativen:

5. Süßkartoffel

Eine Süßkartoffel stammt zwar wie die Kartoffel nicht aus Deutschland, aber zumindest scheint die wohl ursprünglich ostindische Knolle auf demselben Kontinent ihre Wurzeln zu haben (wenn wir großzügig von Eurasien ausgehen). Außerdem nimmt das „Süß“ vor dem Kartoffel dem Wort das böse rassistische Geschmäckle…

4. DoMi

Eine was? Eine Deutsche ohne Migrationshintergund! Eine DoMi! Der Begriff ist eine knackig-kurze Verniedlichung des sowieso bereits institutionalisierten Begriff „Deutsche/r mit Migrationshintergrund“. Mit einem sexy Binnen-M und einer besonderen Aussprache mit Betonung auf „o“, wie Ohnmacht, wird der Name auch nicht mit der Kurzform für Dominik verwechselt.

3. Kraut

Wem das ständige Gendern bei dem oder der DoMi aber zu blasiert sein sollte, kann auch auf die Bezeichnung Kraut zurückgreifen. Das Sauerkraut ist ohnehin grammatikalisch neutral. Die Bezeichnung Kraut haben schon die US-Amerikaner benutzt, um Deutsche im zweiten Weltkrieg zu bezeichnen. Nicht aber weil die Hautfarbe so gut passt (was auch ein spannender Grund wäre), sondern weil die Deutschen damals so gerne Sauerkraut aßen.

2. Deutschländer*in

Aber ganz ehrlich: Weiß wie Sauerkraut sind Deutsche ohne jegliche sichtbare Migrationsgeschichte sowieso nicht, sie sind eher rosafarben wie die ehemals beliebte Meme-Wurst Deutschländer. Die Wurst vereint das Beste aus allen Regionen Deutschlands und schmecken soll sie ja auch ganz gut. Aber, Problem: Der Begriff würde vegetarischen und veganen Menschen sauer aufstoßen, respektive das Kraut ausschütten.

1. Alman

Mit fünf Buchstaben ist Alman sogar noch kürzer als nur „Deutsche(r)“ und selbstverständlich auch zutreffender, denn es gibt ja sehr viele Deutsche, die keine Almans sind: die mit sogenanntem Migrationshintergrund. Der Begriff „Alman“ ist eine wertfreie Bezeichnung, die auf Türkisch wortwörtlich „Deutscher“ bedeutet. Varianten von „Alman“ lassen sich auch in vielen anderen Sprachen finden, etwa im Spanischen „alemán“, dem Französischen „allemand“ oder dem Arabischen „almani“. Die internationale Community hat also gesprochen: Alle Mann und Frau aus Deutschland mit absolut deutscher Herkunft, was auch immer das sein soll: nächstes Mal wenn euch jemand „Kartoffel“ nennt, könnt ihr derjenigen Person souverän und entschlossen entgegnen: „Angenehm, Alman!“


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