Bayern 2 - Zündfunk


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Disco, Soul und Sonne im Hintern Warum das neue Jungle-Album gut, aber nicht mehr sehr gut ist

2014 waren sie die Newcomer des Jahres - ein Mix aus Soul, Pop und Dance. Nach vier Jahren kommt jetzt das zweite Album von Jungle: "For Ever". Hier ist die Zündfunk-Meinung zur neuen Platte. Und das Zündfunk-Interview mit der Band.

Von: Ralf Summer

Stand: 13.09.2018

„I am heading for California“ – auf geht's nach Kalifornien. Das singen Jungle in „Heavy California“ – einem der Vorabsongs vom neuen Album. Das Stück ist sozusagen ihr “Go West” in schwierig – denn die Zeit der Londoner Josh und Tom in L.A. war nicht einfach. Erst hat sich Josh dort in eine Frau verliebt, dann trennten sie sich wieder. Kalifornien, Glücksuche und Scheitern gibt es noch öfter auf „For Ever“.

Jungle in Kalifornien

“Beat 54 (All Good Now)” ist einer der Streicher-Disco-Pop-Songs, dem die Sonne sozusagen aus dem Hintern scheint. Natürlich eine Hommage ans „Studio 54“, der legendären Disco im New York der späten 70er. Aber auch ein Verweis auf die Arbeitsweise von Jungle: die beiden Studio-Füchse haben Dutzende von Beats im Rechner, die sie nach und nach programmiert, nummeriert und dann zu Stücken ausgearbeitet haben.

"Wir haben das Album an mehreren Orten aufgenommen. London, L.A., Australien…", sagt Josh. "In Flugzeugen, in Bandbussen, im Studio. Aber wir glauben nicht an Länder oder Grenzen, Konzepte sind wir uns nichts, wir machen uns da freier, wir sind da ein bisschen Hippie-mäßiger drauf. Wir denken nach vorne." Im Zündfunk- Interview betonen Josh und Tom, dass die Erfahrungen dort nicht immer nur positiv waren. Auch deshalb singen sie in „Cherry“ geläutert: „du wirst mich nie ändern, aber ich war gerade dabei, mich zu ändern“.

Aus 300 Song-Skizzen haben sie 13 Songs ausgewählt, sich mit Produzenten-Legenden wie Danger Mouse, Nigel Godrich oder Rick Rubin getroffen. Aber nicht im Studio, sondern auf einen Drink – um sich auszutauschen oder Erfahrungen einzuholen. Die Arbeit an der Platte nahm therapeutische Züge an. "Die Lieder sind eine Art Tagebuch oder Liebesbrief", sagt Josh. "Es geht um die Reise zum Glück, Wege zum Zufrieden-Sein. Wir sind keine Zen-Meister, aber wir sehen das Leben nun als Reise, die Reise ist das Ziel."

Die post-apokalyptischen Reiter

Josh und Tom haben sich für das Konzept des Albums folgende Szenario vorgestellt: Sie sitzen in einer post-apokalyptischen Zeit im Auto, fahren herum und im Radio laufen nur Trennungs-Songs. Deshalb ist der zweite Teil der neuen Platte auch viel düsterer als die ersten Stücke, die noch die Sonne der zeitweiligen neuen Heimat Los Angeles in sich tragen. Der Album-Titel „For Ever“ ist sozusagen ihre Durchhalte-Parole, wenn es mal wieder schwierig wird. Und wenn die Welt wieder mal nur Angebote bereithält, die ihnen nicht gefallen.

"Erst die Schmerzen machten die Platte zu dem, was sie ist", sagt Josh. "Aber am besten mit einem Disco-Touch. Wir wollen die Leute zum Tanzen bringen. Für mich ist das die Hauptaufgabe von Musik. Wir wollen genau die Mitte hinkriegen zwischen Mensch- und Maschinen-Klang."

"For Ever" - Das Fazit

Josh und Tom gelingt auch auf ihrem zweiten Album wieder das Seltene: eine Platte sowohl für die Charts als auch für Indie-Fans hinzukriegen. Aber im Gegensatz zum Debüt ist die neue Jungle diesmal „nur“ eine „gute“ Platte. Keine „sehr gute“. Dafür ist sie dann doch etwas zu glatt. Aber einzelne Songs werden wir auf Partys wieder hören. Vielleicht sind sie eher eine Single- als eine Album-Band.


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