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Im Interview Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Digitales: "Wir sind alle Gamer"

Die Gamer-Diskussion nach dem Terroranschlag von Halle sei schief, sagt Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Digitales: Statt zwischen Gamern und Nicht-Gamern gelte es zwischen der freiheitlichen demokratischen Gesellschaft und radikalen Extremisten zu unterscheiden.

Von: Oliver Buschek

Stand: 16.10.2019

Oliver Buschek: Judith Gerlach, bei Ihrer Ernennung im November 2018 haben Sie einen Satz gesagt, der für Aufsehen und auch Häme gesorgt hat: „Ja, Digitalisierung ist jetzt sicher nicht mein Spezialbereich, aber ein absolutes Zukunftsthema.“ Beim Zukunftsthema wird Ihnen keiner widersprechen. Wie ist das inzwischen mit dem Spezialbereich?

Judith Gerlach: Ich finde es lustig, dass Sie die alte Platte noch rausholen. Ich glaube, Sie sind der Einzige, der das mittlerweile noch macht. Das habe ich schon lange nicht mehr gehört. Wissen Sie, für mich war es am Anfang sehr wichtig schnell mit Projekten zu starten. Ich musste nebenbei auch noch ein Ministerium aufbauen, was natürlich auch viel Zeit und Kraft gekostet hat. Es ging darum, mit Leuten in der Wissenschaft und in der Wirtschaft zu sprechen und auf die Gesellschaft zuzugehen: Was erwartet Ihr euch eigentlich von der Digitalisierung bei uns hier in Bayern? Und das haben wir relativ schnell schon am Anfang angeschoben.

Sie haben ein neues Ministerium aufgebaut - mit 90 Mitarbeitern. Das ist für ein Ministerium im Vergleich nicht wahnsinnig viel. Das ist auch das, was ich immer lese: Ja, toll, Digitalministerium, aber vergleichsweise wenig Macht, wenig Leute, wenig Geld.

Wir ticken als Ministerium anders. Ich weiß, das ist für viele irritierend. Es ist für viele ja auch irritierend, dass ich als 33-jährige Mutter Ministerin bin. Allerdings ist es so, dass wir in der Staatsregierung als Think Tank fungieren. Andere Ministerien haben ganz klar abgegrenzte Zuständigkeitsbereiche und einen riesigen Haushalt. Unsere Aufgabe ist eine andere: Wir sind diejenigen, die den Hut aufhaben für das Thema und bei denen die Fäden zusammenlaufen. Wir machen ganz viel strategisch. Und im Prinzip liefern wir auch Ideen an die anderen Ministerien, die sie dann durchsetzen.

Gibt es ein Beispiel dafür?

Wir haben beispielsweise die IT- Hotline auf den Weg gebracht. Ich habe Anfang Januar ein großes Konzept zum Thema Cybersecurity gemacht und habe Joachim Herrmannn gesagt: Wir haben so viele Hotlines für die Wirtschaftsleute, wenn die eine Hackerattacke haben. Aber was ist mit den „normalen“ Leuten? Wo wenden die sich denn hin? Und dann haben wir zusammen die Hotline auf den Weg gebracht. Letztendlich geschieht das mit Mitteln und auch mit Personal aus dem Innenministerium. Aber mir ist es wichtig, dass es überhaupt passiert.

Sie sind auch fürs Thema Gaming zuständig. Und ausgerechnet da hat nun Bundesinnenminister Horst Seehofer diese Woche mit dem Satz für Aufsehen gesorgt, man müsse die Gamer-Szene nach dem Anschlag in Halle stärker in den Blick nehmen. Sehen Sie das auch so?

Ich finde Pauschalisierungen grundsätzlich extrem schwierig, auch in dem Fall. Es wird momentan so getan, als wären die Gamer auf der einen Seite und die anderen auf der anderen Seite. Wir müssten uns vielmehr darüber unterhalten, dass es doch darum geht, dass die freiheitlich demokratische Gesellschaft auf der einen Seite und die radikalen Extremisten auf der anderen Seite sind.

Wir haben mittlerweile eine Aufregungskultur in unserer Gesellschaft, die mir persönlich überhaupt nicht gefällt. Wir nehmen uns nicht mehr genügend Zeit, Sachverhalte zu bewerten. Anstatt sofort in pauschale Beschuldigungen reinzugehen, sollten wir uns den Fall einfach konkret anschauen und nicht „die Gamer“ allgemein verurteilen. Wir alle sind Gamer. Sie vielleicht auch.

Ich mag “Assassin’s Creed”. Was mögen Sie?

Ich mag zum Beispiel die Schafkopf-App total gern. Das entspannt mich. Ich spiele auch andere Dinge, wenn ich die Zeit dazu habe.

Ist es vielleicht auch ein Generationenthema? Horst Seehofer ist 70. Sie sind 33.

Ich glaube schon, dass es eine Frage der Perspektive ist und wie weit man da drin ist. Ich weiß nicht, wie oft Horst Seehofer Games spielt, aber ich tippe mal drauf, dass ich schon häufiger welche gespielt habe. Und ich unterhalte mich auch einfach mit den Leuten. Ich bin dort unterwegs. Das heißt, ich weiß, was da für Leute sind und was für Potenziale die Games-Branche im Übrigen auch hat.

Und sie wollen ein E-Sports-Turnier nach Bayern holen. Das haben Sie Anfang Oktober angekündigt. Wissen Sie schon, was da gespielt werden soll?

Auf jeden Fall kein krasses Ballerspiel. Das fördern wir im Übrigen auch nicht, weil das ja auch immer wieder thematisiert wird. Es geht ja beim E-Sport auch um den Teamgeist, dieses Erlebnis, das gemeinsam zu machen und Strategien zu entwickeln. Das wollen wir mit dem E-Sports-Event auf die Beine stellen. Und ich glaube, dass sich da Bayern sehr gut anbietet.


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