Bayern 2 - Zündfunk


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Zum 40. Todestag von Ian Curtis Death Won't Tear Us Apart

Mit nur zwei Alben haben sich Joy Division tief in die Musikgeschichte eingebrannt. Das liegt auch an der tragischen Figur ihres charismatischen Sängers Ian Curtis. Zum 40. Todestag erzählen wir die ganze Geschichte.

Von: Ralf Summer

Stand: 15.05.2020

Ian Curtis | Bild: Warner

Da war dieser neue Sound. Und er kam zur richtigen Zeit! Das Quartetts aus Manchester überführte den Post-Punk der späten 70er in Dark-Wave und Indie-Pop – hatten also massgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Independent Sound Großbritanniens als Motor der europäischen Pop-Musik.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort wird Musikgeschichte geschrieben

Joy Division bestanden aus Gitarrist/Keyboarder Bernard Sumner (der bei der Nachfolge-Band New Order Sänger wurde), Bassist Peter Hook (der seinen Bass höher stimmte und so zum treibenden Element der Band wurde, später auch bei New Order), Stephen Morris (nicht Stephen Morrissey aka Morrissey, der wie ein Drum-Computer spielende und technik-affine Drummer) – dazu Ian Curtis, Plattenladenverkäufer und Reggae-Dub-Fan.

Wie so oft gilt auch hier: sie waren zur rechten Zeit im rechten Ort und versammelten die richtigen Leute um sich. Joy Division fanden mit TV-Moderator Tony Wilson einen Pop-affinen Labelmacher – er gründete Factory Records für sie (später kamen Happy Mondays und der Hacienda Club in Manchester dazu, wo eine gewisse Madonna ihren 1. Europa-Auftritt absolvierte). Wilson brachte den Produzenten Martin Hannett ins Spiel – einen Hippie, der ihnen einen ganz eigenen Sound verpasste und als Gear-Nerd stets neues Equipment und Effektgeräte anschleppte bzw. einbaute. Der noch unerfahrene Designstudent Peter Saville wurde mit dem Artwork der Joy Division-Platten und der Label-Grafik betraut (im Gegensatz zu Curtis, Hannett und Wilson lebt er noch).

Auch er entwickelte eine ganz eigene Handschrift – abseits von London – denn die Ablehnung der Hauptstadt einte diese Mancunians (Bewohner von Manchester): sie wollte es in ihrer Stadt selbst schaffen. Und schufen (mit Rough Trade Records in London) die Wurzeln der Indie-Kultur auf der Insel: dass man es auch ohne Major(-Kohle) selbstbestimmt schaffen kann.

Death Won't Tear Us Apart!

Mark Reeder

In der Sendung kommen Drummer Morris, der Autor des neuen Joy Division-Oral History-Buchs "Die Sengende Sonne", Jon Savage sowie Mark Reeder zu Wort. Der Brite war enger Freund der Band und von Curtis, 1980 nach Berlin gezogen, hatte dort eines von zwei Joy Division-Konzerten in der BRD organisiert – und in Deutschland die LPs der Band an die Presse verschickt: "Der Zündfunk war die erste und einzige Radio-Sendung in Deutschland, die Joy Division gespielt hat. Von allen anderen habe ich damals keine Reaktion bekommen."

(In den 90ern gründete er sein eigenes Techno-Label MfS in Berlin – als Rave-Ableger vom DDR-Staatslabel Amiga – entdeckte DJ-Produzenten wie Paul Van Dyk, Cosmic Baby, Mijk Van Dijk, Ellen Allien – und wurde Manager von Van Dyk, der mit seinem Trance-Sound jahrelang populärster Club-DJ der Welt war. Sein Focus ist inzwischen Underground-Sound aus China).

Am 18. Mai 2020 war der 40. Todestag von Ian Curtis.   

MIt einem Klick ins Bild oben könnt Ihr Euch die Sendung anhören.


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