Bayern 2 - Zündfunk


12

Jim Jarmuschs „The Dead Don't Die" Mit „The Dead Don't Die" versucht sich Jim Jarmusch an einem Horrorfilm - und scheitert krachend

Jim Jarmuschs „The Dead Don’t Die“ möchte gerne „Shawn Of The Dead“ sein, wirkt aber wie ein Zombie-Film für Kinder. Da hilft auch die imposante Star-Parade nichts: Bill Murray, Tom Waits, The RZA, Selena Gomez, Tilda Swinton und Adam Driver sind dabei.

Von: Roderich Fabian

Stand: 12.06.2019

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

THE DEAD DON'T DIE - Official Trailer [HD] - In Theaters June 14 | Bild: Focus Features (via YouTube)

THE DEAD DON'T DIE - Official Trailer [HD] - In Theaters June 14

Der Zombie-Film hat eine so lange Tradition, dass jede Generation ihren eigenen, prägenden Untoten-Film vorweisen kann. Im Fall von Jim Jarmusch ist das George Romeros Klassiker „Dawn Of The Dead“ von 1978, der bei uns als „Zombie“ im Kino zu sehen war. „Dawn Of The Dead“ spielte in einer Shopping-Mall, von der sich die Zombies wie durch Zauberhand angezogen fühlten. Der Film war nicht nur ein Horror-Schocker, sondern auch Sozialkritik. Die Mall und ihre Besucher repräsentierten die hirnlose Konsumgesellschaft. Darauf beruft sich Jim Jarmusch in „The Dead Don't Die" ganz explizit.

Die Zombies hier können sprechen, allerdings nur ein einziges Wort vor sich hinbrabbeln, nämlich die Bezeichnung ihres liebsten Konsumguts zu Lebzeiten. Iggy Pop mag „Kaffee“, Sara Driver mag „Chardonnay“, die meisten anderen eher „Handy“, „Siri“ oder „Whatsapp“ - verblödet durch die Smartphone-Kultur. Anders als „Dawn Of The Dead“ ist „The Dead Don't Die" also von Anfang an als Komödie angelegt. Schließlich sind seit dem Romero-Klassiker mehr als 40 Jahre vergangen, und die Zombies haben längst ein ganzes Film- und auch Serien-Gernre inne. Allerdings ist auch die Zombie-Komödie schon ein Standard. Jim Jarmusch muss sich also an beiden messen – und um das gleich mal zu sagen: Er scheitert an dieser Aufgabe, und zwar ziemlich krachend.

Ein Star-Ensemble soll den Film retten

Der ganze Film spielt in dem Kaff „Centerville“ im Herzen der USA. Die Zombies wurden durch eine Verschiebung der Erdachse zum Leben erweckt - die Klimakatastrophe lässt grüßen. Im Zentrum dieses Ensemble-Films stehen die beiden Dorfpolizisten, die von Adam Driver und - the one and only: Bill Murray gespielt werden. Die müssen dann grausame Leichenfunde machen.

Jarmusch vertraut auf seine prominenten Darsteller, die hier tatsächlich scharenweise auftreten: Tom Waits ist ein einsamer Eremit im Wald, Selena Gomez eine Hipster-Prinzessin, die der Zufall nach Centerville verschlagen hat, Steve Buscemi ist ein fieser Farmer, The RZA ein philosophischer Lieferant. Sie alle sagen hier bemüht coole, aber leider meist unlustige One-Liner auf. Jarmusch scheint durch die Berühmtheit seines Ensembles derart geblendet gewesen zu sein, dass er es versäumt hat, ihnen auch noch clevere oder wenigstens halbwegs lustige Dialoge zu schreiben. Sogar die große Tilda Swinton als schwertkämpfende Bestattungs-Unternehmerin bleibt hier weit unter ihren Möglichkeiten.   

„The Dead don’t die“ liefert weder Witz noch Grusel

Das ganze Drehbuch von „The Dead Don't Die" wirkt, als habe man es zu vorgerückter Stunde in einer Kneipe auf ein paar Bierdeckeln zusammengestopselt. Wegen seiner Albernheit kommen nie gruselige Spannungs-Momente auf, und wegen seiner Einfallslosigkeit kommen auch keine wirklich witzigen Situationen zustande. Alles wirkt hier wie ein Zombie-Film in kindergerechter Version. Vielleicht war es bei Jim Jarmusch und seinem Team ja so wie damals bei der Coen-Brothers-Klamotte „Burn After Reading“ von 2008. Die soll - so Hauptdarsteller George Clooney - angeblich nur und in aller Eile entstanden sein, damit die ganze Truppe noch auf die Filmfestspiele in Venedig eingeladen werden konnte, um anschließend in Clooneys Villa am Comer See zu feiern. Ich weiß nicht, ob Jim Jarmusch eine Villa in der Nähe von Cannes besitzt, wo der Film Premiere hatte, aber „The Dead Don't Die" sieht verdammt danach aus.


12