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Grüne und Petition machen Druck Nun also doch: Jens Spahn will "Homo-Heilung" verbieten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bisher ein Verbot der sogenannten "Homo-Heilung" begrüßt. Durch Druck der Grünen und einer Petition will er jetzt auch handeln und die umstrittenen Konversionstherapien verbieten.

Von: Niklas Schenk

Stand: 20.02.2019

Jens Spahn | Bild: picture-alliance/dpa

Lange hatte er ein Verbot ausgeschlossen. Im Sommer 2018 hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dann ein mögliches Verbot von Konversionstherapien begrüßt, konnte es aber zunächst nicht umsetzen. Nun sagte Spahn in einem Interview: Sogenannte „Homo Heilung“ soll endlich verboten werden. Neben einer Petition hatte auch ein Gesetzentwurf der Grünen Druck auf Spahn aufgebaut.

„Homosexualität ist nicht therapiebedürftig. Deswegen bin ich für ein Verbot der Konversionstherapie. Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins. Ich sage immer, der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben. Jetzt geht es um die praktische Umsetzung. Ich werde das Gespräch mit der zuständigen Justizministerin Katarina Barley suchen“, sagte Spahn am vergangenen Freitag der „Taz“.

Konversionstherapien sind "Körperverletzung" und "Quatsch"

Das Interview ist der vorläufige Endpunkt eines monatelangen, politischen Eiertanzes. Anfang 2018 hatte das Bundesgesundheitsministerium auf eine Anfrage der Linken geantwortet, kein Verbot der Therapien zu planen. Als Reaktion darauf startete Lucas Hawrylak auf change.org eine Petition, die sich für ein Verbot von Konversionstherapien ausspricht – über die 80.000 Menschen haben inzwischen unterschrieben.

Im August dann das nächste Kapitel: Spahn bezeichnete in einer Facebook-„Sprechstunde“ solche Therapien als „Körperverletzung“ und „Quatsch“. Er habe „grundsätzlich gar nichts dagegen“, diese vermeintliche Heilung von Homosexuellen zu untersagen. Die Frage sei allerdings juristisch nicht einfach zu lösen: „Es ist manchmal etwas leichter gefordert als konkret geändert oder abgestellt."

Danach passierte erstmal lange: nichts. Zumindest im Gesundheitsministerium. Auf mehrere Anfragen des Bayerischen Rundfunks antwortete Spahn, dass es bei dem Thema nichts Neues gäbe. Warum dann der plötzliche Vorstoß im „Taz“-Interview Ende vergangener Woche?

Druck der Grünen

Ulle Schauws

Eine entscheidende Rolle dürften die Grünen gespielt haben. Die Partei hatte schon 2013 versucht, solche Therapien zu verbieten. Seit Wochen arbeitete die Fraktion an einem neuen Gesetzesentwurf. „Herr Spahn hat wohl mitbekommen, dass wir etwas vorbereiten. Daraufhin hat er angekündigt, tätig werden zu wollen. Aber wir haben noch nichts gesehen von ihm, keine konkreten Vorschläge“, so Ulle Schauws, die frauen- und queerpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.

Spahn war im Taz-Interview vage geblieben: Ordnungswidrigkeiten seien ihm als Strafe zu klein, Anbietern solcher Therapien solle das Berufsrecht entzogen werden. Wie das funktionieren soll, nannte Spahn nicht – dafür wolle er zunächst eine Schnellstudie in Auftrag geben. Und auch beim Zeitrahmen blieb er unkonkret: „Ich fände es gut, wenn wir uns bis zum Sommer auf einen Regelungsvorschlag geeinigt haben.“

Gesetzesentwurf der Grünen

Ein bundesweites Echo lösten Spahns Äußerungen trotzdem aus. Blöd für die Grünen, denen Spahn damit den Wind aus den Segeln nahm. Der neue Gesetzesentwurf, den die Grünen bald im Bundestag vorstellen soll, nennt drei konkrete Forderungen:

  1. Konversionstherapien sollen zunächst nur für Minderjährige verboten werden, da in dieser Altersgruppe die größte Gefahr besteht. Außerdem kommt es oft vor, dass Eltern ihre minderjährigen Kinder, die gerade ihre sexuellen Neigungen entdecken, in solche Therapien stecken
  2. Es soll mehr Geld für Aufklärungsarbeit geben, etwa durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  3. Organisationen, die Konversionstherapien anbieten oder diese unterstützen, soll die Gemeinnützigkeit aberkannt werden

Szene aus "Der verlorene Sohn"

Der Gesetzesentwurf der Grünen richtet sich bewusst nicht nur an Ärzte, sondern an alle Berufsgruppen. Es ist bekannt, dass zum Beispiel auch Pfarrer "Therapien" anbieten, in denen durch Beten geheilt werden soll. Der in den deutschen Kinos anlaufende Film „Der verlorene Sohn“ erzählt die wahre Geschichte eines amerikanischen Teenagers, deren Eltern ihn zu einer kirchlichen Konversionstherapie schicken.

Vor allem in evangelikalen Kreisen sind solche Therapien noch verbreitet. In Deutschland hatte zuletzt beispielsweise der Bund Freier evangelischer Gemeinden über „Umpolungstherapien“ informiert.

Bisher sind in Europa solche Therapien nur auf Malta verboten

Lucas Hawrylak

Wie viele “Homo Heiler” es Deutschland- und weltweit noch gibt, ist schwer zu schätzen. Viele Betroffene trauen sich nicht, über ihre Erfahrungen zu berichten. In Bayern sind zwei Ärzte aus Ebersberg und Unterhaching bekannt, die Konversionstherapien anbieten. Bisher sind solche Therapien nur in Malta verboten - als einzigem europäischen Land.

Lucas Hawrylak, der mit den 80.000 Unterschriften seiner Petition den Druck auf Bundesgesundheitsminister Spahn ebenfalls erhöht hatte, sprach von einem erreichten Zwischenschritt. „Wir feiern erst, wenn das im Gesetzesbuch steht und verboten ist. Bis dahin werden wir weiter Druck auf die Politiker machen. Wenn das wirklich im Gesetzesbuch steht, können wir eine große Party feiern.“


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