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#failoftheweek Auweia Iowa - oder warum eine App nie die Verantwortung für Präsidentschafts-Wahlen tragen sollte

Die Verantwortung über die Vorwahlen zur US-Präsidentschaft einer App überlassen – diese Idee klingt erst einmal bescheuert – aber was, wenn man genauer hinsieht? Dann ist es noch viel schlimmer, kommentiert Gregor Schmalzried.

Von: Gregor Schmalzried

Stand: 07.02.2020

App in Iowa | Bild: picture alliance/newscom

Die Nachrichtenleute sind ratlos – die ganze Wahlnacht lang müssen sie ohne Zahlen auskommen. Und, den ganzen Tag danach auch. Die erste Vorwahl in Iowa, sie ist ein komplettes Desaster. Warum? Es geht letztlich zurück auf eine Person. Und es ist leider: Donald Trump. Vor vier Jahren hat Trump mit seinen Gegnern den Boden gewischt – zumindest in Sachen Onlinewerbung. Seitdem stehen die Demokraten voll auf Digitalisierung. Die Partei verspricht: sie will jünger werden, moderner, digitaler - sie investiert in eine neue Digital-Strategie – und alle möglichen Start-Ups. Wie man das eben so macht heutzutage.

US-Präsident Donald Trump.

Und mitten in dieser großen hippen Digitalisierungsparty tun sich die Demokraten in Iowa zusammen mit einer besonders vertrauenswürdigen Firma namens – kein Witz – Shadow. „Shadow“ soll nämlich eine App entwickeln, mit dem die ganzen Wahlkreise in Iowa die Ergebnisse an die Zentrale durchgeben. Eine Idee, bei der absolut gar nichts schiefgehen kann. Denkt auch Troy Price, Vorsitzender der Demokraten in Iowa. Noch am Wochenende vor der Vorwahl sagt er – sie wären so gut vorbereitet wie noch nie zuvor: "These are probably the most prepared we’ve ever been for these caucuses. We’ve run through different scenarios, I think we’re ready. "

Eine Art von Idee, die nur auf dem Whiteboard eines Start-Ups super klingt

Tja, und wie sieht „ready“ in der Realität aus? Na, so: Am Wahlabend stürzt die Shadow-App reihenweise ab. Die Notfall-Hotline ist überlastet – Chaos bricht aus. 48 Stunden später steht immer noch kein Sieger fest. Und das alles wegen einer dämlichen App. In der New York Times schreibt der Tech-Journalist Kevin Roose: "Eine selbstentwickelte App benutzen, um damit Wählerstimmen zu sammeln: Das ist die Art von Idee, die auf dem Whiteboard eines Start-Ups super klingt. Aber in der echten Welt fällt sie komplett auseinander. Denn hier gibt es Funklöcher, fehlerhafte Smartphones, schlecht getestete Apps. Kommen dann noch überforderte Helfer, ungeduldige Wähler und die hibbelige Presse dazu, wird das Ganze überwältigend. Man hat es den Zuständigen so schwer gemacht, man hätte sie eigentlich genauso gut bitten können, die App selber zu programmieren."

Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg.

Mittlerweile scheint der Gewinner von Iowa festzustehen – es ist Pete Buttigieg, ein junger Bürgermeister aus Indiana – er ist ein echter Überraschungssieger, und außerdem ein historischer: Pete Buttigieg ist der erste offen schwule Präsidentschaftskandidat, der in den Vorwahlen einen Bundesstaat gewinnt. Nur: Darüber redet jetzt keine Sau. Denn als wären die Nachrichten nicht eh schon voll genug mit der täglichen Wagenladung Trump-Wahnsinn, kommt jetzt auch noch das Versagen der demokratischen Partei dazu – plus ein Haufen Verschwörungstheorien.

Funklöcher, fehlerhafte Smartphones, überforderte Helfer

Also: Elektronische Wahlmaschinen, hackbare Apps, intransparente Datenübertragungen – all das hat bei einer politischen Wahl absolut nichts verloren. Schon bei der US-Wahl 2000 haben Wahlcomputer in Florida vielleicht den Präsidenten bestimmt – allmählich sollten die Amis daraus gelernt haben. Technologischer Fortschritt ist echt sick – aber Wahlen sind halt keine Videospiele: je simpler die Technik, desto besser – je mehr Papier verbraucht wird, desto sicherer. Denn: Irren ist menschlich, aber absolut alles verkacken und über Tage lahmlegen: Das ist Software.


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