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"In den besten Händen" Dieses französische Kammerspiel bringt Liebesdrama, Gelbwesten-Proteste und Pflegenotstand zusammen

Der neue Film von Regisseurin Catherin Corsini thematisiert die Spaltung der Gesellschaft in Frankreich. Bei den Filmfestspielen von Cannes ist "In den besten Händen" für 6 Cèsars nominiert. Liebesdrama, Gelbwesten, Pflegenotstand - will der Film zuviel?

Stand: 21.04.2022

Szenen aus dem französischen Film "In den besten Händen" | Bild: Alamode Film

Comiczeichnerin Raphaela und Verlegerin Julie sind seit zehn Jahren ein Paar, doch nun scheint ihre Beziehung am Ende zu sein: Raphaela, genannt Raf, terrorisiert ihre Ehefrau mit nächtlichen Kurznachrichten. Und die hat keine Geduld mehr und will jetzt aus dem gemeinsamen Haus ausziehen. Bei einem darauf folgenden Streit auf der Straße rutscht Raf aus und verletzt sich am Arm. Die beiden Frauen landen in einer Pariser Notaufnahme.

Zur gleichen Zeit erreichen LKW-Fahrer Yann und sein Kumpel Paris. Sie schließen sich den demonstrierenden Gelbwesten an. Dann schlägt die Polizei zu, jagt die Demonstrierenden, setzt Tränengas und Gummigeschosse ein. Yann wird getroffen und von der Polizei verprügelt. Mit schweren Beinverletzungen kommt er ebenfalls in die Notaufnahme des Krankenhauses. Dort sitzen sie gemeinsam im Warteraum: Die arrivierte linke Bourgeoise Raf mit gebrochenem Ellenbogen und der Arbeiter Yann aus prekären Verhältnissen. Und natürlich wird Raf als erste von den Ärzten behandelt.

Tragikkomödie oder Krankenhaus-Kammerspiel?

Spätestens hier wird klar, es handelt sich bei "In den besten Händen" nicht um einen Liebesfilm eines gleichgeschlechtlichen Paars, sondern, um eine Tragikkomödie mit dokumentarischen Anleihen. Oder eher doch ein Krankenhaus-Kammerspiel? Denn ab jetzt wird die Klinik nicht mehr verlassen.

Die Notaufnahme ist überfüllt und völlig unterbesetzt. Die Krankenschwester Kim wird von der echten Krankenschwester Aïssatolu Dialo Sagna gespielt, ihre erste Filmrolle. Die Regisseurin Catherine Corsini hat den Film hauptsächlich mit echtem Pflegepersonal besetzt, weil ihr die realistischen Handgriffe im Krankenhaus-Alltag wichtig waren. Die Schauspieler, die sie versucht hat zu besetzen, sahen neben dem echten Pflegepersonal irgendwie falsch aus, wie sie in einem Interview erzählt. Kim, die Krankenschwester ist jedenfalls eine Entdeckung und in der Notaufnahme von "In den besten Händen" ein Fels in der Brandung. Aber überarbeitet wie fast alle dort.

Viele Themen in einem Drehbuch

Draußen toben heftige Proteste, das Krankenhaus füllt sich mit immer mehr verletzten Demonstrierenden. Als der wütende LKW-Fahrer Yann dann auch noch zu Raf ins Zimmer verlegt wird, prallen Vorurteile und Klassen-Ressentiments aufeinander. Doch im Laufe der ereignisreichen Nacht entdecken Raf und Yann auch Gemeinsamkeiten.

Die Regisseurin schafft es diese vielen Themen in ein Drehbuch zu packen: Die soziale Ungerechtigkeit, die desolate Situation in den Krankenhäusern und die unterbezahlten Arbeiter, die ein Recht auf Versorgung und soziale Gerechtigkeit haben. Aber sie halst sich an der einen oder anderen Stelle ein bisschen zu viel auf. Weniger, wäre mehr gewesen.

Im Original heißt der Film "Fracture", also Bruch. Ein viel besserer und treffenderer Titel. Denn es geht genau darum: Die Beziehung von Raf und Julie, die zerbrochen ist, der Ellbogen von Raf der nach einem Streit gebrochen wurde und der Bruch, der durch die Gesellschaft geht und sich in den Demonstrationen der Gelbwesten manifestiert.