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House of Cards ohne Kevin Spacey Das Böse ist jetzt nur noch weiblich

Die sechste Staffel von "House of Cards" ist auch die letzte, und die erste ohne den einstigen Hauptdarsteller Kevin Spacey. Jetzt versucht die Serie, sich von seinem Geist zu emanzipieren - mit Robin Wright als Claire Underwood, der Matriarchin des Bösen.

Von: Maria Fedorova

Stand: 05.11.2018

Robin Wright in House of Cards | Bild: Netflix

Die Kombination war von Anfang an zum Erfolg verdammt: Regisseur David Fincher, Hauptdarsteller Kevin Spacey und Genre Politthriller. Die erste große Netflix-Produktion war auch einer der größten Erfolge der Plattform: Die Intrigen, die Verhandlungen, den Blick hinter den Kulissen eines durch und durch korrupten Washington D.C.

Claire Underwood, gespielt von Robin Wright, war in den ersten fünf Staffeln noch an zweiter Position hinter Kevin Spacey im Cast gelistet. Nachdem Spacey letztes Jahr im Zuge der #MeToo-Debatte sexuelle Übergriffe eingestanden hat, hat Neflix die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler beendet. Die fast schon fertige finale Staffel musste komplett umgeschrieben werden. Nun ist Claire allein. Im letzten Staffel-Finale hatte sie sich erst zur Präsidentschaft manövriert.

Die Zeit von Claire Underwood

Das Zeitalter der alten weißen Männer ist vorbei. Behauptet zumindest die sechste Staffel von House of Cards – während nebenan, in der Realität, Donald Trump eine wütende Wahlkampfrede nach der anderen hält. Hier können wir aber dabei zusehen, wie die amtierende Präsidentin Claire Underwood jetzt für uns gegen das Patriarchat kämpft. Schon die erste Szene der neuen Staffel setzt den Ton und fragt: Wie würde die US-amerikanische Gesellschaft die erste Präsidentin empfangen? Als einen Fremdkörper, den man mit allen Mitteln niederkämpfen muss.

Claire Underwood ist allerdings keine Aktivistin, Gender ist ihr nur Mittel zum Machterhalt. Claire puscht zwar die Frauen-Agenda, versucht dabei aber gleichzeitig ihre fast ausschließlich weiblichen Gegnerinnen wegzudrücken. Aber ist das wirklich schon Frauenpower, nur weil die harten Wortduelle in der Damentoilette ausgefochten werden – beim Lippen schminken? Oder wenn im Oval Office auch mal Zitate von Simon de Beauvoir gedroppt werden?

Der Spuk des Patriarchats

Eine Simon De Beauvoir im Weißen Haus, in dem #MeToo-Debatten durchdekliniert werden – was hätte man aus dieser Ausgangslage nicht alles machen können. Aber House of Cards stürzt ein – rein in die tiefe Grube aus Langweile und billigen Twists. Was letztendlich wenig überrascht - schon die letzten Staffeln haben doch gelangweilt: Die reale Politik hat die Serie längst überschattet. Fieser als Trump konnten selbst die Underwoods nicht sein. Trump als unsichtbarer Gegner in der realen Welt: das war so, als ob Kevin Spacey mit Dwayne „The Rock“ Johnson armdrücken würde. Der Plot ist nicht zu gewinnen.

Gender und Sexismus, so scheint es, sind das Hauptthema der letzten Staffel. Die Serie will jetzt der #MeToo-Debatte gerecht werden und trotzdem erfolgreich sein. Für krasse Experimente ist da kein Platz. Die Serie schmiegt sich und wanzt sich immer wieder ran an das Vermächtnis von Kevin Spacey. Aber nach den größten #MeToo-Moment der Seriengeschichte braucht es schon mehr: Vielleicht hätte man nicht auf die alten bereits vergifteten Strukturen zurückgreifen sollen, sondern einfach etwas komplett neues machen. Chance verspielt - die ohnehin langweilig gewordene Serie geht auch ohne Spacey langweilig zu Ende.  

Die letzte Staffel von House of Cards läuft ab sofort bei Sky.


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