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Neu im Kino "Mandy" ist das düsterste Horrorkino seit David Lynch – und jetzt schon Kult!

Ein konventioneller Rache-Thriller, der aber formal alle Ketten sprengt! In opulenten Bildern leidet und wütet Nicolas Cage durch den Film und glänzt als Heavy-Metal-Monster. Dieser Horrorfilm ist schon jetzt ein Mitternachts-Favorit.

Von: Roderich Fabian

Stand: 30.10.2018

Mandy - Szene aus dem Film | Bild: Drop-Out Cinema

Erstmal führt uns „Mandy“ auf eine falsche Fährte. Die spektakulären Farbspektakel, in die wir von Anfang an getaucht werden und die ständigen Überblendungen der Szenen deuten darauf hin, dass es sich hier um einen Experimentalfilm handeln könnte, um pure Kunst also. Aber schnell bemerken wir, dass uns der Regisseur Panos Cosmatos zwar optisch überwältigen will, aber eigentlich eine straighte Story erzählt, eine Liebes- und Rachegeschichte im Stile der 90er Jahre: Ein David Lynch für das Neue Jahrtausend, sozusagen. Wir sehen ein kinderloses Paar in einem frei stehenden Haus, mitten in der Natur.

Er - Red Miller, gespielt von Nicholas Cage - ist wohl Waldarbeiter oder Förster, so genau erfahren wir das nicht. Sie - Mandy Bloom, gespielt von der Britin Andrea Riseborough - wirkt wie eine zärtliche Schamanin. Sie haben es sich in ihrem Haus gemütlich gemacht, sind umgeben von Antiquitäten und vielen Büchern, in denen Mandy bei jeder Gelegenheit esoterisches Zeug liest.

Düstere Jesus-Freaks

Es ist fast immer Nacht in diesem Film, und deswegen wissen wir alle von vorneherein, dass dem verliebten Paar Unheil droht. Es gibt hier keine „normalen“ Landschaftsaufnahmen. Eher gewinnt man den Eindruck, der nukleare Winter hätte bereits Einzug gehalten. Aber streng genommen ist „Mandy“ auch keiner der zurzeit beliebten post-apokalyptischen Thriller à la „Walking Dead“. Nein, das Unheil kommt in Gestalt einer Gruppe von umherreisenden Jesus-Freaks über die Beiden. Und diese Typen könnten tatsächlich alle einer morbiden David-Lynch-Fantasie entsprungen sein. Besonders diabolisch ist natürlich der Anführer der Truppe, der selbstgerechte Jeremiah Sand. Der sieht Mandy zufällig auf der Straße, woraufhin er von Sehnsucht erfüllt ist.

Regisseur Panos Cosmatos lässt für die Entführung Mandys ein paar Ganzkörper-Ledertypen aufmarschieren, die an den „Gimp“ aus „Pulp Fiction“ gemahnen, ihr wisst schon: Der Sexsklave aus dem Folterkeller. Überhaupt erinnert der Film ständig an irgendwelche Vorlagen aus den 90ern, vom „Schweigen der Lämmer“ bis „Lost Highway“ - der Regisseur ist sichtlich fasziniert von der Hardcore-Ästhetik seiner Vorbilder.

Nicolas Cage, der Schmerzensmann

Der Ober-Jesus-Freak Jeremiah jedenfalls möchte mit Mandy irgendwie verschmelzen, weil er sie für eine Geistesverwandte hält. Doch Mandy verlacht Jeremiah nur, auf besonders höhnische und schrille Weise, wie es sich für diesen Film gehört. Das bekommt ihr natürlich nicht gut und ruft ihren verletzten, aber überlebenden Geliebten auf den Plan, der die zweite Hälfte des Films nun fast im Alleingang bestreitet. In gewohnter Nicholas-Cage-Manier darf er zunächst mal seinen Verlust tränenreich betrauen, bevor Red Miller - Nomen est omen - rot sieht und erst mal ein paar Waffen sammelt. Prunkstück seiner Sammlung ist dabei eine kunstvoll geschwungene Streitaxt, die er seinem Kumpel vorführt. Und dann schreitet Red Miller zur Tat.

Wenn man den Inhalt nacherzählt, dann ist „Mandy“ im Grunde nur der stinknormale Rache-Thriller, den es seit Jahrzehnten im Kino gibt. Aber es ist eben der Look und die völlig überdrehte Heavy-Metal-Anmutung, die aus Panos Cosmatos erst zweitem Film tatsächlich etwas Besonders machen. Die cooleren, amerikanischen Film-Blogs sind jedenfalls voller Lobeshymnen auf „Mandy“. Bestimmt spielt dabei auch eine gewisse Nostalgie eine Rolle, nämlich nach Zeiten, in denen der pure Trash noch rückhaltlos gefeiert und moralische Bedenken einfach so in den Wind geschlagen werden durften. Und das kann auch ich problemlos nachvollziehen.


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