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#failoftheweek Wie die Boogaloo Bewegung Hawaii-Hemden zu Symbolen des Rassismus macht

Sie tragen Waffen, Hawaiihemd - und wollen den Bürgerkrieg. Die Boogaloo-Bewegung mischt auch bei den Protesten gegen Polizeigewalt in den USA mit. Trotz ihres putzigen Namens ist diese Bewegung brandgefährlich, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 05.06.2020

Bewaffnete Demonstranten | Bild: picture alliance / AA

5.1 von 10 wird in der Internet Movie Database der Tanz-Film „Breakin' 2: Electric Boogaloo“ bewertet und diese Wertung ist noch viel zu schmeichelhaft. Die Handlung ist so langweilig wie ein Pullover, die schauspielerische Leistung ist so hölzern wie ein Möbellager. „Breakin' 2: Electric Boogaloo“ ist maximal eine 3,7 eher aber eine 3,4 und vor allem sehr viel schlechter als der Vorgänger „Breakin'“.

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Breakin' 2: Electric Boogaloo (2/9) Movie CLIP - Dance Combat (1984) HD | Bild: Movieclips (via YouTube)

Breakin' 2: Electric Boogaloo (2/9) Movie CLIP - Dance Combat (1984) HD

Wie aus einem Meme eine gefährliche Bewegung wird

Star Wars 2: Electic Boogaloo“, „Indiana Jones 4: Electric Boogaloo“, „Game of Thrones Staffel 7: Electric Boogaloo“: In den USA mutierte „Electric Boogaloo“ aufgrund seiner Grottigkeit deswegen irgendwann zu einem Synonym für richtig schlechte Fortsetzungen. Hier könnte die Geschichte des Films enden, tut sie aber nicht, denn „Boogaloo“, das ist heute eine Bewegung. Eine Bewegung von Nazis, Waffenfreaks und libertären Spinnern.

Diese Woche wurden drei Personen des Boogaloo-Movements festgenommen. Sie hatten sich in die Black Lives Matter-Demonstrationen gemischt, um die Demonstranten mit Gewalt anzustacheln, so zumindest die Vorwürfe. Sinn würde es machen, denn das erklärte Ziel der Boogaloo-Boys ist ein zweiter amerikanischer Bürgerkrieg oder wie sie es nennen: „Civil War 2: Electric Boogaloo“.

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'Boogaloo Boys' infiltrate peaceful protests at Alamo | Bild: San Antonio Express-News (via YouTube)

'Boogaloo Boys' infiltrate peaceful protests at Alamo

Richtig in Erscheinung getreten ist das Boogaloo-Movement erst während der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in den USA. Im Internet gibt es die Bewegung aber schon länger und entstanden ist sie dort, wo im Internet alles entsteht, das bestenfalls klebrig ist, aber schlimmstenfalls ziemlich gefährlich: auf dem unregulierten Imageboard 4Chan. Allerdings nicht im berüchtigten Unterforum /pol/ sondern auf /k/. Hier treiben sich vor allem Waffenfreaks herum. Und klar, Waffenfreaks tragen Military-Klamotten, aber im Fall von Boogaloo kommt noch ein weiteres Accessoire hinzu: Das Hawaii-Hemd.

Boogaloo: Chaos und Bürgerkrieg

„Für die einen ist es Ausdruck des weltmännischen Lebensgefühls, für die anderen sicherer Unterschichtsindikator.“ Das hat Jürgen von der Lippe mal über das Aloha-Shirt gesagt. Jetzt ist dieses Kleidungsstück auch ein Indikator für eine neue gefährliche Bewegung. Eine Bewegung, die möglichst viel Chaos provozieren möchte, damit es endlich zum großen Kladderadatsch kommt. Eine Bewegung, deren Ziel vor allem die maximale Eskalation ist. Eine Bewegung, die aber zugleich heterogen ist.

Manche Boogalooer hassen vor allem den Staat, der ihnen ihre Waffen wegnehmen möchte und sie sympathisieren deswegen jetzt sogar mit den Protesten gegen die Polizei. Die meisten von ihnen aber hassen Minderheiten, lieben die Apokalypse herbei und suhlen sich in Verschwörungstheorien. Es steht deswegen zu befürchten, dass wir uns bald eine Zeit zurückwünschen, in das Hawaii-Hemd vor allem ein ästhetisches Problem war – und nicht ein politisches. Und „Breakin' 2: Electric Boogaloo“ einfach nur eine missglückte Fortsetzung.


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