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Neu im Kino: "Gute Manieren" Werwölfe sind auch nur eine Minderheit - dieser fantastische LGBT-Film zeigt, dass wir sie schützen müssen

Der Film "Gute Manieren" aus Brasilien handelt von einem ganz jungen Werwolf, der von seinem Kindermädchen liebevoll aufgezogen wird. Dabei wirft die Gesellschafts-Parabel vom Regisseur-Team Juliana Rochas und Marco Dutra die Frage auf: Wie umgehen mit dem Werwolf, der zwar gefährlich ist, für seine Natur aber auch nichts kann?

Von: Roderich Fabian

Stand: 24.07.2018

Die Haushälterin Clara mit einem Messer | Bild: Edition Salzberger

Neben den Vampiren und den künstlichen Menschen, neben Dracula und Frankenstein also, hat auch der Werwolf seinen festen Platz unter den Horror-Monstern, die seit fast hundert Jahren regelmäßig wieder auf der Kino-Leinwand auftauchen. Genau wie der Vampir ist der Werwolf ein Symbol, für das Animalische im Menschen, auch für die unreflektierte Macht des Sexuellen, die uns allen innewohnt. Aber "Gute Manieren", der am 26. Juli in die deutschen Kinos kommt, ist kein Horrorfilm. Es gibt zwar ein paar gruselige Szenen, aber eigentlich ist dies eine Gesellschafts-Parabel mit fantastischen Elementen.

Leibspeise: rohes Fleisch

Die erste Hälfte des Films des Regisseurs-Teams Juliana Rochas und Marco Dutra dreht sich um die junge, reiche Ana, die in einem Nobel-Viertel von Sao Paulo wohnt und eine Haushaltshilfe sucht. Unter den Anwärtern auf den Job ist auch die junge Schwarze Clara, die dringend einen Job braucht, aber keine großartigen Referenzen vorweisen kann. Viele Szenen in diesem Film legen ein ruhiges Tempo vor und setzen ganz auf die Kunst der Hauptdarstellerinnen. Schnell wird klar, dass Ana und Clara voneinander fasziniert sind. Es entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesgeschichte. Beide sind singuläre Außenseiter: Clara wegen ihrer prekären Situation, Ana wegen ihres exzentrischen Lebensstils, der viele vor den Kopf stößt. Clara bekommt mit, dass Ana am Liebsten rohes Fleisch isst und sie beobachtet eines Nachts, wie Ana eine Katze zerfleischt. Ana scheint das nicht bewusst zu sein.

Clara bekommt bald mit, dass Ana eine Werwölfin ist, die bei Vollmond zur reißenden Bestie wird. Aber ihrer Liebe zur Seele von Ana kann das nichts anhaben. Nun erwartet Ana ein Kind, aber bei dessen Geburt stirbt die Mutter, denn auch das Neugeborene ist ein Werwolf. Clara entscheidet sich dafür, den Jungen aufzuziehen.

Ungewöhlicher Mix aus politischer Parabel, Fantasy- und Liebesgeschichte

Ein Zeitsprung um zehn Jahre leitet den zweiten Teil von "Gute Manieren" ein. Es geht zurück in die Favela, wo Clara herkommt. Dort verbirgt sie das Kind in den kritischen Nächten vor der Öffentlichkeit und hält ihn von jeglichem Fleischgenuss fern. Clara versucht, den Kleinen vor sich selbst zu beschützen, auch wenn das bedeutet, dass sie ihn nachts in Ketten legen muss. Natürlich kann die ständige Abschottung des Jungen nicht gut gehen. Und wenn der kleine Werwolf sein Coming Out hat, wird Clara bereit sein, das Teilzeit-Monster auch gegen die sie gefährdende Mehrheit zu verteidigen. Die "Guten Manieren", die Clara ihrem Ziehsohn beibringen wollte, sind dann nicht mehr hilfreich.

Der Film ist ein ungewöhnlicher Mix aus politischer Parabel, Fantasy- und Liebesgeschichte. Und es ist schade, dass der deutsche, auf LGBT-Themen spezialisierte Verleih die Kosten für die Synchronisation gescheut hat. Das hätte diesem ungewöhnlichen Film nämlich ein größeres Publikum eingebracht, was "Gute Manieren" verdient gehabt hätte.


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