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Neues Feature "Google Discover" Wie Google uns Antworten geben will, bevor wir überhaupt Fragen stellen

Googles übersichtliche weiße Startseite war die vertraute Konstante im Internet. Die wird sich jetzt ändern, zumindest auf Smartphones. Google Discover soll unsere Gedanken erahnen und filtern, noch bevor wir wissen, was wir wollen.

Von: Gregor Schmalzried

Stand: 02.11.2018

google, homepage, Bildschirm, Lupe | Bild: picture-alliance/dpa

Google.com bekommt zum ersten Mal einen neuen Look. Seit dieser Woche beginnt die Plattform damit, vereinzelten Smartphone-Nutzern einen neuen Feed anzuzeigen – darin Infos über Dinge, die wir eventuell wissen wollen könnten. Ohne, dass wir danach gefragt hätten. Google Discover heißt das neue Feature – es soll Google noch schneller, noch präziser und noch persönlicher machen, so zumindest die Argumentation von Google. Fußball-Ergebnisse, Wetterdaten, Flugpläne – alles was ich sonst googlen würde, soll mir in Zukunft direkt angezeigt werden – ohne dass ich einen Finger rühren muss.

Google sagt also meine Gedanken voraus. Mithilfe all der Daten, die es schon über mich hat. Es erinnert an das, was der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt in einem Interview gesagt hat – schon vor 13 Jahren: „When you use Google, you got more than one answer. But that’s a bug. Because we should be able to give you the right answer just once.”   

Wenn wir eine Frage haben, sollte es nur eine Antwort geben, nicht viele verschiedene Suchergebnisse. Das war der Gedanke von Eric Schmidt – und dem kommt Google nun Schritt für Schritt näher. Natürlich lassen sich nicht alle Fragen so einfach beantworten, aber zum Beispiel Währungen umrechnen, Songtexte anzeigen, das Alter und die Größe von Promis verraten, all das kann Google mittlerweile schon selbst – ich brauche keinen Link mehr dafür anzuklicken. Google Discover ist da der nächste Schritt. Wenn alles klappt, bleibt die durchschnittliche Nutzerin damit in Zukunft mehr auf Google – und braucht den Rest des Webs weniger. Das ist auch schon seit Jahren die Priorität von Facebook. Die großen Plattformen wollen möglichst große Teile des Internets auf sich selber vereinen.

Gentrifizierung von Filterblasen

Genau das sehen viele kritisch – etwa der Hacker und Online-Aktivist Andre Staltz: „Wenn man sich das Netz gerade anguckt, dann gehört alles entweder Google und Facebook oder es ist abhängig von Google und Facebook. Und das macht mir Sorgen, weil es war nicht immer so. Selbst vor ein paar Jahren, 2013, gab es diese Form der Marktmacht noch nicht.“

Vor über 20 Jahren ist die Google-Suche an den Start gegangen. Damals war ihre Funktion noch klar: Ordnung schaffen im unübersichtlichen Dschungel, den wir Internet nennen. Heute ist das anders: Der Dschungel ist von einem Haufen Dampfwalzen zu einem großen Parkplatz platt-gentrifiziert worden. Große Seiten wie Google, Facebook und Amazon wollen nicht mehr Ordnung schaffen, sie wollen selbst die Ordnung sein.

Google will nicht Ordnung schaffen, sondern selbst die Ordnung sein.

Jeanette Hofmann arbeitet am Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft. Das Institut, das von Google mitfinanziert wird, erforscht die Technologie der Zukunft. Hofmann sagt: Die neue Plattformisierung des Internets könnte in viele Richtungen gehen. „Auf der einen Seite ist es natürlich bequem, wenn eine Suchmaschine aufgrund vergangener Suchen sich überlegt, was ich denn dauerhaft immer wieder wissen will. Das macht es für uns bequemer. Aber wenn diese Bequemlichkeit dazu führt, dass wir aufhören aktiv zu suchen und uns damit auf das verlassen, was uns die Suchmaschine selbsttätig vorgibt, dann engt sich doch unser Informations Horizont deutlich ein.

Niemand weiß genau, wie das Netz in zehn Jahren aussieht, aber fürs Erste liegt die Macht über die meisten Informationen im Internet immer fester in der Hand von einer Handvoll großer Tech-Firmen – und die kämpfen alle um unsere Aufmerksamkeit. Google will uns Antworten geben, bevor wir überhaupt Fragen stellen. Facebook kauft alle großen Social Media-Konkurrenten einfach auf. Und Amazon hat heute mit Alexa einen direkten Draht zu sich selbst in vielen Haushalten stehen. Eine Entwicklung, die sich nun weiter beschleunigt. Andererseits, wirft Jeanette Hofmann ein: „so ganz frei waren Informationen schließlich noch nie. Vor dem Internet haben Zeitungen, Radio und Fernsehen für uns selektiert.“

Google neues Feature Google Discover kommt erstmal nur auf Smartphones – andere Geräte werden vermutlich bald nachziehen. Damit wird das Netz wieder einmal ein bisschen bequemer, aber auch ein bisschen kleiner.


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