Bayern 2 - Zündfunk


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Funky Vibes & Hot Butter Wie E-Pianos die Popmusik revolutionierten

Die Klassiker unter den elektrischen Pianos, "Fender Rhodes" und "Wurlitzer", feiern ein Comeback in der Popmusik, vor allem in der jungen, vom Jazz inspirierten Londoner Musikszene und im US-amerikanischen Neo-Soul-Funk. Unser Thema eine Stunde lang im Zündfunk Generator. Und hier schon mal unsere Lieblingsstücke mit E-Piano.

Von: Judith Schnaubelt

Stand: 06.12.2018

"Auf dem Second Hand-Markt kostet ein altes Originalinstrument inzwischen schnell mal 2.000 bis 3.000 Euro", sagt Matti Klein, Berliner Pianist und Keyboarder, der seit Jahren in der Band des brasilianischen Souljazz-Stars Ed Motta spielt. Wenn Matti Klein vom "Rhodes" spricht, leuchten seine Augen. Ein Rhodes Piano zu spielen, zu pflegen, zu reparieren, meint Matti, sei sicher vergleichbar mit der Liebe, die Fans von Oldtimer-Autos hegen. Judith Schnaubel hat für den Zündfunk Generator Musiker wie ihn getroffen, die von ihrer Liebe zum E-Piano erzählen und erklärt, wie der Sound die Popmusik revolutioniert hat.

Das hier sind Judith Schnaubelts Lieblingsstücke, in denen das Fender Rhodes oder Wurlitzer Electric Piano eine wichtige Rolle spielt:

Miles Davis: "Pharao's Dance" auf: Bitches Brew (1970)

Miles Davis war sehr wahrscheinlich der Erste von den Großen, der das Fender Rhodes überhaupt gefeatured hat. Pianist Joe Zawinul spielte sich gerne mit den gänzlich neuen Sounds vom Electric Piano. Auf "Pharao's Dance" führen Fender Rhodes und Bassklarinette einen echt psychedelischen Dialog.

Web Web mit "New World Trinity" auf: "Oracle" 2017

Zunächst macht Roberto di Gioia am Fender Rhodes Piano einen Kosmos an Spacesounds auf, um dann mit seiner kongenialen Band durch die Milchstraße zu surfen. Das ganze Album "Oracle": voll im Geiste des 70er Jahre Spirit-Jazz und Jazzfunk

Herbie Hancock: "Tell me a Bedtime Story" auf: "Fat Albert Rotunda" (1969)

Nachdem Miles Davis sich von seinem Pianisten Herbie Hancock getrennt hatte, weil der nicht rechtzeitig aus dem Honeymoon zurückkam, hat Herbie es mit dem zunächst ungeliebten Rhodes alleine versucht. Und siehe da, ohne Leistungsdruck: super entspannt! Kaum zu glauben, dass das 1969 veröffentlicht wurde, so frisch klingt es. Herbie Hancock spielt als müsste er da noch eine Menge ausprobieren und gibt kaum den Überjazz-Pianisten, eher einen lässigen Großstadtflaneur. Dabei sind die Arrangements der Bläser so elegant wie für einen Sonntagnachmittag im Ballroom zu Harlem.

Remake von Robert Glasper: "Tell me a Bedtime Story" auf: "ArtScience" (2016)

Super slick & slow, wie schmelzendes Vanilleeis, mit Vocoder und richtig satten Rhodes-Klängen.

Joe Armon-Jones: "Mollison Dub" auf: "Starting Today" (2018)

Neben Kamaal Williams, der ein Rhodes spielt und schon länger in der derzeit blühenden jungen Jazzszenen aktiv ist, der Senkrechtstarter am Wurlitzer: Joe Armon-Jones ist jung (25), schlau und sehr sympathisch. Hier kommt 70er Jahre Disco Galore-Feeling auf. (Mollison Dub im Video ab Minute 15:27)

Ed Motta "Criterion Of The Senses" (2018)

Der Stevie Wonder aus Rio de Janiero taucht sein Rhodes in flüssige Butter, so klingt es dann auch. Für alle Disco- und Steely Dan-Fans. Ganz groß.


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