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Generator Podcast Fürchtet Euch nicht? Wie die Kunst dem Tod begegnet

Die Covid-Pandemie hat den massenhaften Tod zurück ins öffentliche Bewusstsein geholt. Sie legt offen, wie wenig wir uns mit ihm tatsächlich beschäftigen wollen. Dieser Generator will herausfinden, wie sich die Kunstwelt mit dem Tod auseinandersetzt. Von Christoph Schlingensief, über das Performance-Kollektiv DARUM bis hin zu Christian Y. Schmidt.

Von: Florian Fricke

Stand: 04.04.2021

Christoph Schlingensief brach mit dem Tabu, über das eigene Sterben zu sprechen, er hat seine Todesangst förmlich ausgestellt. In der Regel stirbt der Mensch privat und in aller Stille, zieht sich wie ein Haustier zurück an eine einsame Stelle im Garten und rollt sich zusammen. Der Tod, er bleibt selbst in Zeiten der Pandemie seltsam unsichtbar.

Die Menschen hinter den Zahlen

"Viele dieser Corona-Toten sterben nun einmal auf der Intensivstation, und wegen der Isolierung und den Pandemiemaßnahmen ist es Angehörigen praktisch überhaupt nicht mehr erlaubt dabei zu sein. Das heißt, Tod wird noch viel mehr abstrahiert und abgeschottet. Wir werden täglich mit Nachrichten über den Tod konfrontiert, mehr denn je. Medial ist der Tod total präsent, aber nicht als solches, wie er wirklich stattfindet und wie er ist."

- Robert, Neurologe in Berlin

Anscheinend muss jede Generation aufs Neue lernen, mit Tod und Sterben umzugehen. Der Ausbruch der verheerenden Spanischen Grippe liegt nur 100 Jahre zurück. 500 Millionen infizierten sich weltweit, bis zu 10% davon erlagen ihr. Trotzdem ist sie heute so gut wie vergessen.

Der Tod in der Kunst

"Ausgang offen" ist ein Film des Performance-Kollektivs DARUM aus Wien. Auch ihre zweite Arbeit geht über das Sterben. Ursprünglich als inszenierte Performance geplant, wurde nach Ausbruch der Pandemie daraus ein Film. Menschen erzählen über ihre besondere Beziehung zum Tod, sei sie beruflich oder persönlich. Auf eine sehr nüchterne und dunkle Art versucht der Film, dem Phänomen näher zu kommen.

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Teaser HD | AUSGANG: OFFEN / EXIT: OPEN (2020) | German/English | Bild: DARUM. Darstellende Kunst und Musik (via YouTube)

Teaser HD | AUSGANG: OFFEN / EXIT: OPEN (2020) | German/English

Wie nähern wir uns diesem abstrakten Thema?

Bissiger Humor ist seit jeher das Mittel der Wahl von Christian Y. Schmidt. Der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins Titanic lebt verheiratet in Peking und hat den Ausbruch von Covid hautnah miterlebt. Dann flog im Februar nach Deutschland, um sein Trostbuch über den Tod zu bewerben, "Der kleine Herr Tod", was er schrieb, als er befürchtete todkrank zu sein. Wie die blinde Kassandra kam er unbehelligt und fast gleichzeitig mit dem Virus in Berlin, wo er seitdem unermüdlich gegen Politikversagen und Gleichgültigkeit anschreibt.

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Nachschlag: Der kleine Herr Tod – gelesen von Christian Y. Schmidt (Kapitel 3) | Bild: Christian Y. Schmidt (via YouTube)

Nachschlag: Der kleine Herr Tod – gelesen von Christian Y. Schmidt (Kapitel 3)

Der Tod als Spektakel

Vom Stadttheater Oberhausen konnte man sich im Rahmen eines Spektakels zu Christoph Schlingensiefs 60. Geburtstag seine eigene Trauerfeier zu Lebzeiten planen und durchführen lassen, eine Inszenierung von Saskia Kaufmann und Raban Witt. Sterben auf Probe damit man noch zu Lebzeiten was davon hat – ein radikaler Ansatz, der das Prinzip des Trauerns untersucht und uns fragt, in wie weit wir vorbereitet sind aufs Unvermeidliche. Todesangst speist sich auch aus der Angst vor einem unaufgeräumten Lebensende.

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