Bayern 2 - Zündfunk

Generator Podcast Warum der Westen den globalen Buchmarkt dominiert

Der globale Buchmarkt steht in der Kritik. Bei fast jeder Preisverleihung heißt es: Wieder hat die Jury Afrika und Asien vergessen, und wieder hat sie westlichen Autor*innen zu Aufmerksamkeit verholfen. Der Generator Podcast fragt nach den Gründen für die westliche Dominanz.

Author: Marie Schoeß

Published at: 15-12-2022

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Darum geht es in diesem Zündfunk Generator:

2021 gingen alle großen Literaturpreise an afrikanische Autor*innen: der Literaturnobelpreis, der Londoner Bookerpreis, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Viele wollten in diesem Jahr eine Trendwende erkennen – so als würde der Buchmarkt seine West-Dominanz aufgeben und nun endlich Literaturen entdecken, die zuvor an den Rand gedrängt worden waren. Aber so einfach ist es nicht, und der Zündfunk Generator fragt: warum? Warum dominiert der Westen den weltweiten Buchmarkt weiterhin, welche Strukturen führen zu dieser Dominanz, und welche Geschichten gehen deshalb verloren?

Buchgeschmack made in New York und London

Rechercheort für diese Fragen ist Südafrika: Auf Preislisten steht Südafrika gar nicht so schlecht da – immerhin zwei Nobelpreise und noch mehr Bookerpreise sind nach Südafrika gegangen. Die Autor*innen dieses Landes erzählen aber eine andere Geschichte. Sie berichten, dass weiterhin New York und London für ihr Ansehen spielentscheidend sind. Diese beiden großen Verlagsstädte entscheiden, wer international eine Chance bekommt und wer als "lokaler" Autor ein Nischendasein fristet. Und für viele afrikanische Autoren entscheiden sie sogar noch mehr, erfahren wir im Gespräch.

Anerkennung im eigenen Land? Schwierig!

Die Autorin Karen Jennings erzählt uns, dass man auf dem südafrikanischen Markt erst so richtig wahrgenommen wird, wenn auch London einen gehört hat. Sie hat das selbst erlebt, hat einige Bücher veröffentlich, die tief mit Südafrika verbunden sind, aber ihr Heimatland hat sie erst entdeckt, als die Bookerpreis-Jury in London Jennings auszeichnete. Davor: kaum Interesse. Außerdem ist der Markt in Südafrika ziemlich klein und kompliziert – wer also eine nennenswerte Anzahl an Leser*innen gewinnen will, der muss sowieso "reisetauglich" schreiben. Und das heißt: Literatur, die auch im Westen ankommt. Diese beiden Faktoren führen dazu, dass das westliche Ohr beim Schreiben oft mithört und über Form und Inhalt der Geschichten mitentscheidet.

In diesem Podcast sprechen: Der somalische Schriftsteller Nuruddin Farah, Die südafrikanische Autorin und Lyrikerin Antjie Krog, der südafrikanische Journalist und Schriftsteller Mike Nicol und Karen Jennings, Dozentin und Autorin aus Kapstadt.