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Generator Podcast Wie sich globale Unternehmen im Diversity Management üben

Es hat lange gedauert, aber seit ein paar Jahren setzen auch traditionelle Global Player verstärkt auf Diversity. Sowohl in der Werbung als auch im eigenen Unternehmen. Das klingt gut, aber was genau hat sich seitdem getan? In diesem Generator fragen wir, wo die Grenzen zwischen echter Diversity und Pinkwashing verlaufen.

Von: Tobias Ruhland

Stand: 15.05.2020

Guido Barilla entschuldigt sich 2013 für seine schwulenfeindlichen Äußerungen.

"Ich würde keine Werbung mit einer homosexuellen Familie machen. Wir wollen uns an die traditionelle Familie wenden." Mit diesem Statement in einem Radiointerview löst Guido Barilla, Chef des gleichnamigen italienischen Nudelkonzerns, im September 2013 einen Shitstorm aus. Unter #boycottbarilla wird weltweit zum Boykott gegen Barilla-Produkte aufgerufen. Und wie reagiert Barilla? – Genau ein Jahr nach dem Skandalinterview wird Barilla von der Human Rights Campaign, einem der wichtigsten international anerkannten Gütesiegel in punkto Diversität und Inklusion, mit dem Traumwert von 100 bewertet.

Ist das nur Pinkwashing oder ehrlich gemeint?

Wie glaubwürdig ist dieser radikale Diversity-Turnaround? Oder betreibt das Unternehmen einfach nur geschicktes Pinkwashing, gibt sich also LGBT+-freundlicher als es in Wahrheit ist?

Dieser Frage geht der Autor, Ökonom und Diversity-Forscher Jens Schadendorf in seinem Buch "GaYme Changer – Wie eine dynamische Minderheit die globale Wirtschaft verändert" nach. Schadendorf hat über 100 Interviews mit Vorständen, Managern, Diversity-Experten und Menschenrechtlern geführt. Sein Fazit: Unternehmen haben die Notwendigkeit für ein klug angepasstes Diversity-Management erkannt und das Jahr 2014 markiert dabei einen Meilenstein: angefangen bei den prominenten Coming-outs von Apple-Chef Tim Cook und Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger.

2014 intensiviert auch der bayerische Weltkonzern Siemens sein Diversitäts-Engagement – auch mit Hilfe von „straight allys“, also heterosexuellen Verbündeten im Vorstand. 2014 outet sich auch der Commerzbank-Manager Holger Reuschling nach 20 Berufsjahren: "Das Versteckspielen hat viel zu viel meiner kreativen Energie abgesaugt. Nie war ich erfolgreicher und besser als nach meinem Outing!" Reuschling will Role-Model sein und beweisen, dass man es als Teil der LGBT+-Community bis in die Führungsetage schaffen kann. 

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