Bayern 2 - Zündfunk


18

Der "Trisolaris"-Autor im Interview Liu Cixin und die chinesische Science-Fiction

In China gibt es eine lebendige und vielfältige Szene der Science Fiction-Literatur. Das ist mit dem internationalen Erfolg des chinesischen Autors Liu Cixin und seiner „Trisolaris“-Reihe klar geworden. Die Romane sind auch aus einer Auseinandersetzung mit dem Trauma der Kulturrevolution heraus entstanden. Darüber sprechen wir im Zündfunk Generator mit Liu Cixin.

Von: Markus Metz

Stand: 28.11.2018

Der internationale Erfolg des chinesischen Autors Liu Cixin vor allem mit seiner „Trisolaris“-Reihe von Science Fiction-Romanen gilt in mehrfacher Hinsicht als Sensation. Zum ersten Mal wird deutlich, dass es in China eine sehr lebendige und vielfältige Szene der Science Fiction-Literatur gibt. Die außerirdische Zivilisation der „Trisolarier“ hat angekündigt, die Ressourcen der Erde auszubeuten. Wegen der Entfernung ist die Raumflotte der Trisolarier 400 Jahre unterwegs. Über Jahrhunderte und Generationen hinweg versucht die Menschheit, eine Gegenstrategie gegen die Invasion zu entwickeln.

Buchcover "Jenseits der Zeit"

Liu Cixins Romane, die auch aus einer Auseinandersetzung mit dem Trauma der Kulturrevolution heraus entstehen, stellen die Frage nach einer Kultur der Zukunft, in der sich politische, kulturelle und ökologische Probleme kreuzen werden. Vielleicht sind diese Probleme ohne „Hilfe“ von außen in der Tat nicht zu lösen. Vielleicht verändert allein das Wissen um die Existenz von außerirdischem Leben die Menschen. Vielleicht muss im Spiel ein kulturelles Experimentierfeld geschaffen werden. Vielleicht muss Wissenschaft neu definiert werden. Die chinesische Literaturwissenschaftlerin Xia Jia, die auch selbst Science Fiction schreibt, sieht in der Blüte des Genres eine Projektion des „chinesischen Traums“. Dieser chinesische Traum besteht laut Xia Jia aus „einem Wunsch nach einer Erneuerung der chinesischen Nation: Unabdingbar dafür aber war, dass die chinesische Bevölkerung anfing, neu zu träumen. China musste aus seinem fünftausend Jahre alten Traum von einer frühen Hochkultur aufwachen und anfangen, von China als einer demokratischen, unabhängigen und blühenden Nation zu träumen“.

Für alle, die in die chinesische Science-Fiction einsteigen wollen:

Liu Cixin erscheint hierzulande bei Heyne: Die Trisolaris-Trilogie umfasst „Die drei Sonnen“ (2017), „Der dunkle Wald“ (2018), „Jenseits der Zeit“ folgt 2019.
Zusätzlich Novellen und Erzählungen: „Spiegel“ (2017), „Weltenzerstörer“ (2018), „Die wandernde Erde“ (2018)

Hao Jingfang erscheint bei Rowohlt: „Peking falten“ (2018), E-Book „Wandernde Himmel“ (2018)

Frederike Schneider-Vielsäcker und Felix Meyer zu Venne sind Sinologen und Redakteure des neuen Literaturmagazins „Kapsel“, das sich voll und ganz der chinesischen Science Fiction widmet. Die Nr. 2 erscheint am 6. Dezember. www.kapsel-magazin.de

Mehr zum Thema gibt's zu hören im Zündfunk Generator "Das Verhältnis zwischen dem Universum und uns Menschen imaginieren - Liu Cixin und die chinesische Science Fiction". Beim Klick auf das Bild oben startet der Podcast. Den Generator-Podcast kannst Du hier abonnieren.


18