Bayern 2 - Zündfunk


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Laptop und Lederhose Kann ein neues kosmopolitisches Denken Heimatsehnsucht und Weltoffenheit verbinden?

Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs schien ein kosmopolitisches Denken und Handeln für viele Menschen als Ziel erreichbar, trotz des Zerfalls der Welt in zwei Blöcke und trotz des Kalten Kriegs. Heute sieht das, in Zeiten von Donald Trump und rechtspopulistischer Politik, anders aus. Wie können wir die neue Heimatsehnsucht mit Weltoffenheit verbinden?

Von: Markus Metz

Stand: 29.04.2018

"Warum fahren viele junge Menschen los, kaufen sich ein Interrail-Ticket und fahren hinaus die Welt, so wie ich das gemacht habe. Ich glaube, das ist etwas, was den Kosmopolitismus sozusagen biografisch in der persönlichsten Erfahrung immer angetrieben hat und immer antreiben wird."

- Stefan Weidner, Islamwissenschaftler

Weit hat es der Mensch gebracht, seit den Tagen von Platon und Sokrates: Technischer Fortschritt. Wachsende Weltbevölkerung. Ökonomischer Austausch. Politische Organisation. Mediale Verständigung. An vielen weltweiten Problemen ist er aber auch nicht ganz unschuldig: Hungersnöte. Weltkriege. Umweltzerstörung. Klimaerwärmung. Viele Probleme lassen sich weder in regionalem noch in nationalem Rahmen lösen, nicht einmal von so genannten Schurkenstaaten, in denen die eigene Macht alles und die Verantwortung gegenüber dem Rest der Welt nichts gilt. Und die Globalisierung der Wirtschaft verschärft viele der genannten Probleme. Gegen die weltweiten Zyklen der Ausbeutung von Rohstoffen und Arbeitskräften und von Konsum und Mode ist keine Gemeinschaft gefeit. Noch die glühendsten Nationalisten in Europa schwenken Fahnen, die in China, Bangladesh oder Vietnam gefertigt wurden. Zu den unabdingbaren Folgen der Globalisierung gehört, dass sie nach Kapital und Waren auch Menschen in Bewegung setzt. Darunter ein paar Privilegierte, die sich wohl gerne kosmopolitisch nennen, auf der Suche nach den besten Bedingungen für die Entfaltung ihrer Talente und ihres Wissens, die meisten aber, weil sie in ihrer Heimat keine Lebens-, vielleicht nicht einmal mehr Überlebenschancen finden.

"Ich denke, am Ende werden es nicht die großen Begriffe oder die philosophischen Konzepte sein, die uns dem Kosmopolitismus oder wie immer wir das dann nennen wollen, nahebringen oder ihn uns sympathisch machen, sondern tatsächlich ganz konkrete Erfahrungen, die man am eigenen Leibe gemacht hat."

- Stefan Weidner, Islamwissenschaftler

Kosmopolitismus vs. Kommunitarismus

Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs schien ein kosmopolitisches Denken und Handeln für viele Menschen als Ziel erreichbar, trotz des Zerfalls der Welt in zwei Blöcke und trotz des Kalten Kriegs. Ein Verhalten also, das nicht auf dem Eigennutz einer Region oder einer Nation besteht, sondern das Wohl aller Menschen im Blick hat. Weltumspannende Organisationen wie die UNO, die Welthandelsgesellschaft oder eine Weltkinderhilfe sollten Keimzellen für kosmopolitische Politik bilden. Doch in Zeiten von Donald Trump und Viktor Orbán passiert genau das Gegenteil: Renationalisierung der Politik, Entsolidarisierung in Alltag und Beruf. Die vielfache Rückwendung von Menschen, Gesellschaften, Kulturen und Staaten auf das Eigene, das es angeblich gegen das Fremde zu verteidigen gilt, scheint zum Leitmotiv für das 21. Jahrhundert zu werden. Auch linksliberale Intellektuelle sprechen sich gegen offene Grenzen aus, plädieren für einen lokalen Patriotismus, empfehlen linkspopuläre Politik. Kann ein neues kosmopolitisches Denken Heimatsehnsucht und Weltoffenheit verbinden?

Mehr zu diesem Thema gibt es zu hören im Zündfunk Generator: "Heimatsehnsucht versus Weltoffenheit? Kosmopolitismus neu denken". Am 8. Juli ab 22.05 Uhr auf Bayern 2. Die Sendung gibt's auch als Podcast beim Klick oben auf das Bild.


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