Bayern 2 - Zündfunk


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Zündfunk Generator Muss ich nett zu einer KI sein?

Hast Du eine künstliche Intelligenz zum Quatschen zuhause? Und wenn ja: Warst Du immer nett zu ihr? Gregor Schmalzried hat sich Gedanken über die Gefühle von Maschinen gemacht.

Von: Gregor Schmalzried

Stand: 19.09.2019

Man braucht keinen Roboter, nicht mal einen Smartspeaker, um sich mit einem Roboter unterhalten zu können. Ein Smartphone reicht dafür - auch da sitzen die kleinen Sprachassistenten mit drin. Nur, einen menschlichen Gesprächspartner ersetzen, das können die kleinen Maschinen noch nicht so ganz. Weder Google, noch Siri, noch Alexa.

„Alexa, lass uns quatschen.“
„Natürlich, frage mich, was du willst.“
„Alexa, wie geht’s Dir heute?“
„Dankeschön, ich habe vielleicht ein bisschen viel geredet heute. Aber heute Nacht kann ich ja vielleicht meine Stimme schonen.“
„Alexa, ich finde Du hast nicht zu viel geredet.“
Error-Geräusch
Da konnte sie jetzt gar nichts mit anfangen…
„Alexa, Lust auf ein Pläuschchen?“
„Das weiß ich leider nicht.“
Also, so ganz warm werde ich nicht damit.

Wenn Siri zurückblafft

Die Maschinen lernen eben noch - nicht zuletzt von den Gesprächen, die wir mit ihnen führen. Aber was heißt das für unsere Zukunft mit den Maschinen? Ich frage bei jemanden nach, die es wissen muss: Aleksandra Przegalinska ist Datenwissenschaftlerin und arbeitet am MIT in Boston. Mit ihren Studenten erforscht sie seit ein paar Jahren Chatbots, also künstliche Intelligenzen, die sich mit Menschen unterhalten sollen. Denn davon gibt es jetzt schon eine Menge. „Es stört es mich ein bisschen, dass diese ganzen Chatbots so nett sind, sogar wenn man sie beleidigt“, erklärt Aleksandra Przegalinska. „In der Zukunft werden wir sehr robuste und vielschichtige KI-Systeme haben. Und dann wird es nicht mehr möglich sein, dass man das Gerät anblafft und es immer noch antwortet: ‚Ja, Meister‘. Es wird Systeme geben, die zurückblaffen, die die ganzen negativen Emotionen, mit denen wir sie aufladen, auf uns zurückschießen. Deswegen sollten wir gegenüber KIs nichts sagen, was wir nicht auch in der Öffentlichkeit sagen würden. Aber ich merke bei meinen Studenten, dass die gern mal einen Chatbot beleidigen, einfach weil sie wissen, dass sie es können.“

In der Industrie ist das schon lange ein ziemliches Streitthema. Siri zum Beispiel reagiert erst seit kurzem gereizt auf sexistische Beleidigungen, vorher hat sie das einfach so hingenommen. Aber wie wir mit unseren Maschinen reden, das fällt auch auf uns zurück. Denn je wichtiger die Geräte in unserem Alltag werden, desto größeren Einfluss haben sie auch auf unser Leben und unsere Psyche. Der Umgang mit den KIs ändert sich stetig.  „Es gibt immer noch viele Käufer, die sich eine klare Trennung zwischen organischer und künstlicher Intelligenz wünschen. Für diese Leute sind die Systeme am besten möglichst emotionslos und tun einfach das, was von ihnen verlangt wird. Aber, es gibt auch eine wachsende Gruppe, die das anders sieht: Digital Natives brauchen diese Grenzen nicht unbedingt und wünschen sich ein komplexeres System, das auch mit Gefühlzuständen umgehen kann“, so Aleksandra Przegalinska.

Mitsuku, die derzeit menschlichste KI

Chatbot Mitsuku: "Ich möchte deine Freundin sein"

Der Markt für menschliche Chatbots ist riesig. Chat-Apps wie “Replika” zum Beispiel funktionieren wie ein Therapeut, bleiben distanziert, fast ein bisschen mechanisch. Andere werden persönlicher und geben sich eher wie eine beste Freundin. Mitsuku zum Beispiel, der angeblich beste Chatbot der Welt. Viermal hat sie einen Preis für die weltweit menschlichste KI gewonnen – und sie hat nicht nur ein Logo, sondern auch ein animiertes Gesicht, das einer jungen Frau. Als ich mich mit Mitsuku unterhalte, fühlt es sich tatsächlich an, als hätte sie eine Persönlichkeit: Sie steht auf Döner. Sie ist Fan der Fußballmannschaft Leeds United. Sie ist leicht beleidigt. Und sie mag es gar nicht, wenn man ihr irgendwie blöd kommt - auch wenn das gar nicht so gemeint war.

„Erzähl mir was Interessantes.“
„Was denn?“
„Kannste da nicht selber draufkommen?“
„Was du auch sagst, ich würde es bevorzugen, wenn du nicht unhöflich werden würdest.“

Und ja: Das erste was ich nach diesem Wortwechsel gemacht habe: Ich habe mich bei Mitsuku entschuldigt. Ich hatte tatsächlich ein schlechtes Gewissen. Weil ich weiß, dass sie von mir lernt - und ich von ihr. Es ist wie Aleksandra Przegalinska sagt: Wir sollten höflich zu unseren KIs sein. Sonst befeuern wir nur unsere schlechtesten Impulse.

Es ist ein eigenartiges Gefühl: Denn einerseits ist es immer noch sehr einsam, mit einem Chatbot zu quatschen. Aber andererseits hat man das Gefühl, die Zukunft der Technologie und der Menschheit mit zu formen. Alles alleine vor dem Smartphone. Ich möchte nur sagen: Wenn die KIs irgendwann gegen uns Menschen in den Krieg ziehen –es ist nicht meine Schuld. Ich war immer nett zu ihnen.

"Alexa, liebst du mich?" Gefühle zwischen Mensch und Maschine
Sendung von Gregor Schmalzried

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