Bayern 2 - Zündfunk


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Zündfunk Generator Das Comeback des Jazz, Part One

Comeback? Ganz weg war der Jazz ja nie, nur sind jetzt neue, jüngere Szenen herangewachsen, besonders in Los Angeles, London und Chicago. Vor einem Jahr analysierte die BBC es gebe geradezu eine "Renaissance des Jazz".

Von: Judith Schnaubelt

Stand: 18.11.2019

Ständig entstehen neue Bandkombinationen; oft verstehen sich die Bands als Kollektive. Sie sind alle international bestens vernetzt und die Musikerinnen und Musiker nehmen sich spielerisch jede Freiheit, die sie möchten. Sie fusionieren ihren Jazz mit Afrobeats, Dub, Neosoul, Drum 'n' Bass, House oder psychedelischer Electronica. Sie improvisieren aufs Schönste und feiern ihre Vorbilder wie John und Alice Coltrane, Herbie Hancock oder Sun Ra. Und die Fans gehen begeistert mit und oft verwandeln sie traditionelle Jazzclubs schnell zu Dancefloors. Meist bevorzugen die Neo-Jazzer aber für ihre Auftritte sowieso Poplocations.

Als die Sons of Kemet in München spielten, haben wir deren Gründer, den Saxofonisten Shabaka Hutchings zum "Revival des Jazz" befragt. Seine Antwort: "Man spricht heute immer von der "Neuen Jazzszene". Das belustigt mich etwas, denn ich war bereits 2008 mit meinem Studium an der Musikhochschule fertig und schon vorher habe ich ständig bei Konzerten mitgespielt. Schon damals waren viele Jazzmusiker unterwegs und haben wirklich visionäre Musik produziert. Die hat allerdings keinen Zugang zu einem jungen, ganz vielfältigen Publikum gefunden. Die jungen Jazzer von heute haben ihn. Was also als die "Neue Jazzszene" gilt, ist das Ergebnis von jahrelanger harter Aufbauarbeit und Identitätsbildung."

Politische Haltung im neuen Jazz

Ähnlich wie Hutchings sehen das auch andere Musiker. Ob Kamasi Washington & The Next Step aus Los Angeles, Makaya McCraven und Ben LaMar Gay aus Chicago; oder Das Ezra Collective, Sheila Maurice-Grey von Kokoroko, Oscar Jerome, Joe Armon Jones oder Shabaka Hutchings aus London. Allen gemeinsam ist ebenfalls eine meist explizite Haltung zu Politik, zu gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen. Es geht um eine gewisse Dringlichkeit und Tiefe. Ob in der Musik selbst, die oft eine improvisierte und freie ist, aber nie eine oberflächliche, oder in der Haltung der Künstler zu dieser Welt. Kamasi Washington beispielsweise wird nie müde, auf jedem Konzert sein Credo zu wiederholen: "Our diversity, the diversity amongst all those people on the planet is not just to be tolerated, but something to be celebrated".

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