Bayern 2 - Zündfunk


4

Gamescom 2020 Wie Corona die Gewinne der Gameindustrie explodieren lässt

Fast die gesamte Kulturbranche ächzt unter den Corona-Einschränkungen. Aber einer Industrie geht es richtig gut: Die der Computer – und Videospiele. Gestern hat die Gamescom begonnen, die dieses Jahr im Netz stattfinden muss. Die Computerspielindustrie wird es verkraften, denn kaum eine Branche hat so sehr von der Pandemie profitiert, wie sie.

Von: Christian Schiffer

Stand: 28.08.2020

World of Warcraft: Shadowlands Cinematic Trailer | Bild: World of Warcraft (via YouTube)

Vor zwei Wochen da präsentiert der schwedische Computerspiele-Entwickler Paradox seine Quartalszahlen. BWL-Porn vom Feinsten. Vorsteuergewinne und Nachsteuergewinne, Umsätze und Abschreibungen und vor allem die Frage: Wie gut hat das Unternehmen in dem letzten drei Monaten performed?

Spielend durch den Lockdown

Die Zahlen sind hervorragend und ein Grund dafür ist Corona, sagt der Finanzchef von Paradox. Kein Wunder: Paradox macht Strategiespiele. Und genauer: Paradox macht Strategiespiele, die manchmal so komplex sind, dass man mindestens einen ganzen Corona-Lockdown benötigt, um sie überhaupt mal in Grundzügen zu verstehen. Aber nicht nur Paradox hat von Corona profitiert. Fast die gesamte Spieleindustrie gehört zu den Corona-Gewinnern, sagt Petra Fröhlich vom Branchenmagazin "GamesWirtschaft":

"Ja, ich glaube, abseits von Baumärkten, Netflix und Herstellern von FFP2-Masken, gibt es wahrscheinlich kaum eine Branche, die so sehr vom Lockdown und den Corona-Einschränkungen profitiert hat, wie die Games Branche. Da kommen mehrere Dinge zusammen: Millionen Menschen sind weiterhin von den Corona-Einschränkungen betroffen. Allein schon deshalb, weil Schule und Kita ausfallen. Das heißt, es gibt wahnsinnig viel Freizeit, die gefüllt werden muss und gleichzeitig fallen viele der üblichen Freizeitbeschäftigungen aus. Das heißt, das Geld, das man sonst für einen Kinobesuch oder für einen Freizeitpark, für ein Bundesliga-Wochenende, für Konzerte oder im Urlaub ausgegeben hat, das fließt dann eben alles in Smartphone, Apps oder PC, Spiele, neue Konsolen, Hardware und so weiter."

Wie Corona eine ganze Branche nach vorne pusht

Während des Lockdowns ächzte mancherorts das Internet, weil die Kids wie blöd Fortnite zockten. Nintendos Spielekonsole Switch war zeitweise ausverkauft. Die Lebenssimulation Animal Crossing wurde zum Megaseller: Ein kunterbunter Gegenwurf zur tristen Corona-Realität, in der man eigentlich nicht viel mehr tut, außer mit anderen zu angeln, zu ernten und zu werkeln. Auf dem PC kramten die Leute plötzlich wieder World of Warcraft hervor und zogen von Zuhause aus als Elfen und Zwerge durch die Fantasylandschaft Azeroth.

Mann am Controller | Bild: picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa zum Artikel #failoftheweek Warum die DAK-Studie zu Computerspielsucht bei Jugendlichen WIRKLICH alarmierend ist

Eine Studie der DAK hat herausgefunden, dass Kinder und Jugendliche während des Corona-Lockdowns gerade einmal zwei Stunden am Tag Videospiele gespielt haben. Das sollte uns nicht egal sein, kommentiert Christian Schiffer. [mehr]

Es galt Zeit totzuschlagen und kaum ein Medium eignet sich dazu besser, als das Medium Computerspiel. Und vermutlich haben digitale Spiele auch mit dazu beigetragen, dass wir alles in allem gut durch den Lockdown gekommen sind. Der Spieleindustrie kam noch etwas entgegen: Anders als das Kino, die Live-Musik, das Theater oder das Sportbusiness konnte man hier schnell in den Home Office-Modus switchen. Die Spieleproduktion ging weiter, es wurde gecodet, geschrieben, designt – nur eben von zu Hause aus.

Auch deutsche Studios konnten von Corona profitieren, sagt Petra Fröhlich: "Mir sind auch nur ganz wenige Fälle bekannt, in denen es beispielsweise zu Kurzarbeit gekommen ist. In den meisten Fällen wurden sogar neue Mitarbeiter eingestellt und viele Studios planen auch damit, dass sie am Jahresende wieder mehr Menschen beschäftigen, als zu Beginn der Krise. Und das ist nicht selbstverständlich in diesen Zeiten und deshalb prinzipiell eine gute Nachricht."

Gamescom ohne Menschen? Geht das?

Eine Frage allerdings bleibt: Kann eine Corona-Gamescom funktionieren? Kann eine Gamescom funktionieren ohne Menschenmassen, ohne kreischende Teenager, ohne Kirmes-Techno, lange Schlangen, Cosplayer und T-Shirt-Kanonen, ohne den ganzen bekloppten Quatsch also, der eine Gamescom aber erst zu einer Gamescom macht? Sie kann, aber mehr so semi. Die gestrige Auftaktshow war in etwa so interessant wie, sagen wir mal, die Präsentation der Quartalsergebnisse eines Spielestudios, das sich auf kryptische Strategiespiele spezialisiert hat.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Gamescom 2020: Opening Night Live Stream & Exclusive Reveals | Bild: IGN (via YouTube)

Gamescom 2020: Opening Night Live Stream & Exclusive Reveals

Der nächste Lockdown könnte kommen

Die interessanteste News war, dass es die Lebenssimulation The Sims bald auch in einer Star Wars-Variante geben wird und natürlich das hier: Die neue Erweiterung zu World of Warcraft wird bereits am 27. Oktober erscheinen, hieß es gestern auf der Corona-Gamescom. Der nächste Lockdown kann also kommen.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

World of Warcraft: Shadowlands Afterlives - Official Story Trailer | gamescom 2020 | Bild: IGN (via YouTube)

World of Warcraft: Shadowlands Afterlives - Official Story Trailer | gamescom 2020


4