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Gamerinnen Frauen kämpfen für ihren Platz im E-Sport

Heute zocken in Deutschland so viele Frauen wie Männer, Gaming ist schon lange keine Jungsdomäne mehr. Anders als erfolgreicher E-Sport - der wird immer noch von Männern bestimmt. Ein Besuch bei den Frauen, die das ändern wollen.

Von: Charlotte Witt

Stand: 19.03.2019

Frau spielt auf der Gamescom | Bild: picture-alliance/dpa

Game Over in Regensburg. Das Vereinsheim des Regensburger Gamer Vereins ist an diesem Donnerstag gut besucht. Überall hört man das schnelle Klicken der Maus, die Tastaturen und die Dudelmusik von Spielen wie League of Legends, Overwatch und Co. Jeder der sechs Gaming-PCs ist besetzt und an der Wand wird ein Spiel per Beamer übertragen. Die Stimmung unter den Jugendlichen ist gut.

An einem der Gaming-PCs lerne ich die 17-Jährige Alice kennen. Sie ist gerade im Teamshooter "Overwatch" vertieft. "Ich habs erst seit vier, fünf Monaten und hab schon über 130 Stunden glaub ich durch und Level verdammt schnell auf, sagen meine Freunde." Mit den Profi-Spielern des Games kann sie damit aber noch lange nicht mithalten: Im E-Sport spielen Gamer gegeneinander, und das in verschiedenen Ligen und Wettkämpfen, um zum Teil zweistellige Millionenbeträge. Doch der E-Sport hat ein Problem: Ihm fehlen die Frauen.

Sexismus ist in der Gaming-Welt verbreitet

"Als Frau ist es schwer, da überhaupt durchzustarten", erzählt Alice, die das Problem sehr gut kennt. Dabei belegt eine Studie des Branchenverbandes game, dass Frauen genauso viel zocken wie Männer. Frauen haben aber oft wenig Lust, auf eine Profi-Karriere zu setzen. Auch weil die Szene ziemlich sexistisch ist. Gamerinnen berichten immer wieder von Beleidigungen, Vorurteilen und Diskriminierung. Wer attraktiv ist, so das Vorurteil, könne nicht zocken. Und wer den Schönheitsidealen der Jungs nicht entspricht, wird gemobbt. Ein Problem, dass der deutsche E-Sport-Bund nun angehen will. Viel passiert ist allerdings bis jetzt noch nicht.

Österreich ist da schon einen deutlichen Schritt weiter. Seit letztem Jahr hat der österreichische E-Sport-Verband eine Genderbauftragte: Sie heißt Yvonne Scheer, ist selbst professionelle E-Sportlerin und als MissMadHat im Shooter Counter Strike unterwegs. "Ich hoffe einfach, dass ich dieses Thema vermehrt ansprechen kann, und so vielen Frauen und Mädchen vielleicht auch in irgendeiner Weise ein Vorbild sein kann", sagt sie. "Meiner Meinung nach ist es immer einfacher jemanden in die Fußstapfen zu folgen, als neue Fußstapfen zu treten."

Eine Szene denkt um... hoffentlich

Doch die gute Nachricht – zumindest in der Spieleentwicklung tut sich etwas. Vor allem in den letzten zehn Jahren habe sich in den Augen der Spielentwicklerin Nina Kiel einiges geändert: "Natürlich bestehen immer noch Besonderheiten, das weibliche Figuren konventionell attraktiv sind und stark sexualisiert werden, auch das ist immer noch heute so. Aber wir haben mehr Frauen in Führungspositionen, auch in eigentlich männlich dominierten Spiele-Genres wie zum Beispiel den Ego-Shootern oder den Weltkriegs-Shootern. Da gibt es immer häufiger auch weibliche Charaktere, die bis dato komplett fehlten und das zeigt also, das in der Industrie durchaus ein Umdenken stattgefunden hat."

Dieses Umdenken muss nun auch in der Community ankommen. Viele Frauen verheimlichen online ihre wahre Identität, um Beleidigungen und Anmachen zu entgehen. Dabei steht im E-Sport eigentlich genau das Gegenteil im Mittelpunkt: Das spielen im Team! Und zumindest Alice hat ihres schon gefunden: "Ich habe eine Gruppe an Jungs gefunden, mit denen ich viel spiele, es macht Spaß, ich fühle mich wohl und so akzeptiert das ich eine Frau bin, was in dieser Gesellschaft normal sein sollte."


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