Bayern 2 - Zündfunk


11

Franka Potentes Debütfilm "Home" "Ich will Regisseurin sein"

Franka Potente, die als „Lola rennt“ berühmt wurde, ist ins Regie-Fach gewechselt. Sie stellte ihren Film „Home“ mit Kathy Bates auf dem Münchner Filmfest vor. Warum Franka Potente ganz auf den Regie-Stuhl wechseln möchte, erzählt sie im Interview.

Von: Roderich Fabian

Stand: 08.07.2021

Szenen aus dem Debütfilm von Frank Potente: "Home" | Bild: BR

Der Film „Home“ erzählt die Geschichte von Jake, einem mittelalten Mann, der in seine Heimatstadt zurückkehrt. Er saß 17 Jahre im Knast, nach einem Mord im Affekt. Nun versucht er, sich allmählich wieder seiner alten Heimat anzunähern. Wir erleben Geschichten aus dem amerikanischen Prekariat. Wie ist Franka Potente für ihr erstes Drehbuch auf dieses Milieu gekommen?

Szene aus dem Debütfilm "Home"

"Es war irgendwann an der Zeit. Ich hatte einen Roman geschrieben, ich hatte Kurzgeschichten geschrieben, ich wollte jetzt einfach auch ein Drehbuch schreiben. Es geht dann einfach nach dem Prinzip: Was würde ich gerne sehen? Ich mag Andrea Arnolds Filme sehr gerne, die Dardenne-Brüder - ich mag schon gerne so Ungeschliffenes. Und von Welten her, ich mag die HBO-Serie "Succession". Da habe ich mich wahnsinnig davor gesträubt, wollte ich gar nicht gut finden, aber finde ich fantastisch. Aber das wäre was, da könnte ich nie Regie führen."

"Kathy Bates ist eine Vollblut-Schauspielerin"

Die satirische Serie „Succession“ spielt in einem ganz anderen Milieu, da geht’s um das Leben von Milliardären. In „Home“ dagegen kehrt Hauptfigur Jake zu seiner kettenrauchenden, lungenkranken Mutter heim. Die wird gespielt von Oscar-Gewinnerin Kathy Bates, die nach Lektüre des Drehbuchs sofort zusagte. Wie ist Franka Potente mit ihr umgegangen?

Kathy Bates in "Home"

"Ich war sehr sehr gut vorbereitet - natürlich. Und ich bin ihr auch sehr respektvoll und höflich begegnet. Und sie - wie die wirklich großen Stars halt so sind - war sehr generös, wahnsinnig nett. Sie weiß ja auch die Unsicherheiten, das braucht man ihr gar nicht zu sagen. Sie hat gleich von Anfang an klargemacht, dass ich die Regisseurin bin. Sie hat immer gesagt - das sind so Kleinigkeiten: 'Mrs.', 'Mam'. Wahrscheinlich brauchte sie das in dem Moment gar nicht, aber das hat sie gemacht, um mich wissen zu lassen: Mach du das mal! Ich will auch, dass du Regisseurin bist. Und sie ist ja eine Vollblut-Schauspielerin. Das heißt, sie will auch einfach die Schauspielerin sein."

Das Gefühl von Heimat in den USA und Deutschland

Der Film heißt „Home“, weil es auch um das Gefühl von Heimat geht. Aber auch wenn Amerikaner im Schnitt viel häufiger umziehen als Deutsche – Franka Potente glaubt, dass die Sehnsucht nach Heimat sich überall gleicht. "Wenn du in Los Angeles lebst und zeigst auf irgendwen, dann ist der ziemlich wahrscheinlich nicht aus L. A.. Der ist irgendwo anders hergekommen. Das ist dann einfach eine andere Definition. Aber dieser Mensch setzt sich in den Flieger und fliegt an Thanksgiving - obwohl das die teuersten Flüge sind - zu Mutti nach Hause und isst wie jedes Jahr den Truthahn."

"Das letzte Jahr hat mich Amerika näher gebracht"

Seit zwölf Jahren lebt Franka Potente nun mit ihrem Mann in Los Angeles. Ihre beiden Kinder sind dort geboren. Aber es ist vor allem die jüngste Vergangenheit, die sie noch stärker amerikanisiert hat. "Ich glaube, das letzte Jahr hat mich Amerika nochmal bisschen näher gebracht. Ich habe dort eine Pandemie mitgemacht, wir haben Black Lives Matter erlebt, wir haben unsere Kinder gehomeschoolt, wir waren im Lockdown, es gab keine Krankenhausbetten in Los Angeles - das ist man einer von allen. Dann gibt's plötzlich mehr Gemeinsamkeiten als man gedacht hätte. Und das hat mich dem Ort nochmal näher gebracht - auf eine komische Weise, weil man da so gelitten hat miteinander."

"Ich will Regisseurin sein"

Szene aus "Home"

In den letzten Jahren war Franka Potente vor allem in diversen amerikanischen Serien zu sehen. Während des Lockdowns in Kalifornien hat sie drei neue Drehbücher geschrieben. Sie hat ihren beruflichen Fokus verändert: "Für mich ist ganz klar die Schauspielerei sekundär. Ich will Regisseurin sein. Ich will keine Schauspielerin mehr sein. Ich mach das gerne. Ich muss jetzt auch ein bisschen, weil wir haben alle kein Geld verdient in der Pandemie. Ich würde halt keine Serie annehmen auf Jahre. Das würde ich nicht machen. Eine Season kann man immer gucken, aber das wäre mir eigentlich schon zu lang."

"70 Prozent sind einfach Marvel-Filme"

Franka Potente hat von L. A. aus beobachtet, wie sich die Filmlandschaft in den letzten zehn Jahren verändert hat: "Es gibt halt wahnsinnig gut gemachtes Fernsehen. Die Stars unterscheiden auch nicht mehr: Nicole Kidman macht eine Serie, Kate Winslet macht eine sehr erfolgreich eine Serie - und Kino ist halt ganz viel einfach Marvel. Wenn du mal guckst, was auf den Leinwänden ist bei uns: Ich würde sagen, 70 Prozent sind einfach Marvel-Filme."

"Ich finde, Quoten müssen sein"

Immerhin scheint es trotz Marvel so, als löse sich ganz langsam die Dominanz der alten, weißen Männer im Filmgeschäft auf. Aber bis zur Gleichberechtigung in Hollywood ist es noch ein langer Weg, sagt Franka Potente abschließend: "Ich will das nicht so pauschalisieren, aber in Amerika ist es, glaube ich, immer noch so, dass die Entscheidungsträger halt eine bestimmte ältere Garde Männer sind, die denken Frauen fangen immer an zu heulen, kriegen ihre Tage und können doch nicht mit 60 Millionen Budget umgehen. Ich glaube, wenn die irgendwann mal weg sind, vielleicht verändert sich das dann. Das geht leider nicht von heute auf morgen. Und ehrlich gesagt, ich möchte einfach als Künstler, als Regisseurin überzeugen. Ich will jetzt nicht, dass jemand sagt: 'aus Mitleid, weil du eine Frau bist, hier mach das mal'. Wieso denn? Es ist mir unterm Strich aber auch egal. Ich finde, Quoten müssen sein, weil Menschen sind halt langsam, kommen nicht klar mit Veränderung und Inklusivität."

"Home" läuft auf dem Münchner Filmfest.


11