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"Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?" Dieser georgische Film zeigt zwei Menschen, die sich verlieben, aber nicht mehr wiedererkennen

Der poetische, märchenhafte Film „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?“ des georgischen Regisseurs Alexandre Koberidze wurde zu einem Liebling der Berlinale 2021. Der Spielfilm stellt die Frage: Was wäre, wenn du in einem anderen Körper aufwachst als in dem, in dem du eingeschlafen bist?

Von: Roderich Fabian

Stand: 04.04.2022

Szenen aus dem Film "Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen" | Bild: Grandfilm

Auf den ersten Blick ist dies eine klassische Liebesgeschichte: „Boy meets Girl“ - in diesem Fall sind das Lisa und Giorgi, die sich zufällig auf der Straße kennen lernen und sich - der Himmel hat es so gewollt - später noch ein weiteres Mal zufällig begegnen. Dieses Treffen zwischen Lisa und Giorgi bekommen die Zuschauer nur akustisch mit. Die Kamera ist weit weg vom Geschehen, sie blickt von einem Hügel aus über die nächtliche Stadt.

Diese indirekte Erzählweise ist typisch für diesen Film, der uns ein poetisches Märchen erzählt. Lisa wird auf dem Nachhauseweg gewarnt werden, von einer Regenrinne, einem Strauch und einer Überwachungskamera: „Auf dir liegt ein Fluch“, werden diese Gegenstände sagen. „Morgen wirst du in einem anderen Körper aufwachen als in dem, den du kennst“. Und so wird es sein. Ebenso verhält es sich auch beim jungen Giorgi, auch sein Körper verwandelt sich, aber er wurde nicht gewarnt. Im Film sehen wir seine Überraschung nicht, als er es bemerkt. Ein Sprecher aus dem Off erzählt uns davon:

"Er wollte sich das Gesicht waschen, drehte den Hahn auf, hielt seine Hände unter den Strahl und blickte erstmals in den Spiegel. Die Hände voller Wasser erstarrten in der Bewegung. Weder sein Kopf noch sein Körper wussten, wie sie reagieren sollten. Er spürte ein Brennen im Nacken, senkte den Kopf etwas nach links und blickte erneut in den Spiegel. Fast fiel er in Ohnmacht."

Der Erzähler über Giorgis Verwandlung

Gregor Samsa lässt grüßen

Diese Art von Körpertausch kennen wir vielleicht aus amerikanischen Komödien oder von Franz Kafkas Kurzgeschichte, in der Gregor Samsa sich am Morgen in ein Insekt verwandelt, aber hier ist diese Veränderung nur als leichte Verschiebung der Wirklichkeit zu verstehen. Die beiden kämpfen nicht dagegen an, unternehmen nichts, um damit klarzukommen, sondern leben ihr Leben einfach unter den neuen Bedingungen weiter. Magie wird in diesem Film als etwas völlig Natürliches dargestellt. Und die Hauptsache bleibt für beide die gegenseitige Verabredung für den Abend. Aber als sie an verschiedenen Tischen im Café an der Brücke sitzen, erkennen sie sich nicht.   

"Lisa versuchte, sich auszumalen, warum Giorgi nicht im Café war und kam auf nichts, außer dass ihm etwas passiert sein musste. Dass er einfach nicht zu ihrem Treffen kam, schloss sie aus. Seit dem gestrigen Tag hätte sie an allem zweifeln können, nur nicht an Giorgi. Der hatte zum ersten Mal seit seinem 18. Geburtstag vier Bier getrunken. Auch er glaubte nicht, dass Lisa grundlos das Treffen ausgelassen hatte. So sorgte er sich. So ist das, wenn man liebt, dann sorgt man sich."

Der Erzähler über das Date

Aber zu diesen Sorgen gesellt sich in „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen“ ein durchgängig heiterer Ton. Der Film ist eben auch eine Liebeserklärung an das südliche Georgien und seine Menschen, und ganz speziell an die mittelgroße Stadt Kutaissi, die etwa auf dem gleichen Breitengrad liegt wie Rom. Der junge Regisseur Alexander Koberidze schweift immer wieder von der Liebesgeschichte ab, zeigt uns in langen Einstellungen dokumentarische Straßenszenen wie etwa Kinder, die zum Sound von Gianna Nanninis 1990er WM-Hymne in Zeitlupe Fußball spielen.

„Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen“ ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern ein Film voller Liebe ganz allgemein. Er zeigt uns in zweieinhalb Stunden das überwiegend heitere Leben in einer südeuropäischen Stadt und erinnert uns daran, worauf es ankommt: Auf ein friedliches Miteinander und die Sehnsucht nach Leidenschaft.

"Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen" läuft ab dem 7. April in den bayerischen Kinos.

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Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen? (offizieller Trailer) | Bild: GRANDFILM (via YouTube)

Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen? (offizieller Trailer)