Bayern 2 - Zündfunk

Sexarbeit, Kapitalismus, Entfremdung Was uns der Film "Moneyboys" über das moderne China erzählt

Im Spielfilm „Moneyboys“ schickt Sexarbeiter Fei sein Geld an seine Familie, die im ländlichen China lebt, aber seine Arbeit verachtet. Als Fei sich neu verliebt, kann er seine Erfahrungen an einen Jüngeren weitergeben. Der lernt die kapitalistischen Regeln der Sexarbeit schnell.

Von: Roderich Fabian

Stand: 28.07.2022

Szene aus dem Film "Moneyboys" von C.B.Yi | Bild: KGP Filmproduktion

Auch wenn „Moneyboys“ komplett in China spielt und Teile davon auch dort gedreht wurden, bemerkt man sofort: Dies ist keine chinesische Produktion, denn der Film würde dort niemals die staatliche Kontrolle passieren. Wir haben es hier mit einer europäisch-taiwanesischen Co-Produktion zu tun. Und Regisseur C.B.Yi hat zwar chinesische Wurzeln, lebt aber seit Kindertagen in Österreich und hat an der Wiener Filmhochschule studiert, unter anderem bei Michael Haneke, der mit Filmen wie „Das weiße Band“ das Wesen des Faschismus erforschte und 2013 für sein Drama „Liebe“ einen Oscar gewann.

Prostitution ist in Peking eigentlich verboten

So erklärt es sich auch, dass wir es hier mit einer ziemlich vertrauten Dramaturgie und Figurenzeichnung zu tun haben: Alles dreht sich um den jungen Mann Fei, der vom Land nach Peking kommt und sich dort in einen Sexarbeiter namens Xiaolai verliebt. Der verschafft Fei Zugang zur Stricher-Szene der Hauptstadt. Prostitution ist in Peking zwar offiziell verboten, aber der Staat geht nicht mehr sehr offensiv dagegen vor. Xiaolai will seinen Schützling allerdings bei Gelegenheit auch vor brutalen Freiern bewahren.

Feis Familie akzeptiert ihn nicht

Dass sich Fei schließlich doch auf einen gefährlichen Typen einlässt, werden die beiden jungen Sexarbeiter bereuen. Fei wird übel verprügelt, Xiaolai sogar nachhaltig misshandelt, als er seinen Schützling rächen will. Danach reisen wir mit Fei in seine Heimat, in irgendein Dorf, wohin er regelmäßig Geld überweist. Dort vermeidet seine Familie das Thema, womit Fei sein Geld verdient, aber im Laufe eines Abendessens eskaliert sein aggressiver Onkel die Situation.

Es geht um universelle Stadt-Land-Unterschiede

Fei bemerkt, dass in seiner ländlichen Familie kein Platz mehr für ihn ist und kehrt in die Großstadt zurück. Hier wirkt „Moneyboys“ sehr universell, denn die moralischen Stadt-Land-Unterschiede lassen sich ja nicht nur in China beobachten. Nach einiger Zeit bekommt Fei Besuch von einem Jungen namens Long, der aus dem gleichen Dorf stammt wie er. Nach anfänglichem Zögern beginnen die Beiden eine Beziehung. Nun ist es Fei, der den Jüngeren in die Szene einführt. Long ist am Anfang sehr schüchtern, genau wie sein erster Freier, den er zunächst einmal abzuwehren versucht.

Sex und Liebe

Doch dann steigt Long sehr schnell auf in der Szene. Long erlernt die streng kapitalistischen Regeln der Sexarbeit, wie es zuvor Fei getan hat. Es gibt kein Zurück ins ländliche Bewusstsein - das ist eine der Botschaften von „Moneyboys“. Und eine andere ist, dass es eben große Unterschiede zwischen Sex und Liebe geben kann. Das Spielfilm-Debüt von C.B.Yi wirkt wie eine ziemlich souveräne Studie über die Verhältnisse des modernen China - und viel näher dran an den Meisterwerken Michael Hanekes, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Ab dem 28. Juni 2022 im Kino. Hier geht's zum Trailer.