Bayern 2 - Zündfunk

"FCK 2020 - Zweieinhalbjahre mit Scooter" Diese Doku zeigt, wie H. P. Baxxter alles irgendwie egal ist

Regisseurin Cordula Kablitz-Post hat Scooter-Sänger H. P. Baxxter zweieinhalb Jahre mit der Kamera begleitet. So bekommen wir Einblicke in die Geschichte der Band, aber auch ins Privatleben des Sängers, der sich in etwa die gleiche Naivität bewahrt hat wie seine Musik ausstrahlt.

Von: Roderich Fabian

Stand: 09.01.2023

ARCHIV - 05.06.2022, Bayern, Nürnberg: Der Sänger der deutschen Techno-Band Scooter, H.P. Baxxter (Hans Peter Geerdes), steht beim Open-Air-Festival "Rock im Park" auf der Bühne. (zu dpa "H.P. Baxxter: «Ich habe eine permanente Midlife-Crisis") Foto: Daniel Karmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Daniel Karmann

Scooter - das ist Sänger H. P. Baxxter und zwei andere, die im Hintergrund auf irgendwelche Tasten drücken. Wie die heißen? Also im Film sind das Michael und Sebastian, aber die sind inzwischen schon wieder raus und werden wohl bald durch irgendjemand anders ersetzt. Egal! Was H. P. Baxxter hingegen nicht egal war, das war das Jahr 2020. Er hat sogar einen Text gegen das Jahr geschrieben, nach dem dieser Film benannt ist. Übersetzt heißt der „Scheiß 2020!“, weil – logisch! – das erste Corona-Jahr eine Katastrophe war für Musiker, die nicht mehr live spielen konnten. Und live on stage, erst da ist H. P. Baxxter so richtig in seinem Element.

Ein Hoch auf Twenty-Einundtwenty

H. P. Baxxter mit Regisseurin Cordula Kablitz-Post

Statt Live-Shows kam dafür dieser Dokumentarfilm zustande. Zweieinhalb Jahre hat Cordula Kablitz-Post die Band mit der Kamera begleitet. Die Regisseurin hat auch schon Dokus über Nina Hagen, Wolfgang Joop oder David Garrett gedreht, aber: egal!

2020 ist für H. P. Baxxter jedenfalls ein bisschen ungut, aber wir sehen, wie er so seine Zeit verbringt, gern mit seinem persönlichen Manager in Hamburg.

"Ich hab mir das jetzt mit den Autokinos mal durchgelesen. Hey, das find ich so scheiße. Wenn da wirklich richtig Sound wär´ und das dröhnt, dass die Scheiben wackeln von den Autos, dann würde ich sagen: Okay. Aber so kommt das gar nicht in Frage."

H. P. Baxxter

Direkt nach dieser Szene – man ahnt es vielleicht schon – sehen wir Scooter live im Autokino, volle Pulle, die Scheiben wackeln genauso wie die Tänzerinnen. Alles Roger, alles Rabbit. H. P. Baxxter wirkt zufrieden, aber so richtig auf Tour geht’s natürlich auch Twenty-Einundtwenty nicht. Also ab ins Studio, neue Scooter-Stücke raushauen. Dabei erfahren wir ein Geheimnis vom Super-Supersänger: Die Texte bedeuten rein gar nichts, sind eher Quatsch, also Random. Dass die Leute irgendwas reininterpretieren, das wundert H. P. Baxxter schon ein bisschen, aber auch das: egal.

Hans-Peter ist ein guter Junge

Texte sind wie geschmolzene Musik oder so. Was wirklich interessant ist, das ist das Privatleben von Hans-Peter Baxxter. Wir sehen Eighties-Clips von seiner alten Band Celebrate The Nun, wo seine Schwester noch dabei war. Die tritt in „FCK 2020“ dann aber auch noch leibhaftig auf, zusammen mit der Mutter der Beiden – die bodenständig ist, würde ich mal sagen. H. P. Baxxter is ein guter Junge. Erst Richie-Blackmore-Fan, dann Depeche Mode, jetzt halt selber ein Star. Das erfahren wir alles. Und womit transportiert er den Christbaumständer seiner Mutter? Mit seinem Jaguar-E-Type, Original-Sixties-Kult-Auto, circa 100.000 Öcken schwer.

Fast immer hat H. P. Baxxter eine Lösung parat – irgendwie. Der Typ ist völlig okay, wie – und das ist das Schöne an diesem Film – eigentlich alles irgendwie okay ist und nichts so wichtig. Eigentlich ist alles irgendwie egal. Hauptsache: Scooter gehen Twenty-Dreiundwenty wieder auf Tour. Hinten zwei neue Keyboard-Fuzzis, vorne zwei flotte Tänzerinnen und ganz vorne H. P. Baxxter. Nächstes Jahr wird er 60, heiliger Bimbam!

Ab 12. Januar im Kino: "FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter". Ein Film von Cordula Kablitz-Post. Hier geht's zum Trailer.