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Jetzt im Kino Legendenbildung in eigener Sache: Die Fanta-4-Doku „Wer 4 sind“

Ein Popstar ist erst dann ein richtiger Popstar, wenn man ihn auch im Kino bewundern kann. Das müssen sich auch die Fantastischen Vier gedacht haben, als sie der Doku „Wer 4 sind“ zugestimmt haben. Roderich Fabian ist von dieser Legendenbildung in eigener Sache wenig begeistert.

Von: Roderich Fabian

Stand: 17.09.2019

"Wer 4 sind" - Fanta 4-Doku | Bild: KickFilm GmbH

Was am Ende des Films besonders auffällt: Der Begriff „Hip-Hop“ kommt erstaunlich selten vor in einem Film über die Band, die als allererste erfolgreich war mit Rap aus deutschen Landen. Aber wenn man sich die deutsche Szene von heute so anschaut, ist das auch kein Wunder. Die Fantastischen Vier haben mit dem aktuellem Hip-Hop nichts zu tun. Schließlich sind es vier weiße Männer über 50 aus Stuttgart. Und sie machen deutsche Popmusik ohne Migrationshintergrund. Berühmt wurden sie mit dem harmlosen Hit „Die da“, das war 1992, der Startschuss in eine Traumkarriere.

Der Film zeigt in erster Linie die Aufnahmen zum jüngsten Album in ländlicher Idylle, kumpelhafte Zusammenkünfte, ein bisschen Archivmaterial aus den Gründerzeiten und kurze Ausschnitte von Live-Konzerten. Die Fantas verkaufen auch heute noch große Hallen aus. Und sie kommt auch noch bei den Kids an, was Rapper Thomas D wundert: „Wir schreiben ja Musik aus der Sicht von 50-jährigen Männern. Und dass 17-jährige Mädchen kommen und das diggen, das scheiß-geil finden und verstehen! Wie kannst du das verstehen? Du brauchst doch noch 33, 43 Jahre, aber nein: Was die checken, ist die Authentizität.“

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Die Fantastischen Vier Kinofilm - WER VIER SIND (Official Trailer) | Bild: Die Fantastischen Vier (via YouTube)

Die Fantastischen Vier Kinofilm - WER VIER SIND (Official Trailer)

Ist es die Authentizität, die die Fantas so erfolgreich macht?

Ist es wirklich die Authentizität – oder so – die die Fanta 4 so andauert erfolgreich macht? Da alle Bandmitglieder darauf bestanden haben, ihr Privat- und Familienleben im Film weitgehend nicht vorkommen zu lassen, müssen wir bei „Wer 4 sind“ zwischen den Zeilen lesen. Wir erfahren, dass alle Mitglieder dort leben, wo sie hingehören: Thomas D in Hippie-Hausen auf dem Land, Andy Ypsilon inzwischen wieder im vertrauten Stuttgart, Michi Beck im hippen Berlin und Smudo im mondänen Hamburg. Er offenbart immerhin, dass er Autorennen fährt und ein eigenes Kleinflugzeug fliegt. Offenbar haben sich die Fantas auseinander gelebt, aber Smudo sieht das im Bonus-Material zum Film anders: „Eigentlich wurde die Freundschaft nie so richtig porträtiert. Und ich bin schon stolz darauf, dass wir‘s 30 Jahre durchgehalten haben, auch mit’m konstanten Erfolg, dass das mal so klar gemacht ist. Also, sowohl für mich persönlich als auch geschäftlich, was den Legendenbildungs-Faktor angeht, finde ich das ’nen tollen Film“.

Wir sind zusammen groß, wir sind zusammen alt

Okay, der Film soll also zur „geschäftlich-wichtigen Legendenbildung“ beitragen. Und ich fürchte, das tut er auch. Vor allem zeigt er uns die vier Schwaben – trotz aller eingestreuten Selbstzweifel – als gewiefte Hasen im deutschen Musikgeschäft. Denn tatsächlich gelingt ihnen 2018 ja wieder ein Riesenhit, weil sie einen aktuellen, deutschen Star mit an Bord holen, den ebenfalls allgemeinverträglichen Clueso: „Zusammen“. Und dieser Song ist irgendwie auch das Leitmotiv des Films.

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Die Fantastischen Vier - Zusammen feat. Clueso (offizielles Video) | Bild: Die Fantastischen Vier (via YouTube)

Die Fantastischen Vier - Zusammen feat. Clueso (offizielles Video)

Beachtlich ist, dass „Wer 4 sind“ tatsächlich der richtige Titel für diesen Film ist. Die Fantas sind eben so, wie sie sich hier darstellen: Vier Normalos aus dem Schwabenland, die anfangs Glück hatten und immer noch haben, Identifikationsfiguren für eine ansonsten schweigende Mehrheit, mit einfachen Botschaften, die inzwischen auch mal gegen die Klimakatastrophe oder die Nazis gerichtet sind. Die Band hat längst ein Popularitätslevel erreicht, dass sie aus Deutschland nicht mehr wegzudenken ist. Darin unterscheiden sie sich kaum von Roberto Blanco und Thomas Gottschalk. Und sie sind schlau genug, im Film zu erwähnen, dass es auch hätte anders laufen können: „Ich weiß nicht, wie wir vier uns entwickelt hätten, wenn jeder seinen eigenen Weg gegangen wäre. Ich befürchte, ich wäre viel langweiliger geworden. – Ich glaube nicht, dass wir noch Freunde wären, weil wir sehr unterschiedlich sind. Es hätte sich einfach verlaufen, irgendwie.“

Stuttgart im Herzen

Eben Glück gehabt. Dazu gratulieren im Film dann auch noch Leute aus dem deutschen Hip-Hop-Mittelstand wie Samy Deluxe, Afrob und Curse. Aber die Fantas - wo sie inzwischen auch wohnen mögen – tragen das ewige Stuttgart immer im Herzen.


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