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#failoftheweek Läuft nicht bei Trump

Leere Arena, lange Gesichter: Der Wahlkampfauftritt in Tusla war für Donald Trump ein Desaster. Tulsa, das ist nun das Symbol dafür, dass Donald Trump nichts mehr gelingt – offline sowieso nicht, aber auch nicht online. Ein Kommentar von Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 26.06.2020

Leere Sitze bei Trumps Wahlkampf in Tulsa, Oklahoma am 20.6.20 | Bild: picture-alliance/dpa

Die Krawatte baumelt schlaff um den Hals, die Gesichtszüge strahlen in etwa so viel Optimismus aus, wie eine korruptionsbereinigte Wirecard-Bilanz und dann dieser "Daumen hoch"-Daumen! Es ist der lustloseste „Daumen hoch“-Daumen der „Daumen hoch“-Daumen-Geschichte.

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The Hill 21.06.2020 | 08:11 Uhr MOMENTS AGO: President Trump arrives at the White House from Joint Base Andrews. He is holding a 'Make America Great Again' hat. https://t.co/e94ILNFP44

MOMENTS AGO: President Trump arrives at the White House from Joint Base Andrews. He is holding a 'Make America Great Again' hat. https://t.co/e94ILNFP44 | Bild: thehill (via Twitter)

Donald Trump wirkt abgekämpft, müde und angezählt, als er von seinem misslungenen Wahlkampf-Auftritt in Tulsa wiederkommt. Eigentlich hätte das ja die Mutter aller Wahlkampfauftritte... ach was, die heilige Mutter Gottes aller Wahlkampfauftritte hätte das werden sollen! Aber es kam anders. Die Ränge im Stadion blieben leer, nur etwa 6.200 Menschen verirrten sich in die Arena um Trump anzufeuern. Zum Vergleich: Wenn nicht gerade Corona ist, lockt sogar der 1. FC Nürnberg das Vierfache an Zuschauern an. Was war da los?

Nun, TikTok war los

Auf TikTok und unter K-Pop-Fans wurde im Vorfeld der Veranstaltung dazu aufgerufen, sich für das Event zu registrieren. Die Kontrollen bei der Registrierung waren laxer als die Hygienevorschriften in der Zerlegung bei Tönnies. Die Folge: Eine Fake-Nachfrage, die es in Wirklichkeit nie gab. Die TikTok-User blieben stattdessen zu Hause, hörten K-Pop, fuhren Longboard, spielten „Animal Crossing“, oder was „Zoomer“ - so wird diese Generation ja mittlerweile genannt - halt so machen, wenn sie nicht gerade auf TikTok abhängen. Am Ende war Trump blamiert. Der Troll getrollt von ein paar Teenager-Trollen.

Okay, es ist nicht klar, welchen Anteil TikToker und K-Popper an dem Wahlkampfflop von Trump am Ende wirklich hatten. Vielleicht stand den Leuten auch einfach gerade nicht der Sinn nach einem Corona-Superspreading-Event. Aber diese Episode steht symptomatisch dafür, dass Trump in letzter Zeit nicht mehr so viel gelingt – offline sowieso nicht, aber auch nicht online. Kürzlich erst sorgte Trump für Gelächter, weil er zum Trinken aus einem Wasserglas beide Hände benötigte. Da half es auch nichts, dass Trump in Tulsa vor dem verbliebenen Restpublikum unter Beweis stellte, dass er das auch einhändig hinbekommt.

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NowThis 21.06.2020 | 02:58 Uhr After a rant about how he can *definitely* drink a glass of water normally, Pres. Trump demonstrated by taking a sip and flinging a half-full cup across the stage. Supporters at his rally in Tulsa, OK erupted into cheers. https://t.co/XzCMstsfoc

After a rant about how he can *definitely* drink a glass of water normally, Pres. Trump demonstrated by taking a sip and flinging a half-full cup across the stage. Supporters at his rally in Tulsa, OK erupted into cheers. https://t.co/XzCMstsfoc | Bild: nowthisnews (via Twitter)

Dauerbeef mit Twitter und Facebook

Und dann ist da ja noch sein Dauerbeef mit den sozialen Netzwerken selbst. Twitter ist dazu übergegangen, Trumps-Tweets zu markieren und nun löschte sogar Facebook ein Trump-Video. Facebook hat auch angekündigt, dass man politische Werbung auf dem Netzwerk wird abschalten können. Trump dürfte das empfindlicher treffen als Biden, weil Trump traditionell auf Facebook-Werbung setzt.

Der Flop von Tulsa könnte ein Wendepunkt sein. Tulsa zeigt, dass Trump sich in den alten sozialen Netzwerken nicht mehr mit der gewohnten trumpeltierhaften Sicherheit bewegt – und bewegen kann. Tulsa zeigt auch, dass Trump und seine Anhänger die neuen sozialen Netzwerke aber offenbar noch nicht verstanden haben. Und Tulsa zeigt vor allem auch, dass man sich Teenager mit Faible für koreanischer Popmusik nicht zum Feind machen sollte.


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