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#failoftheweek Der Sexismus-Skandal um Blizzard zeigt einmal mehr, wie rückständig die Games-Branche ist

Seit Jahren wird die Computerspielbranche immer wieder von Sexismus-Skandalen heimgesucht. Diese Woche hat der Staat Florida gegen den Branchenriesen Blizzard geklagt. Es geht um die Vernichtung von Beweismaterial. Es wird Zeit für das Realitäts-Add-On "Gleichberechtigung", kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 20.08.2021

Blizzard Entertainment | Bild: Blizzard Entertainment / Collage: BR

2010 auf der BlizzCon, der hauseigenen Messe des Computerspielentwicklers Activision Blizzard. Es geht um „World of Warcraft“, das große Online-Rollenspiel des Unternehmens. Eine junge Frau meldet sich beim Q&A mit den Entwicklern zu Wort. Freundlich lobt sie die Designer, doch dann will sie wissen, warum zum Henker eigentlich alle weiblichen Spielfiguren aussehen, als wären sie aus einem Unterwäsche-Katalog herausgepurzelt.

Verstörender Youtube-Clip

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Blizzcon 2010 Open Q&A  leader females victoria secrets | Bild: curesforpain (via YouTube)

Blizzcon 2010 Open Q&A leader females victoria secrets

Daraufhin erstmal Jubel, aber auch Buh-Rufe. Sechs Entwickler auf der Bühne, alles Männer, so ein richtiges Wurstfest halt. Und dann, diese Antwort: „Aus welchem anderen Katalog sollen sie denn kommen?“, witzelt der eine. Die Fragestellerin lächelt gequält, doch sogar als sie schon umdreht, um zu gehen, geht es auf der Bühne munter weiter: Aus welchem Katalog kommt eigentlich der weibliche Minotaurus im Spiel? „Aus dem ‚Sexy, sexy Cowbusiness-Katalog‘“. Lol.

Aus dem verstörenden Clip suppt es aus jedem Frame Sexismus. Einer der damaligen Panel-Teilnehmer hat sich deswegen letztens etwas umständlich entschuldigt, doch längst ist das Video zum Symbol geworden für einen der größten Sexismus-Skandale in der an Sexismus-Skandalen ja nicht gerade armen Computerspielbranche.

Der Staat Florida verklagt klagt Blizzard Entertainment

Blizzard-Activision ist nicht irgendein Computerspiel-Unternehmen. Es steht hinter „Diablo“ und „Call of Duty“, zwei der erfolgreichsten Spiele-Serien überhaupt. Und mit „Overwatch“ hat die Firma einen Multiplayer-Shooter im Portfolio, welcher bekannt dafür ist, besonders auf Vielfalt und Diversität bei den Spielfiguren zu achten. Zugleich aber muss es, glaubt man einer Klage des Staates Florida, in der Firma frauenfeindlicher zugegangen sein als bei einem tütenweingeschwängerten Lockerroom-Talk zwischen Donald Trump und Fips Asmussen.

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The Blizzard Sexual Harassment Controversy Explained | Bild: theScore esports (via YouTube)

The Blizzard Sexual Harassment Controversy Explained

Es ist die Rede von sexueller Belästigung, von sexistischen Witzen, davon, dass Frauen zur Arbeit abkommandiert worden seien, damit die Männer schön vor sich hin zocken konnten. Frauen sollen außerdem Aufstiegschance verwehrt worden sein und dann ist da noch das zweite Symbol dieses Skandals, nämlich die berüchtigte Bill Cosby-Suite, ein Hotelzimmer in Anaheim, Kalifornien.

Hier wurde gesoffen, hier wurde geflachwitzt und hier posierten zur BlizzCon 2013 hohe Blizzard-Angestellte auf dem Bett liegend vor einem Portrait von Bill Cosby, gegen den es damals schon laute Vergewaltigungsvorwürfe gab. Mittlerweile musste der CEO der Firma gehen, aber der Skandal ist noch lange nicht vorbei. Diese Woche wurde bekannt, dass der Publisher Beweismaterial vernichtet haben soll.

Wo ist das Realitäts-Add-On "Gleichberechtigung"?

Der Fall Blizzard-Activision ist auch deswegen so schockierend, weil jeder weiß, dass Bro-Culture gerade in IT-Berufen weniger die Ausnahme ist, als vielmehr die Regel. Und zwar immer noch. Es ist eine Kultur, die dafür sorgt, das Mädchen und Frauen aus den gutbezahlten Jobs herausgedrängt werden. Eine Kultur, in der sich im Übrigen auch viele Männer unwohl fühlen. In vielen Computerspielen sehen die weiblichen Charaktere heute zwar nicht mehr aus, wie aus dem Unterwäsche-Katalog. Aber auf das Realitäts-Add-On "Gleichberechtigung", in dem Frauen in der IT auf genauso viel Respekt treffen wie ihre männlichen Kollegen, warten wir schon viel zu lange.