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#failoftheweek Milliardäre, hört auf den Weltraum vollzumüllen!

Elon Musk und Jeff Bezos wollen tausende Satelliten in den Orbit schicken. Über den Weltraumschrott, der dabei oft sinnlos entsteht, machen sie sich wenig Gedanken. Dabei haben wir auch den Orbit nur von unseren Kindern geliehen, kommentiert Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 17.05.2019

Auch für Elon Musk gilt Mülltrennung | Bild: ESO / BR

Eigentlich wollte Elon Musk, SpaceX-Gründer und Ersatz-Tony Stark, diese Woche eine Falcon-Rakete in den Orbit schicken. Und mit ihr: 60 Satelliten. Musk hatte sich auf Twitter schon gefreut wie ein 15-jähriger auf den ersten Camping-Urlaub ohne Eltern:

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Elon Musk 12.05.2019 | 03:43 Uhr First 60 @SpaceX Starlink satellites loaded into Falcon fairing. Tight fit. https://t.co/gZq8gHg9uK

First 60 @SpaceX Starlink satellites loaded into Falcon fairing. Tight fit. https://t.co/gZq8gHg9uK | Bild: elonmusk (via Twitter)

Aus dem Start am Donnerstag wurde dann aber nichts, zu viel Wind. Aus dem Start am Freitag auch nichts, Softwareprobleme. Und vielleicht wäre es besser, die Teile würden einfach auf dem Boden bleiben.

Satelliten-Schießen: Ein teures Hobby

Ein wenig hat man das Gefühl, Satelliten in den Weltraum schießen ist heute das, was Tontauben-Schießen früher war: Ein exzentrisches Hobby für reiche Leute, die irgendwas in die Luft bringen wollen. Aber natürlich stehen dahinter knallharte Geschäftsinteressen: Gewaltige Satelliten-Konstellationen sollen das Internet in die entlegensten Winkel unserer Erde bringen. Amazon-Chef Jeff Bezos etwa möchte genau 3.236 Satelliten in den Orbit schießen, an einer ähnlichen Flotte arbeitet auch der Flugzeughersteller Airbus gemeinsam mit verschiedenen Partnern.

Und dann ist da eben noch Elon Musk. Er möchte nicht 3.000, 4.000 oder 5000 Satelliten ins All schießen. Nein nein! Elon Musk möchte genau 11.927 Satelliten ins All schießen! Starlink heißt dieses Projekt, das bis 2027 abgeschlossen sein soll und dessen erste 60 Satelliten eigentlich jetzt schon im Orbit sein sollten. Das Problem daran: Auch der Orbit ist eine endliche Ressource - und Elon müllt ihn gerade mit seinen Billigsatelliten zu.

Weltraumschrott nimmt überhand

Das bereitet Sorgen. "Für uns solche Ankündigungen natürlich erschreckend", sagt zum Beispiel Martin Langer Sorgen, der am Lehrstuhl für Raumfahrttechnik die TU München die Forschungsgruppe für kleine Satelliten leitet. "Da fragt man sich natürlich, wo das Ganze hinführen soll und ob das Thema Weltraummüll auch irgendwie Beachtung findet oder vielleicht hinter den kommerziellen Interessen momentan sehr weit hinten angestellt wird."

Anfang 2019 befanden sich immerhin schon 1.957 Satelliten im Orbit. Jetzt sollen Tausende weitere hinzukommen. Das ist solange kein Problem, wie die Satelliten funktionieren und man sie kontrolliert „de-orbiten“ lassen kann. Das heißt, sie in die Erdatmosphäre bugsieren kann, wo sie dann verglühen. Gehen die Satelliten aber vorher kaputt, dann flitzen sie unkontrolliert als Weltraummüll um die Erde, treffen andere Satelliten, die dann kaputtgehen, die dann wieder als Weltraummüll um die Erde fliegen, die dann wieder andere Satelliten treffen und immer so weiter.

Und irgendwann ist da oben dann kein Platz mehr, weil die Kollisionswahrscheinlichkeit so hoch ist, dass niemand mehr einen Satelliten betreiben kann. Es klingt vielleicht etwas seltsam, aber es ist trotzdem wahr: Wir haben den Orbit nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen – und das sollten sich auch Elon Musk und andere klar machen. 


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