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#failoftheweek Kein Twitter-Ersatz: Die Plattform Mastodon ist so sexy wie ein Dampfbügeleisen

Elon Musk ruiniert Twitter. Doch Rettung naht! Mastodon gilt als die Twitter-Alternative der Stunde. Das Problem daran, kommentiert Christian Schiffer: Es ist keine. Mastodon ist das Holzspielzeug unter den Social-Media-Plattformen.

Author: Christian Schiffer

Published at: 11-11-2022

Begrüßungsseite mit mehreren bunten Mastodons | Bild: Mastodon

Mastodon, so heißt eine Metal-Band aus Atlanta, die im Jahr 2000 gegründet wurde. Mastodon haben bislang acht Studioalben veröffentlicht und außerdem vier Biere, die sich allesamt durch einen hohen Alkoholgehalt auszeichnen und Namen tragen wie „Crack the Skye“ oder auch einfach nur „Mother Puncher“. Kurz gesagt: Mastodon hat Power und lässt es ganz schön krachen. Und damit ist die Metal-Band Mastodon der musikalische Gegenentwurf zu dem gleichnamigen Mikro-Blogging-Dienst Mastodon, das gerade überall als Twitter-Alternative gepriesen wird.

Mastodon, das Holzspielzeug unter den Social-Media-Plattformen

Viel cooler als die App: Die Metal-Band Mastodon

Denn Mastodon, also die angebliche Twitter-Alternative, ist keine. Mastodon ist unkommerziell, Mastodon ist dezentral, aber Mastodon ist halt auch ein wenig das Holzspielzeug unter den Social-Media-Plattformen: Gut für die Welt, aber auch ein bisschen so, als hätte Benjamin Blümchen ein Social Network aufgemacht: Betulich, brav und so sexy wie ein Dampfbügeleisen. Vor allem aber ist Mastodon nicht Twitter. Ja, es sieht ein aus wie Twitter, aber es fehlt alles, was Twitter zu einer globalen Speakers Corner macht.

Auf Mastodon muss man sich sogenannten „Instanzen“ anschließen, Themendörfern quasi, die von irgendwelchen Admins betrieben werden, die man nicht kennt, die aber trotzdem die eigenen Privatnachrichten lesen können. Aufgrund des Instanz-Systems gibt es keine Volltext-Suche und so fühlt sich Mastodon weniger nach globalem Marktplatz an, als vielmehr nach Dorfkneipe im Erdinger Umland, nur halt mit weniger Gästen und ohne Bier.

Mastodon hat wenig von dem, was Twitter auszeichnet

Während Twitter ein Fluss an Informationen ist, in den jeder sein Papierschiffchen reinwerfen und es jeder sehen kann, ist Mastodon wie eine Landschaft aus Bächen, die mit kleinen Kanälen verbunden werden. Das ist gut gemeint, aber führt aber in der Praxis zu Tribalismus und dazu, dass Mastodon sich anfühlt, wie ein socialmediafiziertes Onlineforum aus den 00er-Jahren. Und dann gibt es die Dinge, die man auf Twitter eigentlich hasst, aber die man auf Mastodon trotzdem vermisst. Das Geschrei, die albernen Hottakes, die Trottel-Tweets von Elon Musk ja und sogar den Algorithmus. Das, was einem Nullen und Einsen bei Twitter vorsetzen, ist doch so viel besser als auf Mastodon dauernd die Posts von Berliner Systemadministratoren sehen zu müssen.

Und deswegen, liebe Nerds, ist Mastodon ist ein tolles und ambitioniertes Projekt. Aber als Twitter-Alternative, die Millionen Menschen auf der Welt benutzen, funktioniert es einfach nicht.